Daten zur Geschichte

Siegesfeier der Sandinistischen Volksrevolution 1979 in Managua

 

2012

Die Kommunalwahlen vom 4. November gewinnt die Allianz der FSLN mit großem Vorsprung vor den anderen Parteien. Auch bei diesen Wahlen werden Vorwürfe der Intransparenz und des Betrugs laut.

Nicaragua ratifiziert als erstes der sechs beteiligten zentralamerikanischen Länder das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union (Acuerdo de Asociación, AdA). Kritiker des AdA befürchten, dass dieses Freihandelsabkommen nicht der Öffnung des europäischen Markts für Produkte aus Mittelamerika dienen wird, sondern eher den Großkonzernen der EU.

Der Internationale Gerichtshof in Den Haag entscheidet, dass ein Seegebiet in der Karibik Nicaraguas Staatsgebiet zugeschlagen wird. Dieses Seegebiet war 1928 an Kolumbien gefallen. Nicaragua forderte es seit langem zurück, da es 1928 wegen der Besatzung durch US-Truppen kein souveräner Staat gewesen war. Das Gebiet liegt über dem Festlandsockel Nicaraguas; hier werden reiche Bodenschätze, darunter Erdöl, vermutet, sollen, so die nicaraguanische Regierung, aber nicht ausgebeutet werden. Auch für den Fischfang ist das Gebiet höchst interessant. Einige Inseln des Gebietes, das etwa die Größe der Landmasse Nicaraguas besitzt, bleiben innerhalb einer 12-Meilen-Zone unter kolumbianischer Verwaltung. Die kolumbianische Regierung ist über den Urteilsspruch enttäuscht und lässt zunächst ihre Marine weiter in diesem Seegebiet patrouillieren. Die Regierung Ortega schlägt einen Dialog zur Übergabe der Gebiete vor, die sie gleichfalls von Marineschiffen kontrollieren lässt. Zu einem Krieg wollen es beide Seiten nicht kommen lassen, so die offiziellen Verlautbarungen.

2010/2011

Trotz der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise kann Nicaragua gute wirtschaftliche Daten vorlegen. Vor allem der Export- und Wirtschaftssektor boomt, und ausländische Investitionen nehmen zu.

Gleichzeitig sorgen soziale Programme wie „Hambre Cero“ (Null Hunger) und „Usura Cero“ (Null Wucher) dafür, dass viele Menschen in Nicaragua durch die damit verbundenen, extrem günstigen Kredite ihre Einkommenssituation durch Ausweitung ihrer landwirtschaftlichen Produktion oder die Gründung eines kleinen Unternehmens verbessern können. Viele Bedürftige erhalten kleine Häuser zu günstigen Konditionen („Techos para el pueblo“ - Dächer für das Volk). Die Trinkwasserversorgung vor allem auf dem Land wird verbessert. Der Straßenbau wird forciert, und viele ländliche Gemeinden oder Armenviertel der Städte werden an das Stromnetz angeschlossen. Elektrizität wird zunehmend aus erneuerbaren Quellen (Wind, Wasser, Geothermie) gewonnen.

Alle diese Erleichterungen des täglichen Lebens steigern die Akzeptanz der Sandinistischen Regierung. Trotz eines ausdrücklichen Verfassungsverbots, das keine dritte Amtszeit für einen Präsidenten zulässt, wird Daniel Ortega wieder Präsidentschaftskandidat für die FSLN. Die Kandidatur wird vom Obersten Gerichtshof mit der Begründung zugelassen, dass eine Verweigerung dem höher einzuschätzenden Verfassungsparagraphen der Gleichheit aller Bürger widerspreche.

Die Wahlen vom 6. November 2011 gewinnt die FSLN mit Zwei-Drittel-Mehrheit (62 von 90 Parlamentssitzen). Die „Partido Liberal Independiente“ (Unabhängige Liberale Partei) wird mit 25 Abgeordneten zweite Kraft. Die „Partido Liberal Constitucionalista“ (Liberale Konstitutionelle Partei) des früheren, wegen Korruption verurteilten Präsidenten Arnoldo Alemán erleidet einen Absturz und stellt nur noch zwei Abgeordnete. Daniel Ortega gewinnt die Direktwahl zur Präsidentschaft mit großem Vorsprung vor den Mitbewerbern.

