FOMEDUSA

Im August 2008 endete nach 30 Monaten Laufzeit das von der EU geförderte Projekt PISA zur Ernährungssicherung von Frauen und Kindern.

FOMEDUSA hieß das neue Projekt, das im März 2009 für 30 Monate begann: Fomento de la educación primaria, la salud preventiva y las estructuras comunitarias en San Rafael del Sur, also die Förderung der Grundschulbildung, präventiver Gesundheitsmaßnahmen und der kommunalen Strukturen in San Rafael del Sur.

Demonstration gegen Gewalt gegen Frauen in San Rafael del Sur

Die beiden ersten Schwerpunkte galten dem Erreichen mehrerer Millenniumsentwicklungsziele. Mit dem Projekt „Bildung für alle“ hatten wir bereits 2007 die Grundlage für ein verstärktes Engagement im Bildungssektor geschaffen. Diese Erfahrungen wurden aufgegriffen und der Projektansatz ausgebaut. Ziel war es, angemessene Rahmenbedingungen zu schaffen, die möglichst allen schulpflichtigen Kindern in San Rafael del Sur den Grundschulbesuch ermöglichen.
 
Die Zahl von jährlich ca. 1.300 Kindern, die keine Schule besuchten, wurde drastisch verringert. Das Projekt schloss eine aufwändige Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Schulbesuch ein, um Kinder und Jugendliche zum kontinuierlichen Besuch des Unterrichts zu bewegen und die allgemeine Bevölkerung über die Wichtigkeit der Grundschulbildung zu informieren. Lehrer_innen wurden didaktisch fortgebildet, um den Unterricht attraktiver und effektiver zu gestalten, Bibliotheken neu eingerichtet und Schulen gebaut. Auf diese Weise leistete man auf lokaler Ebene und in Kooperation mit der lokalen Vertretung des Bildungsministeriums MINED (Ministerio de Educación) einen direkten Beitrag zum Erreichen des zweiten Milleniumsentwicklungsziels, aufgrund dessen die Gewährleistung von Primärschulbildung für alle bis zum Jahr 2015 angestrebt wird. Infolge des Projekts konnte festgestellt werden, dass sich die Zahl an Schulabgänger_innen vor Erreichen eines Abschlusses erheblich verringert und das Bildungsniveau aufgrund der neuen Lehrmethoden deutlich verbessert hatte.

Mit der Durchführung präventiver Gesundheitsmaßnahmen, insbesondere für Frauen, Mütter und kleine Kinder, führten der Verein und CEDRU einen Schwerpunkt des Projekts PISA fort. In Anlehnung an die Milleniumsziele 4, 5 und 6 wurde durch die Vermittlung relevanter Kenntnisse zu Ernährung, Familienplanung und Prävention vermeidbarer Krankheiten weiterhin gegen die Unter- und Mangelernährung sowie Kindersterblichkeit in der Region gekämpft. In diesem Rahmen führte man auch einen kommunalen Runden Tisch zum Thema „Gesundheit von Frauen und Kindern“ ein, an dem Vertreter_innen verschiedener Institutionen wie dem Bürgermeisteramt und dem Gericht, dem Bildungs- und dem Familienministerium, den Gesundheitszentren oder dem Club junger Umweltschützer_innen teilnahmen.

Mädchen beim Lesen eines Infoblattes zur Malaria-PräventionAn diese Maßnahme schloss sich die Durchführung verschiedener Kampagnen an, die sich unter anderem an Frauen in gebärfähigem Alter, Schwangere und stillende Mütter, sowie junge Männer richtete. Die Schwerpunkte dieser Kampagnen bestanden in Informationen zur Geburtenkontrolle und –begleitung, Familienplanung, Prävention von Geschlechtskrankheiten und der Reduzierung vermeidbarer Krankheiten wie Malaria, Dengue und Diarrhoe. Im Rahmen dieser Kampagnen machten Geburtshelferinnen Hausbesuche bei Schwangeren, stillenden Müttern und jungen Frauen, um sie von der Wichtigkeit von Vorsorge- und Nachsorgeuntersuchungen zu überzeugen und über Methoden der Familienplanung zu informieren. Obwohl die Anzahl an Schwangerschaften bei Heranwachsenden noch immer zu hoch ist (21,3% im Jahr 2011) konnte als Ergebnis der Kampagne ein tendenzieller Rückgang von gut 7% verzeichnet werden. In Zusammenarbeit mit den Gesundheitszentren wurden verschiedene Aktionen durchgeführt, bei denen flächendeckend Müll eingesammelt und potenzielle Brutstätten von Krankheitsüberträgern desinfiziert wurden.

