Bekämpfung von Dengue

In San Rafael del Sur grassiert das Denguefieber

Gesunde Kinder in Masachapa

2013 ist in verschiedenen Regionen Nicaraguas, so auch in San Rafael del Sur, ein außergewöhnlich hohes Auftreten des gefährlichen Denguefiebers konstatiert worden.

Es existieren vier verschiedene Serotypen (Untergruppen) des Virus, das, wie auch bei der deutlich weniger gefährlichen Malaria durch den Stich einer Stechmücke (Aedes aegypti) übertragen wird und in tropischen und subtropischen Gebieten verbreitet ist. Bei Denguefieber handelt es sich um die sich am schnellsten ausbreitende, virale, von Moskitos übertragene Krankheit; die Fallzahlen haben sich von 1960 bis 2010 verdreißigfacht. Die Krankheit äußert sich häufig mit unspezifischen Symptomen oder solchen, die einer schweren Grippe ähneln; es kann aber auch zu inneren Blutungen kommen. Bei einem schweren Krankheitsverlauf können ein sogenanntes „Hämorrhagisches Denguefieber“ (DHF) oder ein Dengue-Schock-Syndrom (DSS) auftreten, die beide zum Tode führen können. Bislang gibt es gegen die Erkrankung weder eine Impfung noch eine spezifische antivirale Behandlung. Zur Vermeidung einer Infektion können nur präventive Maßnahmen ergriffen werden: Die radikale Vernichtung der Überträger des Virus und ihrer Larven.

Das Auftreten des Denguefiebers in Nicaragua ist nicht neu, aber das diesjährige Ausmaß ist erschreckend hoch. Landesweit wurden bis Ende Oktober über 5.200 Fälle von Denguefieber gemeldet, es muss aber davon ausgegangen werden, dass die tatsächliche Anzahl an Infizierten deutlich höher ist, aber statistisch nicht korrekt erfasst wurde. Im benachbarten Costa Rica wurden im laufenden Jahr, bei vergleichbarer Bevölkerungszahl, bereits knapp 42.000 Fälle gemeldet, im nördlich angrenzenden Honduras 32.000. Im Department Managua, zu dem San Rafael del Sur gehört, wurden im Jahr 2013 bis Mitte Oktober 1.200 Fälle von Dengue diagnostiziert, 13 davon mit tödlichem Ausgang (10 von diesen sind Kleinkinder und Jugendliche bis 15 Jahre). 81 dieser eindeutig diagnostizierten Fälle und weitere 340 Verdachtsfälle wurden im Gesundheitszentrum von San Rafael del Sur erfasst, 15 diagnostizierte Fälle und 270 Verdachtsfälle im kleineren Gesundheitszentrum des Küstenortes Masachapa. Und nahezu täglich werden neue Fälle gemeldet, zuletzt in La Gallina. Die Angabe des Gesundheitsministeriums in Managua Anfang Oktober, eine weitere Ausbreitung der Dengue sei unter Kontrolle, war offensichtlich voreilig. In den letzten Wochen ist die Infektionsrate überproportional gestiegen, 7 der 13 Toten des Jahres fallen in diesen Zeitraum.

Bei von den Mitarbeiter_innen der Gesundheitszentren in Teilen des Landkreises San Rafael del Sur nach dem Zufallsprinzip durchgeführten Stichproben wurde in 15% der Trinkwasservorräte der Häuser das Vorkommen von Moskitolarven der Art Aedes aegypti, potenzieller Wirt der Dengue, nachgewiesen. Es ist sicher, dass sich dieser Prozentsatz bei genauerer Untersuchung noch erhöht. Da in vielen dörflichen Gemeinden nur für wenige Stunden am Tag Zugang zu sauberem Trinkwasser besteht, wird dieses in der Regel in großen Tonnen gespeichert, die sich als sehr geeignete Brutstätten für die Larven eignen. Diese brauchen nur vierzehn Tage, um sich zu den Stechmücken zu entwickeln. Um die insbesondere für Kinder gefährliche Epidemie nachhaltig einzudämmen, ist daher dringend eine kurzfristige den gesamten Landkreis einbeziehende Kampagne der Gesundheitszentren erforderlich, in deren Rahmen ausnahmslos alle Haushalte mit Insektiziden (Cybermetrin) zur Vernichtung der Stechmücken desinfiziert und die häuslichen Trinkwassertonnen mit  chemischen Larviziden (Pyriproxyfen) versehen werden, die eine Reproduktion der Larven zu weiteren Generationen von Stechmücken verhindern. Grundsätzlich können sich die Larven in jedem kleinsten Wasserreservoir zu Stechmücken entwickeln, und wegen der bis Ende des Jahres anhaltenden Regenzeit bestehen auch in der häuslichen Umgebung in Pfützen und Sperrmüll wie Autoreifen, offenen Kanistern und Flaschen oder auch nur Plastikplanen potenzielle, aber leicht vermeidbare Brutstätten. Da die Larven darüber hinaus trockenresistent sind, können sie auch längere Zeit ohne Wasser überleben und zu einem späteren Zeitpunkt wieder aktiv werden. Für eine effektive Bekämpfung ist daher auch eine umfassende Beseitigung des Sperrmülls und Desinfektion der häuslichen Umgebung erforderlich.