Wahlbeobachtermissionen der Europäischen Union und der Organisation amerikanischer Staaten berichten, wie auch die oppositionellen Parteien und etliche Organisationen der Zivilgesellschaft, von Wahlbetrug, können allerdings keine stichfesten Beweise vorlegen. Einige andere Beobachterorganisationen sprechen von einem normalen und fairen Verlauf der Wahlen. Meinungsumfragen nach den Wahlen ermitteln eine hohe Zufriedenheit der Menschen sowohl mit den Wahlen als auch mit Ortega und der Arbeit seiner Regierung.

Zu ausführlicher Information über die Wahlen siehe im Atabal-Archiv den Artikel „Der neue Präsident ist – wie erwartet – der alte“ ( Atabal Nr. 77, Frühjahr 2012).

2009

Die FSLN-Regierung legt einen überaus positiven Rechenschaftsbericht über ihre bisherige Arbeit vor, die vor allem die ärmsten Bevölkerungsschichten begünstigt. Gleichzeitig müssen wegen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise und wegen des Wegfalls der Haushaltszuschüsse der Geberländer erhebliche Einschränkungen im Staatshaushalt 2009 vorgenommen werden. Wegen des drastisch gesunkenen Ölpreises reduzieren sich auch die Hilfsleistungen aus Venezuela, die sehr intransparent außerhalb des Haushalts verwaltet werden.

Die PLC-Mitglieder des Obersten Gerichtshofs erwirken die Aufhebung der Urteile gegen Ex-Präsident Arnoldo Alemán in vier Anklagepunkten. Alemán nimmt seine politischen Aktivitäten, die er bisher nur verdeckt weiterführen konnte, sofort wieder offen auf.

Hinter der Aktion der Freisprechung wird ein neuerlicher Pakt zwischen FSLN und PLC vermutet: Die Verfassung soll dahingehend geändert werden, dass Präsidenten wiedergewählt werden dürfen, oder die Staatsform in eine parlamentarische Demokratie umgewandelt wird, so dass die Macht bei einem wiederwählbaren Premierminister läge. Für eine solche Verfassungsänderung hätten PLC und FSLN nur gemeinsam eine entsprechende Mehrheit.

2008

Die Alphabetisierungskampagne "Yo sí puedo" (Ich kann's doch) senkt die Analphabetenrate auf einen historischen Tiefststand von unter 8%. Bis Mitte 2009 will Nicaragua sich als analphabetenfreies Territorium deklarieren können.

Die Kommunalwahlen im November gewinnt die FSLN-Allianz deutlich. Die Opposition, vor allem die PLC, spricht noch am Wahlabend von massivem Betrug. Es kommt über Wochen zu erheblichen Unruhen vor allem in Managua und zu einem parlamentarischen Boykott durch die PLC, die so die Verabschiedung des Haushalts für 2009 verhindert.

Zahlreiche Geberländer, darunter die gesamte EU, frieren aufgrund des Vorwurfs des Wahlbetrugs und intransparenter Regierungsführung ihre finanziellen Hilfen für den nicaraguanischen Haushalt ein.

2007

Daniel Ortega Saavedra wird zum zweiten Mal (nach 1985) Präsident Nicaraguas. Seine Regierung der Nationalen Versöhnung und Einheit tritt dem von Venezuela initiierten Staatenbündnis "Alternativa Bolivariana para las Américas" (Bolivarianische Alternative für die Amerikas, ALBA) bei, aus dem sie erhebliche finanzielle und materielle Unterstützung zur Durchführung sozialer und wirtschaftlicher Programme erhält.

Schulbesuch und Gesundheitswesen werden für die Bevölkerung wieder kostenfrei, Programme wie "Hambre Cero" (Null Hunger) und "Usura Cero" (Null Wucher) kommen den armen Bevölkerungsschichten zugute.

Trotz lautstarker Kapitalismusschelte bleibt Nicaragua Mitglied internationaler Organisationen wie CAFTA, der Weltbank oder des Internationalen Währungsfonds.

2006

Die FSLN-Allianz "Unida, Nicaragua triunfa" (Vereint siegt Nicaragua) gewinnt die Wahlen zur Nationalversammlung. Bei den Wahlen zur Präsidentschaft siegt FSLN-Kandidat Daniel Ortega mit 38,1% der Stimmen mit ausreichendem Vorsprung vor dem Kandidaten der PLC, Eduardo Montealegre (30%) und dem der MRS, Edmundo Jarquín Calderón, der 6,44% erreicht.