Durch die Fortbildung von Gesundheitspromotor_innen, die längerfristig als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, wurde die Nachhaltigkeit dieser Projektkomponente gewährleistet. 

Auch das Thema sexualisierter Gewalt gegen Frauen und Kinder griff man mittels zweier Aktionstage und einer Kampagne offensiv auf, die sich inhaltlich an die für die Lehrer_innen ausgerichteten Fortbildungsworkshops zum Thema Familienplanung anschlossen. Auf dem zentralen Platz der Kreisstadt San Rafael del Sur wurde die Kampagne „San Rafael sagt Nein zu Gewalt gegen Frauen und Missbrauch von Kindern“ durchgeführt, an welchem Vertreter_innen von CEDRU, der Gesundheitszentren, des lokalen Menschenrechtsbüros, der Polizei und der Nichtregierungsorganisation ASING-PAVI (Asociación Intergeneracional por la Paz y la Vida, Intergenerationenvereinigung für den Frieden und das Leben) über alle denkbaren Aspekte von Gewalt gegen Frauen und Missbrauch von Kindern, aber auch über deren Rechte informierten. Es wurden große Straßentransparente und ein Flyer erstellt, mit denen Informationen zum Thema vermittelt und Anlaufstellen für Opfer und Angehörige genannt wurden.

Das Thema des Missbrauchs wurde auch im Rahmen von schulischen Aktionstagen im städtischen Gymnasium angesprochen, um Kindern und Jugendlichen Verhaltensweisen zur Vermeidung zu vermitteln und sie über ihre Rechte und öffentliche Beratungsstellen im Falle von sexueller Misshandlung oder zu Familienplanung zu informieren. Auf der Demofinca wurden Workshops für und mit Jugendlichen zum Thema durchgeführt.

Durch diese Maßnahmen konnte das Verschweigen der Problematik beendet und die sich ständig wiederholenden Fälle von innerfamiliärer Gewalt und sexueller Übergriffe auf Minderjährige öffentlich thematisiert werden. Zusätzlich richteten CEDRU und der Verein im Gesundheitszentrum von Masachapa ein Büro ein, das als geschützter Raum für die Betreuung von Opfern sexualisierter Gewalt und zur Beratung in Familienplanung und Prävention von Geschlechtskrankheiten dient.

Im produktiven Bereich beinhaltete das Projekt die Anlage von Schulgärten und die anhaltende Diversifizierung des landwirtschaftlichen Anbaus mit Gemüse und Obst, sowie die Fortführung der Vergabe von Saatgut für Bohnen, Mais und Sorghum (Hirse) in eigenständiger Kooperation von CEDRU mit MagFor (Ministerium für Land- und Forstwirtschaft).
Arbeit im SchulgartenDiese Maßnahmen unterstützten das Programm „Hambre Cero“ (Null Hunger), mit dem die Regierung zwar gegen Armut und Hunger in Nicaragua vorgeht, jedoch aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen in San Rafael bis dato keine Maßnahmen realisiert hatte. In den Anbau verschiedener Obst- und Gemüsesorten wurden traditionelle Gewürze und medizinische Pflanzen integriert. Die Ernteerträge werden direkt für die Schulspeisung genutzt und
tragen so zu einer Reduzierung der
Mangelernährung der Schüler_innen bei.
 