Inzwischen hat die Regierung auf die epidemiehafte Entwicklung der letzten Wochen reagiert und den Gesundheitsnotstand für das Land ausgerufen. Alle Kommunen sind aufgefordert, verstärkte Präventivmaßnahmen einzuleiten. Allerdings sind diese angesichts der zusätzlichen Maßnahmen zum Ende des Haushaltsjahres in der Regel finanziell hoffnungslos überfordert. In dieser Situation haben Bürgermeister Noel Cerda und die Direktor_innen der beiden Gesundheitszentren den Verein um Unterstützung gebeten, und wir haben uns bereit erklärt, sofort in Kooperation mit CEDRU und den Gesundheitszentren möglichst umfassende Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung des Fiebers in San Rafael del Sur durchzuführen, obwohl auch wir damit, trotz Förderung durch die LEZ (Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit), an finanzielle Grenzen stoßen.

Das zentrale Gesundheitszentrum von San Rafael del Sur und die kleinere Filiale im Küstenort Masachapa sind zuständig für die medizinische Versorgung von 49 Gemeinden des Landkreises mit 9.413 Haushalten und 42.427 Einwohner_innen (Stand 2012). Um zu gewährleisten, dass die Mitarbeiter_innen der Gesundheitszentren auch während der jährlichen (gerade aktuellen) Regenzeit ausnahmslos alle teilweise nur über Sandpisten erreichbaren Gemeinden aufsuchen können, wird  für beide Gesundheitszentren je ein geländegängiges dreirädriges Motorrad mit Kastenaufbau zum Transport von Personal und Medikamenten angeschafft. Mit ihnen können Mitarbeiter_innen der Gesundheitszentren unverzüglich auf Verdachtsfälle von Denguefieber in den einzelnen Gemeinden reagieren, und Betroffene sind nicht länger darauf angewiesen, selbstständig in bereits geschwächtem Zustand den manchmal schwierigen Weg in die Zentren auf sich zu nehmen. Mit den Motorrädern wird auch die kurzfristige Verteilung der Larvizide in den Gemeinden übernommen.

Die Bekämpfung der Überträger des Denguefiebers erfolgt in zwei Stufen. Die  Desinfektion der Haushalte mit einem Gemisch aus Cybermetrin und Diesel zielt auf die Ausrottung der vorhandenen Stechmücken. Die Desinfektion der Trinkwasserreservoirs der Haushalte mit  Pyriproxyfen tötet die sich dort entwickelnden Larven der Aedes aegypti ab. Beide Aktionen zur Desinfektion werden im November und Dezember zweimal durchgeführt, um ein möglichst sicheres und nachhaltiges Ergebnis zu erzielen. Die Gesundheitszentren verfügen noch über Bestände des Cybermetrin, nicht jedoch über die erforderlichen Mengen an Pyriproxyfen. Daher werden in der nahen Hauptstadt Managua ausreichende Einheiten des Desinfektionsmittels Pyriproxyfen beschafft und von den Mitarbeiter_innen der Gesundheitszentren und/oder den ehrenamtlichen Gesundheitshelfer_innen an alle Haushalte der einzelnen Gemeinden verteilt.

Alle Haushalte erhalten informative Flyer und persönliche Beratung zu Präventivmaßnahmen und Symptomen. Die ehrenamtlichen Gesundheitshelfer_innen der einzelnen Dörfer werden zu Beginn der Kampagne in einem Tagesworkshop noch einmal gezielt zu den notwendigen Maßnahmen zur Vermeidung von Dengue und ersten Symptomen einer Infektion geschult. Für ihre Arbeit von Haus zu Haus werden sie mit einem Basispaket an "Werkzeugen" ausgestattet, die ihnen auch eine umfassende statistische Erfassung der Hausbesuche und der durchgeführten Einzelmaßnahmen ermöglicht (Rucksack, Taschenlampen, stabile Schreibunterlage, Notizhefte, Bleistifte, Plastiklöffel á 5 gr.).

Angesichts einer veralteten Bürotechnik werden die zwei Gesundheitszentren mit jeweils einem leistungsfähigen Computern ausgestattet, um eine angemessene statistische Analyse und organisatorische Strukturierung der Kampagne zu erzielen.

Mit angemieteten LKW wird in allen Gemeinden der Sperrmüll der häuslichen Umgebung abgefahren, der als Brutstätte für die Moskitolarven in Frage kommt.

Zum zusätzlichen Schutz der im Falle einer Infektion besonders gefährdeten Zielgruppen der Schwangeren und Neugeborenen mit Dengue (und Malaria) werden über die Gesundheitszentren an die entsprechenden Familien 1000 imprägnierte Moskitonetze verteilt.

Die geplanten Maßnahmen sind das Optimum, mit dem zeitnah reagiert werden kann, um eine weitere Ausbreitung des Denguefiebers zu verhindern. Ob wir sie auch in vollem Umfang finanzieren können, wissen wir zu Redaktionsschluss noch nicht. Aber wir wollten nicht zuschauen, wie immer mehr Menschen auch in San Rafael del Sur am gefährlichen Fieber erkranken. Mit der Anschaffung der Motorräder und dem Aufbau einer analytischen Statistik werden auch längerfristig günstigere Voraussetzungen für eine effektivere Bekämpfung der Epidemie geschaffen. Ein Restrisiko ist jedoch niemals auszuschließen, da auch bei entsprechenden präventiven Maßnahmen in und um die Haushalte nicht alle potenziellen Brutstätten wie etwa Teiche oder Flussläufe beseitigt oder mit chemischen Larviziden versehen werden können. Es ist daher durchaus vorstellbar, dass auch zukünftig ähnliche Folgeprojekte zur Prävention erforderlich werden.

LEZ Logo

 


Projektname
Bekämpfung von Dengue

Laufzeit
November 2013 bis Dezember 2013

Projektkosten
10.267 €

Finanzierung
Fördermittel: 8115 €
Spendenbedarf: 2152 €