Wahlbeobachterdelegationen der EU und der OAS sprechen von fairen und transparenten Wahlen. Nur die USA bemängeln "Anomalien", können diese aber nicht näher definieren oder belegen.

2005

Gründung der politischen Bewegung Movimiento por el Rescate del Sandinismo (Bewegung zur Rettung des Sandinismus, MPRS), bekannt als  EL RESCATE (die Rettung), gegründet von Henry Ruiz y Herty Lewites Rodríguez, Dissidenten der FSLN ebenso wie weiteren wichtigen Ex-Mitgliedern wie Mónica Baltodano und Víctor Hugo Tinoco.

Die MPRS tritt bei den nationalen Wahlen 2006 im Bündnis mit der MRS an, zunächst mit Herty Lewites Rodríguez als Präsidentschaftskandidat, der jedoch im selben Jahr stirbt und durch Edmundo Jarquín Calderón ersetzt wird.

2003

Die Immunität Alemans wird aufgehoben. Er wird wegen massiver Korruption zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt, die er aber nicht antreten muss. Er steht unter Hausarrest und darf den Bezirk Managua nicht verlassen.

2001

Der Liberale Enrique Bolaños Geyer wird mit 53% der Stimmen zum Präsidenten gewählt. Die FSLN erhält 45%. Spitzenkandidat war wieder Daniel Ortega, obwohl sich viele Parteikader dagegen verwehrt hatten. Bolaños nimmt mit Unterstützung der internationalen Gebergemeinschaft den Kampf gegen die Korruption auf.

2000

Bei den Kommunalwahlen unterliegt die FSLN deutlich.

1996

Gründung der Alianza Liberal (Liberale Allianz, AL) durch die 1994 aus der U.N.O. ausgetretenen Parteien.

1995 - 2001

Wahl Arnoldo Alemáns von der Partido Liberal Constitucionalista (Liberal-konstitutionalistische Partei, PLC) zum Präsidenten. In seiner Regierungszeit ab 1996 werden mit erheblicher Unterstützung durch die internationale Gemeinschaft deutliche Fortschritte beim Wiederaufbau des Landes erzielt. Gleichzeitig nimmt die Korruption zu. Die Sandinistische Befreiungsfront ist unter Führung Daniel Ortegas zur größten Oppositionspartei geworden, die im Inneren jedoch keinen demokratischen Konsens findet.

Die Regierungen, die auf die Revolution folgen, wenden neoliberale Wirtschaftskonzepte an, die den Handel und die Infrastruktur des Landes zu Gunsten der Mittel- und Oberschicht verbessern. Auch wenn das Ende des Krieges eine gewisse politische Stabilität und größere demokratische Freiheiten bringen, unterzeichnen Arnoldo Alemán und Daniel Ortega aus wahltaktischen Gründen einen Pakt, der dem Land ein Zwei-Parteien-System aufzwingen soll, indem neuen Parteien der Zugang erschwert und freie Bürgerlisten verboten werden. PLC und FSLN nehmen starken Einfluss auf die obersten Gremien des Landes, außerdem erhalten von nun an Präsident_inneen und deren Stellvertreter_innen nach ihren Amtszeiten Abgeordnetenstatus und damit Immunität auf Lebenszeit.

1995

Sergio Ramírez Mercado, Dora María Téllez, Ernesto Cardenal  und andere Dissidenten der FSLN gründen wegen Meinungsverschiedenheiten insbesondere mit dem früheren sandinistischen Präsidenten, Daniel Ortega, die Partei Movimiento de Renovación Sandinista (Bewegung der sandinistischen Erneuerung, MRS), da sie Ortegas dogmatischen Kurs nicht mittragen wollen.

1994

Vier Parteien verlassen das Bündnis der U.N.O., das sich fortan Alianza Política Opositora (Politische Oppositionsallianz, APO) nennt.

1990

Überraschender Wahlsieg eines aus 14 Parteien bestehenden heterogenen Bündnisses, der Unión Nacional Opositora (Nationale Oppositionsallianz, U.N.O.). Präsidentin wird Violeta Barrios de Chamorro, Witwe des unter Samoza ermordeten Zeitungsverlegers Pedro Joaquín Chamorro und 1979 kurzzeitiges Mitglied der revolutionären Junta. Die FSLN bleibt mit knapp über 40% stärkste Einzelpartei. Beginn der Entwaffnung der Contra.

