Förderung der Bildungs-und Ernährungssituation für Schulkinder in ländlichen Gebieten von Villa El Carmen

Ausweitung der Projektarbeit auf unser Nachbar-Municipio

Hinweistafel auf das Projekt in Villa El CarmenVilla El Carmen heißt das Municipio, das nördlich an den Kreis San Rafael del Sur anschließt. Mit rund 562 km² ist es deutlich größer als unsere Partnergemeinde (375 km²), hat aber mit fast 39.000 EinwohnerInnen in etwa die gleiche Bevölkerungszahl. 12% der Bevölkerung leben in der Hauptstadt Villa Carlos Fonseca und anderen größeren Gemeinden, während die überwiegende Mehrheit im ländlichen Raum Landwirtschaft und Viehzucht betreibt. Eine nennenswerte Industrie gibt es nicht, und nur wenige landwirtschaftliche Produkte werden vermarktet, da sie vor allem dem Eigenbedarf der armen und extrem armen Familien dienen.
 

In Villa El Carmen existierten die gleichen Defizite und Probleme, wie sie in San Rafael del Sur bestanden und in vieler Hinsicht noch weiterhin bestehen. Was nicht existierte, war eine internationale Kooperation, wie sie San Rafael del Sur in der Zusammenarbeit mit unserem Verein besitzt. Dessen Erfolge sind in Villa El Carmen aber durchaus bekannt, zumal Familien einiger grenznaher Gemeinden bei Komponenten verschiedener Projekte der vergangenen Jahre mit begünstigt worden sind. Deshalb war es verständlich, dass uns die Anfrage erreichte, unsere Projektaktivitäten über die Municipiogrenze hinaus auszudehnen. Ein besonderes Interesse bestand in der Unterstützung des Bildungssektors.

Aufgrund von Recherchen, die unsere Partnerorganisation Centro de Desarrollo Rural (Zentrum für ländliche Entwicklung, CEDRU) in Zusammenarbeit mit der regionalen Vertretung des Bildungsministeriums (Ministerio de Educación, MINED) vorgenommen hatte, wurde im September 2008 beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Antrag auf Bezuschussung des Projekts „Förderung der Bildung und Ernährung für Schulkinder in ländlichen Gebieten von Villa El Carmen, Nicaragua“ (interner Jargon: "Klein-PISA") gestellt. Dieser Antrag wurde am 28. Oktober 2008 positiv entschieden.

Trotz der Kürze der Laufzeit von sechs Monaten beinhaltete das Projekt zahlreiche und anspruchsvolle Komponenten:

Schulgärten

Schülerin beim Gießen im SchulgartenDie „primäre Zielgruppe“ bestand aus rund 1.000 Schüler_innen an 16 ländlichen Schulen in Villa El Carmen. An diesen Schulen wurden, wie wir es im gerade abgelaufenen PISA-Projekt in San Rafael del Sur auch realisiert hatten, Schulgärten angelegt. Die dort angestellten 30 Lehrer_innen wurden in mehreren Fortbildungskursen in den Themen „Anlage und Pflege der Gärten“, „Gesunde Ernährung und Hygiene“ sowie „Moderne didaktische Methoden“ weitergebildet. Die Erfahrungen aus San Rafael del Sur zeigten, dass die Schulgärten von den Schüler_innen gut angenommen und liebevoll gepflegt wurden. Die angebauten Produkte wurden in der Schulspeisung verarbeitet, wodurch die Ernährung der Kinder vielfältiger und ausgewogener wurde (Häufig ist diese Schulspeisung überhaupt die erste Mahlzeit des Tages für die Kinder). Parallel zur praktischen Arbeit im Schulgarten erhielten die Schüler_innen Unterricht in ernährungswissenschaftlichen Themen und zur Notwendigkeit der Hygiene.
 