Ausgabe von Saatgut, CEDRU-BüroAuch an Kleinbauern und Familien wurde wieder Saatgut für die Diversifizierung landwirtschaftlicher Produktion und die Anlage von Gärten, sowie eine große Anzahl von Baumsetzlingen verteilt. Auf diese Weise konnte die Zahl von unter- und mangelernährten Frauen und Kindern reduziert werden. Zusätzlich erhielt ein Teil der Zielgruppe kleine Bewässerungssysteme, um eine ganzjährige Gemüseproduktion sicherzustellen. Diese Systeme wurden von den Kleinbauern selbst installiert. Als Ergänzung dieser Maßnahme wurden mehrere Workshops zur Förderung landwirtschaftlicher Produktion und zur Benutzung und Instandhaltung der Systeme durchgeführt.

Eine weitere Komponente des Projekts bestand in der verbesserten Versorgung der Gemeinde mit Trinkwasser. Hierzu wurden 15 kommunale Trinkwasserbrunnen um beinahe 20 Meter vertieft und diverse Pumpen neu hinzugefügt oder repariert.
 

Teilnehmerin bei Ausbildung zu FührungspersönlichkeitenUm die Zivilgesellschaft zu stärken und eigenverantwortliches Handeln zu fördern, wurden den Teilnehmern des oben erwähnten Runden Tisches zum Thema „Gesundheit von Frauen und Kindern“ fundierte Kenntnisse in der Entwicklung und Ausarbeitung konkreter Projekte inklusive entsprechender Kostenberechnungen vermittelt. Im Ergebnis wurde das Potenzial der Beteiligten gesteigert, eigene Initiativen zu entwickeln, konkrete Vorschläge auszuarbeiten und ihre sozialen Forderungen in die Lokale Agenda einzubringen. Damit wurden auch organisatorische Voraussetzungen für einen kontinuierlichen und strukturierten Dialog zur Erarbeitung eines kommunalen Entwicklungsplans geschaffen. Insgesamt wurden in den Jahren 2009 und 2010 415 Projektvorschläge präsentiert, von denen mehrere dieser Projektvorschläge in den Haushaltsplan integriert werden konnten.

Zusätzlich konnten zivilgesellschaftliche Gruppen mit staatlichen Einrichtungen vernetzt und Synergieeffekte der einzelnen kommunalen Akteure sowie eine intensivere Stärkung der Selbsthilfekräfte der nicaraguanischen Zivilgesellschaft erreicht werden. Hier waren und sind wir auf die Unterstützung dem Bürgermeisteramt von San Rafael del Sur angewiesen, die seit Januar 2009 wieder von Noel Cerda und der örtlichen FSLN geleitet wird. Zusätzlich wurde ein Beitrag zur Realisierung der Grundsätze einer repräsentativen und partizipativen Demokratie, die in der Verfassung Nicaraguas enthalten sind, geleistet.

Das Projekt wurde abschließend als voller Erfolg betrachtet, da die drei Hauptziele auf sehr zufriedenstellende Weise erreicht wurden: Die Grundschulbildung konnte verbessert, die Gesundheit von Frauen und Kindern gefördert werden und die Fähigkeiten und Selbsthilfekräfte lokaler Autoritäten und nichtstaatlicher Organisationen als Repräsentanten von vielfach vernachlässigten Bevölkerungsgruppen auf kommunaler Ebene wurden ausgebaut.

EU-Logo

(Dieses Dokument wurde mit finanzieller Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft erstellt. Der Inhalt dieses Dokuments wird ausschließlich vom Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Kreuzberg - San Rafael del Sur e.V. verantwortet und darf keinesfalls so betrachtet werden, als dass er die Position der Europäischen Union wiedergibt.)

 

 


Projektname
FOMEDUSA

Laufzeit
2009 - 2012

Projektkosten
400.000 €

Finanzierung
Fördermittel: 300.000 € (EU)
Spendenbedarf: 100.000 €