Einige sandinistische Führungskader stellen sich zwischen dem 25. Februar 1990 (Wahltag) und dem 25. April 1990 (Amtsübergabe) etliche Eigentumstitel aus, privatisieren Dienstwagen und übertragen Staatsgüter auf Privatpersonen. Zum Teil sind dies Eigentumsüberträge aus den elf Jahren davor, die damals nicht legalisiert worden waren. Aber in mindestens 200 Fällen werden staatliche Vermögenswerte und einzelne Betriebe auf die FSLN übertragen. Diese Aktion der FSLN wird rasch unter der Bezeichnung Piñata bekannt. Piñata ist ein beliebtes Kinderspiel, bei dem eine lustige Tonpuppe zerschlagen wird, aus der Bonbons fallen, an denen sich die Kinder bedienen.

1988

Verhandlungen über einen Waffenstillstand beginnen. Als Ergebnis wird das Abkommen „Esquipulas II“ von den zentralamerikanischen Staatspräsidenten unterzeichnet. In diesem Abkommen einigen sich die Staatspräsidenten auf die Demobilisierung aller irregulären Truppen, die Verkleinerung der regulären Armeen sowie freie und geheime Wahlen. Das sandinistische Nicaragua ist allerdings der einzige beteiligte Staat, der die Übereinkünfte erfüllt.

Der US-Kongress stimmt der Finanzierung der Wahlkampagne der Unión Nacional Opositora (Nationale Oppositonsunion, U.N.O.) zu.

1986

Die nicaraguanische Bevölkerung leidet unter der starken Rationierung von Grundnahrungsmitteln, Benzin und Strom.

1985

Die USA verhängen eine Wirtschaftsblockade gegen Nicaragua.

1984

Die CIA vermint die wichtigsten Häfen Nicaraguas. Die Bundesrepublik Deutschland friert bereits zugesagte Entwicklungshilfe für Nicaragua ein.

Aus den ersten freien Wahlen in Nicaragua im Jahr 1984 geht die FSLN als Siegerin hervor. Internationale Wahlbeobachter, darunter der amerikanische Expräsident Jimmy Carter, attestierten einen fairen Verlauf.  Präsident wird Daniel Ortega Saavedra.

1981

Reagan beschuldigt die sandinistische Regierung, Waffen an die Guerilla in El Salvador zu schicken, und sperrt Darlehen Nicaraguas.

ab 1982

Beginn des bewaffneten Widerstandes der so genannten Contra aus Honduras und Costa Rica gegen die sandinistische Regierung und logistische und finanzielle Unterstützung der Contras durch die USA.

1980

Somoza wird in Paraguay von Unbekannten ermordet. In den USA wird Ronald Reagan Präsident.

1979

Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts scheitern. Daraufhin kommt es zur Vereinigung der drei Flügel der FSLN. Die gegründete Regierung des nationalen Wiederaufbaus (darunter Violeta Barrios de Chamorro, Daniel Ortega Saavedra, Sergio Ramírez Mercado) verlangt den Rücktritt Somozas und weigert sich mehrheitlich, den Antrag der Vereinten Nationen zu unterstützen, eine Friedenstruppe nach Nicaragua zu schicken.

Am 17.Juli verlässt Anastasio Somoza das Land. Die Guardia Nacional läuft auseinander. Am 19. Juli ziehen die sandinistischen gueriller@s siegreich Managua ein und übernehmen die Kontrolle über das Land. Die Revolution hat gesiegt.

Zu den ersten Maßnahmen der neuen Regierung gehören die Enteignung des Besitzes der Familie Somoza, die Verstaatlichung der Banken und Minen, die Abschaffung der Todesstrafe, die Garantie der Meinungsfreiheit, umfangreiche Reformen im Gesundheits- und Bildungswesen und eine Agrarreform zu Gunsten landloser Bauern.

1978

Nach der Ermordung Pedro Joaquín Chamorros (Leiter der Tageszeitung „La prensa“) kommt es überall im Land zu Aufständen gegen die Diktatur. Léon, Matagalpa, Estelí, Chinandega, Diriamba und Managua werden von der Guardia Nacional bombardiert.