Kochunterricht in einer SchuleWir wollten in Villa El Carmen erreichen, dass auch hier die Eltern der Kinder und die Nachbarn der Schulen mit ihrem Wissen über die Verarbeitung und die gesundheitlichen Vorzüge einer diversifizierten und ausgewogenen Ernährung durch die angebauten Gemüse- und Obstsorten in diese Projektkomponente einbezogen wurden. Um diese Projektkomponente in der Bevölkerung bekannt zu machen, gab es am Beginn der Laufzeit 8 dezentrale Auftaktveranstaltungen, bei denen die Menschen bei Versammlungen und mit Info-Material auf diese Aktivitäten aufmerksam gemacht wurden.
 

Am Ende der Projektlaufzeit erarbeiteten die Kinder kleine Ausstellungen, mit deren Hilfe sie im Rahmen zweier Projekttage Kindern anderer Schulen, wo noch keine Gärten existierten, ihr erlerntes Wissen weitergeben konnten.

Schulbauten, -reparaturen und -ausstattungen

Ebenso wie in San Rafael del Sur befanden sich zahlreiche Schulen des Municipios Villa El Carmen in beklagenswertem Zustand. Deshalb beinhaltete unser Projekt den Neubau von 4 Klassenräumen in den Gemeinden San Diego (Nachbargemeinde von San Bartolo) und Salaminas, das im Nordwesten von Villa El Carmen liegt. Diese Schulen bestanden aus vier Pfählen mit einem Blätterdach. Außerdem wurden Reparaturmaßnahmen an vier weiteren Schulen durchgeführt. Diese sechs Schulen erhielten zudem Sportmaterialien (Bälle usw.). Die Auswahl dieser Schulen erfolgte über eine Prioritätenliste des regionalen MINED.

Alle 33 Schulen des Municipios hatten einen großen Bedarf an „pupitres“, den Schulstühlen mit Schreibfläche. Wir schafften daher 1.000 dieser pupitres an, die nach einem Bedarfsschlüssel des MINED an die bedürftigen Schulen verteilt wurden.

Kampagne gegen „Schulabstinenz“

Einen Monat vor Beginn des neuen Schuljahres gab es im gesamten Municipio eine Aufklärungskampagne, die zum regelmäßigen Schulbesuch aufforderte. Denn ähnlich wie in San Rafael del Sur waren die Armut und die damit verbundene Erwerbsarbeit von Kindern nicht ausschließlich Grund für „Schulabstinenz“. Häufig war es auch schlicht das fehlende Bewusstsein der Eltern darüber, dass Bildung die beste Voraussetzung dafür ist, dass die Kinder bessere Chancen und Perspektiven im Leben erhalten. Darüber hinaus war vielen Eltern noch nicht bekannt, dass unter der neuen Regierung der Schulbesuch wieder kostenfrei war.

„Runder Tisch Bildung“

Teilnehmer_innen am Runden Tisch BildungEingebettet waren diese Projektkomponenten in die Bildung und die Arbeit eines „Runden Tisches Bildung“, zu dem alle relevanten Akteure des Municipios eingeladen wurden: lokale Regierung und Verwaltung, Mitarbeiter_innen des regionalen Bildungsministeriums, MINED, und des Gesundheitszentrums, Vertreter_innen der vier Nichtregierungsorganisationen, die in Villa El Carmen in der Vergangenheit, wenn auch nicht kontinuierlich und mit anderen Schwerpunkten, im Bildungs- und Gesundheitsbereich tätig waren, und alle interessierten Einzelpersonen. Der „Runde Tisch Bildung“ begleitete die Projektmaßnahmen, koordinierte und evaluierte, wie sich die einzelnen Akteure –unter Erzielung von Synergieeffekten – in die nachhaltige Verbesserung des Bildungssektors einbringen konnten. Darüber hinaus erarbeitete das Gremium, das nach Projektende weiter bestand, zukünftige Beiträge zur Verbesserung der Bildungsarbeit und verteilte verbindlich festgelegte Aufgaben.

BMZ-Logo

 

 


Projektname
Förderung der Bildungs-und Ernährungssituation für Schulkinder in ländlichen Gebieten von Villa El Carmen

Laufzeit
November 2008 - April 2009

Projektkosten
89.487 €

Finanzierung
Fördermittel: 67.115 €
Spendenbedarf: 22.372 €