Sauberes Wasser - eine Lebensnotwendigkeit

Trinkwasserversorgung in Nicaragua

Trinkwasser musste oft von weit entfernt geholt werden1987 legte die Sandinistische Regierung das Recht auf Wasserversorgung in Artikel 105 der Verfassung als Grundrecht fest. Hiernach sind die zur Trinkwasserversorgung notwendigen Infrastrukturmaßnahmen vom Staat durchzuführen. Die entsprechenden Baukörper verbleiben nach Fertigstellung in staatlicher Hand.

Die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist in Nicaragua jedoch bis heute unzureichend. Landesweit leiden 2012 nach einer Studie des „Centro Humboldt“ 46% der Einwohner_innen an Wassermangel, das sind fast 3 Millionen Menschen.

Statt der Verbesserung der Trinkwassersituation gemäß dem Verfassungsauftrag nachzukommen, wurde von den neoliberalen nicaraguanischen Regierungen (1990 - 2006) jedoch die Privatisierung der Wasserwirtschaft vorangetrieben. Sie konnten sich damit aber nicht durchsetzen. Seit dem Amtsantritt der FSLN-Regierung 2007 wird wieder an einer Verbesserung der Trinkwasserversorgung gearbeitet. Der Nachholbedarf ist jedoch enorm.

Die Trinkwassersituation in San Rafael del Sur

Bereits von 1987 - 1988 führte der Verein in allen Landgemeinden von San Rafael del Sur eine systematische Untersuchung der Trinkwassersituation durch. Diese ergab, dass drei Viertel der Bevölkerung keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hatten. Wasser wurde überwiegend aus den umliegenden Flüssen geschöpft, die zum einen oft weit entfernt vom Wohnort liegen und zum anderen erhebliche Defizite in der Wasserqualität aufwiesen. Das Auftreten von Krankheiten wie Cholera oder Typhus war dadurch keine Seltenheit.

Die Beschaffung des täglichen Bedarfs an Wasser zum Trinken, Kochen und Waschen liegt in Nicaragua wie in den meisten Teilen des globalen Südens im Aufgabenbereich der Frauen und Kinder. Sie müssen einen erheblichen Teil der Tageszeit dazu verwenden, kilometerweite Fußmärsche zurückzulegen und auf dem Rückweg die schweren Wasserbehälter zu tragen. Eine Verbesserung der Trinkwasserversorgung bedeutet für diesen Personenkreis somit eine besondere Entlastung, da die anstrengende Arbeit des Wasserholens vereinfacht wird.

Vereinsaktivitäten

Bauarbeiter in einem traditionellen Schachtbrunnen

Auch wenn die Trinkwasserversorgung grundsätzlich eine staatliche Aufgabe bleibt, hat der Verein wegen der eklatanten Defizite zahlreiche Trinkwasserprojekte durchgeführt. Dazu gehören traditionelle Schachtbrunnen in den Gemeinden und der Bau von zentralen Trinkwasserversorgungsanlagen. Dadurch erhielten über 40 Dörfer mit insgesamt ca. 30.000 Einwohner_innen erstmalig Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Eine Schnurpumpe erleichtert die ArbeitEine große Erleichterung bietet eine Schnurpumpe. Mit Hilfe eines Plastikrohres und einer hindurch laufenden Schnur, in die man in regelmäßigen Abständen rohrdicke Knoten einflicht, wird das Heraufziehen schwerer Eimer vermieden. Die Schnur wird an den Enden zusammengefasst und über ein Antriebsrad gelegt. Beim Drehen des Rades und damit der Schnur wird die Wassersäule, die sich innerhalb des Rohres über den Knoten bildet, gleichmäßig gehoben, so dass oben während des Drehens kontinuierlich Wasser fließt. Ein Auffangmechanismus verhindert dabei den Rückschlag der Schnur.

Unbezahlte Mitarbeit der begünstigten BevölkerungDurch Vereinsprojekte wurden im Rahmen des SANASUR-Projekts (2010 - 2013) vordringlich auch Schulen mit verbesserten Trinkwasserbrunnen und Hochbehältern versorgt. Im Jahr 2013 erhält die Gemeinde Masachapa, dern Bevölkerungszahl in den letzten Jahren gewachsen ist, eine zusätzliche Trinkwasserversorgung aus einer nahen Quelle. Beim Ausheben der Leitungsgräben sind viele Menschen unentgeltlich aktiv.