Ein FSLN-Kommando besetzt den Nationalpalast und nimmt das gesamte "Parlament" sowie einige Mitglieder der Somoza-Familie als Geiseln. Nach tagelangen Verhandlungen werden die Forderungen des Kommandos erfüllt:  freier Abzug, ein hohes Lösegeld, die Verlesung eines Kommuniqués gegen die Diktatur in den Medien und die Freilassung zahlreicher politischer Gefangener des Regimes. Die Fahrt des Kommandos zum Flughafen Managuas wird zu einem von der Bevölkerung bejubelten Triumphzug.

1975

Die Unterdrückung weitet sich auf das gesamte Land aus. Hunderte von Bauern werden gefoltert und ermordet. Die FSLN verliert viele ihrer Führungskader, unter ihnen Carlos Fonseca und Eduardo Contreras.

Die FSLN spaltet sich in drei Flügel, die unterschiedliche Wege zur Beendigung der Diktatur suchen.

1974

Nach Ausarbeitung einer neuen Verfassung mit Sondervollmachten für den Präsidenten lässt Anastasio Somoza Debayle sich wieder zum Präsidenten wählen.

Ein FSLN-Kommando führt zu Weihnachten einen Überfall auf das Haus eines Verwandten des Diktators durch, wo eine Party stattfindet, an der hohe Regierungsfunktionäre teilnehmen. Als Gegenleistung zur Freilassung der Geiseln erhalten die Kämpfer_innen freien Abzug und ein hohes Lösegeld. Im Radio wird ein Kommuniqué gegen die Diktatur verlesen, alle politischen Gefangenen werden befreit, unter ihnen Daniel Ortega Saavedra, der seit sieben Jahren im Gefängnis saß.

Somoza führt den Ausnahmezustand und die Pressezensur ein.

1972

Ein Erdbeben am 23. Dezember zerstört Managua. Mehr als 30.000 Tote, hunderttausende Verletzte sind zu beklagen. Anastasio Somoza Debayle ernennt sich selbst zum Präsidenten des Notstandskomitees und übernimmt damit die Herrschaft über das Land. Die Familie Somoza leitet große Teile der internationalen Hilfsgelderauf ihre Konten um, geschenkte Hilfsgüter werden von ihren Firmen verkauft, und sie reißt das durch die Katastrophe aufblühende Bau- und Bankgewerbe an sich. Noch heute sind große Teile der Innenstadt nicht wiederhergestellt.

1971

Offizielle Machtübergabe Somozas an eine Zivilregierung.

1967

Anastasio Somoza Debayle übernimmt durch Wahlbetrug die Präsidentschaft.

1963

Luis Somoza stirbt an einem Herzinfarkt.

1961

Carlos Fonseca Amador ist der führende Kopf bei der Gründung der „Frente Sandinista de Liberación Nacional“ (Sandinistische Front zur Nationalen Befreiung, FSLN). Weitere Gründungsmitglieder sind Tomás Borge Martínez und Silvio Mayorga.

1956

Der Dichter Rigoberto López Pérez erschießt den Diktator Anastasio Somoza García  in León, woraufhin er selbst von Somozas Leibwächtern erschossen wird. Somozas Sohn Luis Somoza Debayle wird Präsident, sein jüngerer Bruder Anastasio Somoza Debayle übernimmt die Leitung der Guardia Nacional.

1937

Anastasio Somoza García übernimmt die Präsidentschaft Nicaraguas. Beginn seiner Diktatur.

1936

Anastasio Somoza García putscht gegen Präsident Sacasa, der nach Costa Rica flieht, und lässt sich zum Präsidenten wählen.

1934

Ermordung Sandinos durch die von den USA gegründete Nationalgarde, deren Führer Anastasio Somoza García mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet ist. Somoza lässt in vielen Landesteilen Aufstände anzetteln, die er mit der Nationalgarde niederschlägt. So festigt er seine Macht.

1933

Juan Bautista Sacasa wird, von den USA protegiert, Präsident Nicaraguas.

