Augusto C. Sandino - General der freien Menschen

Augusto C. Sandino, der nicaraguanische NationalheldAugusto C. Sandino wird am 18. Mai 1895 in Niquinohomo, Region Masaya, als Augusto Nicolás Calderón Sandino geboren. Sein Vater ist ein wohlhabender Kaffeepflanzer, seine Mutter eine indigene Tagelöhnerin. Zwar wurden illegitime Kinder damals ins väterliche Haus aufgenommen, doch mussten sie dort hart arbeiten. Das "C." nach seinem Vornamen machen seine Kämpfer_innen später zu seiner Ehre zu "César".

1904 begleitet er seine Mutter ins Gefängnis, als sie eine Schuld gegenüber dem Patrón nicht ableisten kann. Er muss mit ansehen, wie sie an den Folgen eines Aborts verblutet.

1920 tötet Sandino in einem Streit einen Mann und flieht zunächst nach Honduras, das er drei Jahre später wegen einer Liebesaffäre verlässt, um über Guatemala nach Mexiko zu gehen, wo er auf den Erdölfeldern arbeitet. Dort werden Nicaraguaner wegen der andauernden Okkupation Nicaraguas durch US-Truppen als vende patrias, als Vaterlandsverräter, verhöhnt. Er geht 1926 nach Nicaragua zurück, wo die Liberale Partei die Konservative Partei bekämpft. Sandino möchte diesen Kampf in einen gegen die Intervention der USA ausweiten. Am 2. November 1926 scheitert er mit 29 Mitstreitern bei einem Angriff auf die Stadt El Jícaro. Anschließend zieht sich seine Truppe nach El Chipote im Department Nueva Segovia zurück.

Nach anfänglichen Misserfolgen gelingt es ihm, seine Leute besser zu bewaffnen. Als General Sandino, zu dem ihn seine Leute machen, hat er Erfolg auf Erfolg. Während sich am 1. Mai 1927 alle Aufständischen dem Interventionsheer ergeben, lehnt Sandino trotz verlockender Angebote einen Waffenstillstand ab. Am 12. Mai entlässt er alle verheirateten Männer, so dass nur noch 29 übrigbleiben. Nachdem er am 18. Mai die Telegrafistin von San Rafael del Norte, Blanca Aráuz, geheiratet hat, zieht er sich mit seinen Männern in die Berge von Yucapuca zurück. Am 16. Juli greift er die Stadt Ocotal im Nordwesten Nicaraguas an und beginnt seinen Guerillakrieg gegen die Okkupation. Erstmals in der Geschichte wird mit Ocotal eine Stadt (durch die USA) aus der Luft bombardiert.

Die völlig neue Guerillataktik (Hinterhalte, Überraschungsangriffe, rasche Rückzüge, Erbeuten möglichst vieler Waffen) hat gegen die konventionelle Kriegsführung der US-Truppen große Erfolge. Die chilenische Dichterin und spätere Nobelpreisträgerin Gabriela Mistral nennt Sandinos barfüßiges und in Lumpen gekleidetes Ejército Defensor de la Soberanía Nacional de Nicaragua (EDSNN, Verteidigungsheer der Nationalen Souveränität Nicaraguas) mit großer Sympathie „die kleine, verrückte Armee“.

1932, als der Krieg auf seinem Höhepunkt ist, hat das EDSNN bis zu 6.000 Kämpfer_innen, die in acht Kolonnen unter Führung je eines Generals aufgeteilt sind. Jede Kolonne hat ein bestimmtes Gebiet unter sich, in der sie militärische Operationen durchführt, aber auch die zivile und paramilitärische Organisation ausübt und Steuern einnimmt. Kooperativen werden gebildet, um die landwirtschaftliche Produktion zu sichern, und Schulen eingerichtet, in denen Soldat_innen und die Landbevölkerung lernen.

Zu den zahlreichen Tricks, die die Guerilla anwendet, um den Gegner zu täuschen, gehören auch die Coros de los ángeles, die Chöre der Engel, Kriegswaisen, deren Aufgabe es ist, durch Lärmen eine weit größere Anzahl an Kämpfern vorzutäuschen, als tatsächlich vorhanden ist. Die internationale Unterstützung für den Befreiungskrieg Sandinos nimmt zu, selbst in den USA bilden sich Solidaritätsgruppen. In der Presse wird Sandino nicht mehr als „Bandit“, sondern als „Guerillero“ bezeichnet. Der französische Schriftsteller Henri Barbusse nennt ihn auf dem „Ersten Antiimperialistischen Kongress“, der 1928 stattfindet, den „General freier Menschen“.

Um eine einheimische Armee zu haben und sich dadurch aus dem Kampf zurückziehen zu können, gründen die USA 1928 die Guardia Nacional (Nationalgarde, GN), doch laufen bald ganze Truppenteile zu Sandino über. Zwar ziehen sich die USA offiziell aus dem Krieg zurück, bleiben aber dennoch involviert. Auch viele Marines ergeben sich. Oberbefehlshaber der GN wird 1932 Anastasio Somoza García, der sich im konstitutionellen Krieg nach einem erfolglosen Angriff auf die Garnison in seinem Heimatdorf San Marcos selbst zum General ernannt hatte.

Als die Weltwirtschaftskrise Nicaragua besonders hart trifft, dehnt sich der Krieg vom Norden her immer weiter aus. Nach dem Erdbeben, das am 31. März 1931 Managua verwüstet, übernimmt faktisch der US-Marinekommandant die Macht im Lande, muss jedoch mit ansehen, dass Sandinos Truppen immer erfolgreicher werden.

Die letzten US-Truppen verlassen Nicaragua am 3. Januar 1933, drei Wochen später werden die Kampfhandlungen eingestellt. Als Sandino am 2. Februar 1933 zur Unterzeichnung eines Friedensabkommens mit der Regierung in Managua eintrifft, bereitet die Bevölkerung ihm einen begeisterten Empfang. Seine Soldat_innen legen die Waffen nieder und kehren in ihre Heimatorte zurück. Sie empfangen keinen anderen Lohn als den Sieg über die Invasoren.

Sandino wählt einhundert Männer für seine persönliche Leibgarde und zieht sich mit ihnen nach Wiwilí in die Berge des Nordens zurück, um landwirtschaftliche Kooperativen und Bergbaugenossenschaften zu organisieren. Währenddessen lässt Somoza seine Guardia Nacional wie eine Besatzungsarmee unter der Landbevölkerung wüten. Viele Anhänger Sandinos werden getötet.

Sandino reist mehrfach nach Managua, um diese Probleme mit dem unentschlossenen Präsidenten Sacasa zu besprechen. Am 21. Februar 1934 wird Sandinos Wagen von der GN aufgehalten. Seine ihn begleitenden Generale Estrada und Umanzor und er selbst werden zu einem geheimen Ort in der Nähe des Flughafens gebracht und mit Maschinengewehren ermordet. Ihre persönlichen Gegenstände wie Uhren, Ringe und Tücher werden am nächsten Tag in Managua als Kuriositäten feilgeboten.

Die Frente Sandinista de Liberación Nacional (Sandinistische Front zur Nationalen Befreiung, FSLN) beruft sich nach ihrer Gründung 1961 auf seine Ideen; in Managua trägt seit dem Sieg der Revolution 1979 der Flughafen seinen Namen: Augusto C. Sandino International Airport.