1927 - 1933

1927 entflammt der Bürgerkrieg erneut zwischen der konservativen Regierung und den Liberalen, zu deren Generälen auch Augusto C. Sandino zählt. Nachdem der persönliche Abgesandte des US-Präsidenten Calvin Coolidge dem Anführer der Liberalen, General José María Moncada die Präsidentschaft versprochen hat, erzwingt er den "Pakt von Espino Negro", in dem die Entwaffnung der Liberalen festgeschrieben wird. Lediglich Sandino und 30 seiner Soldaten lassen sich nicht entwaffnenund ziehen sich in die Berge im Norden des Landes zurück. Dort stellt Sandino von neuem eine kleine Truppe auf, kämpft gegen die Regierung und bringt den seit 1927 im Lande stationierten US-Rangers im Laufe von sechs Jahren eine Reihe empfindlicher Niederlagen bei. Sein Ziel ist eine Beendigung der Besetzung Nicaraguas durch die US-Truppen. Die USA bilden eine nicaraguanische Armee (Guardia Nacional – Nationalgarde) unter dem Befehl von Anasatasio Somoza García aus und ziehen sich 1933 aus Nicaragua zurück.

1912

Der neue konservative Präsident Adolfo Díaz, bis zu seiner Wahl Buchhalter eines nordamerikanischen Bergbauunternehmens in Nicaragua, nahm 1911 bei US-Banken Millionenkredite auf und überließ als Sicherheit der US-Regierung die direkte Kontrolle der nicaraguanischen Zolleinnahmen. Ein Jahr später muss die Regierung Díaz gegen ein aufständisches Heer des bisherigen Kriegsministers Luís Mena durch US-Marines gerettet werden, die am 14. August 1912 in Nicaragua landen und die Städte Managua, Granada und León besetzen. Die Marines unterstützen fortan die konservative Regierung gegen liberale Rebellen.

1909

Eine Militärrebellion an der Karibikküste und der Druck der USA zwingen General Zelaya zum Rücktritt.

1893

Präsident José Santos Zelaya löst eine "liberale Revolution" aus. Nachdem er die Präsidentschaft übernommen hat, beschließt er, dem nordamerikanischen Anspruch auf das uneingeschränkte Recht zum Bau eines interozeanischen Kanals Grenzen aufzuerlegen. Dies akzeptieren die USA nicht und beschließen, den Kanal durch Panama zu bauen.

Zelaya setzt die Trennung von Staat und Kirche und die zentralisierte Kontrolle des ganzen Landes durch, fördert den ökonomisch bedeutend gewordenen Kaffeeanbau und lässt die Verkehrswege ausbauen. Mit dem "Dekret der Wiedereingliederung der Miskitoküste" lässt seine Regierung die Miskitoküste durch den General Cabezas militärisch besetzen. Den Miskitos wird die Aufrechterhaltung einer Reihe von Steuerprivilegien zugesagt.

1857 - 1887

Während dieser 30 Jahre wechseln sich eine Reihe von Präsidenten der konservativen Partei an der Macht ab.

William Walker wird von englischen Militärs verhaftet und honduranischen Behörden übergeben. Diese verurteilen ihn zum Tode, das Urteil wird am 12. September 1860 vollstreckt.

1878 interveniert deutsches Militär in Nicaragua nach einem Übergriff auf den Konsul in León, die so genannte Eisenstuck-Affäre.

Beginnend in der Stadt Matagalpa, kommt es 1881 zu einem Aufstand der indigenen Bevölkerung in der Pazifikregion. Auslöser ist die Privatisierung von bis dahin in Gemeinbesitz befindlichen Landes, in deren Folge sie in Lohn- oder Zwangsarbeit gedrängt werden, meist auf den expandierenden Kaffeeplantagen.

1856 - 1857

Vertreibung des amerikanischen Abenteurers und kurzzeitigen nicaraguanischen Präsidenten William Walker aus Nicaragua durch eine gemeinsame Intervention der zentralamerikanischen Staaten.

1855

Die Liberalen rufen in ihrer militärischen Auseinandersetzung mit den Konservativen William Walker zu Hilfe. William Walker hatte zwei Jahre zuvor in Mexiko geputscht und sich kurzzeitig zum Präsidenten von Baja California gemacht. Er landet an der Spitze einer Söldnertruppe in Nicaragua und wird ein Jahr später mit der Unterstützung der USA zum Präsidenten Nicaraguas. Mit diktatorischen Vollmachten ausgestattet, führt er die 1824 abgeschaffte Sklaverei wieder ein. Gegen seine Diktatur erhebt sich starker, aber erfolgloser Widerstand. Walker strebt die Macht über ganz Zentralamerika an, deren Staaten daraufhin eine gemeinsame Armee zu seiner Vertreibung aufstellen.

1849

Die USA erhalten das ausschließliche Recht zum Bau eines Kanals zwischen Atlantik und Pazifik durch Nicaragua. Die natürliche, jedoch unvollständige Verbindung zwischen den beiden Ozeanen läuft von Ost nach West über den Río San Juan del Norte an der südlichen Atlantikküste Nicaraguas durch den Río San Juan und den Nicaraguasee bis zum Hafen La Virgen, von dem aus die letzten 16 km bis zum Pazifikhafen San Juan del Sur im Südwesten des Landes mit der Postkutsche zurückgelegt werden. Diese Route wird während des Goldrausches in den USA zu einer der wichtigsten Ost-West-Transitstrecken.

1839

Nicaragua wird eine selbständige Republik. England errichtet ein Protektorat an der Moskitia, der Karibikküste Nicaraguas.

1823

Die Vereinigten Provinzen Mittelamerikas werden zur Zentralamerikanische Föderation, die neben Nicaragua aus Honduras, Guatemala, Costa Rica und El Salvador besteht.

1821

Am 15. September 1821 erklärt das Vizekönigreich Guatemala, zu dem Nicaragua gehört, seine Unabhängigkeit von der spanischen Krone. Der 15. September ist in allen zentralamerikanischen Staaten nationaler Unabhängigkeitstag.

1777

erheben sich die Boaco-Indígenas unter Führung ihres Kaziken Yarince gegen die Spanier.

1725

Ein Aufstand der Indígenas von León richtet sich gegen die spanische Herrschaft.

Da sich die spanische Kolonialherrschaft nur auf die Pazifikküste beschränkt, gerät die Karibikküste, die vom Rest des Landes durch gebirgige und unwegsame Regionen weitgehend getrennt ist,  von Jamaika aus für lange Zeit unter den Einfluss Großbritanniens.

1539

Diego Machuca „entdeckt“ den Río San Juan als Wasserstraße zwischen der Karibik und dem Nicaragua-See.

1538

Die wirtschaftlich und kulturell sehr hoch entwickelten Völker der Mangues, Pipil, Nicarao und Choroteguas werden versklavt, die Menschen in die Silberminen Perús und Boliviens verschleppt. Auf diese Weise wird Nicaragua fast völlig entvölkert, nachdem es, wie der Mönch Bartolomé de las Casas 1552 schreibt, “eine der am dichtesten bevölkerten Provinzen der Welt“ gewesen sei.

1524

Francisco Hernández de Córdoba gründet die Städte Léon und Granada. Ihre Rivalität, die bis zu bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen reicht, prägt über lange Zeit die Geschichte Nicaraguas. Nach ihm ist die nicaraguanische Währung, der Córdoba, benannt.

1522 - 24

Eroberung des Landes für die spanische Krone von Panama aus. Nicaragua wird Bestandteil des Generalkapitanats Guatemala, dessen Gebiet sich von Mexiko bis Costa Rica erstreckt.

Während der Kazike Nicarao sein Land für den kastilischen König requirieren lässt, sich zum Christentum bekehrt und den Spaniern wertvolle Geschenke macht, wiegt der Kazike und später als Volksheld verehrte Diriangén die Spanier durch seine Taufe in Sicherheit, um sie dann mit einigen tausend Indígenas auf dem Schlachtfeld anzugreifen. Jeglicher Widerstand gegen die Unterwerfung gilt den Konquistadoren als Rebellion, auf die stets mit brutaler Repression reagiert wird.

1502

Christoph Kolumbus erreicht Nicaragua auf seiner vierten und letzten Reise.

30000 v.u.Z. bis 1500

Über die Frühgeschichte Nicaraguas ist bisher wenig bekannt. Vor mehr als 30000 Jahren kamen anscheinend Jäger aus dem Norden Amerikas in das Gebiet des heutigen Nicaragua. Etwa 3000 v.u.Z. wanderten Nahua sprechende Menschen aus Mexiko ein und bauten Mais, Bohnen und Chili an. Präkolumbinische Felszeichnungen zeugen noch heute von diesen ursprünglichen Bewohner_innen dieses Gebiets.