Projekt Technische Berufsausbildung in San Rafael del Sur

Eine Berufsschule sucht man in San Rafael del Sur vergeblich. Das regionale Bildungssystem beschränkt sich auf das allgemeine schulische Bildungsangebot in Grundschule und Sekundarschule (Oberschule). Lediglich die sechsjährige Grundschule ist obligatorisch, die fünfjährige Sekundarschule wird mit einem sogenannten Bachelor-Zeugnis abgeschlossen und berechtigt zur Aufnahme eines Studiums. Beide Schultypen vermitteln, mit Deutschland vergleichbar, den Erwerb der bekannten Kulturtechniken und Allgemeinbildung. Nur in wenigen größeren Städten Nicaraguas haben Jugendliche jedoch die Möglichkeit, eine Berufsschule zu besuchen und einen qualifizierten Berufsabschluss zu erwerben, der ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt deutlich erhöht und zu einer stärkeren Existenzsicherung beiträgt. Der wachsende Bedarf der nicaraguanischen Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften kann so nicht gedeckt werden.

In San Rafael del Sur bestehen entsprechende Ausbildungsangebote nur in sehr beschränktem Maße. Privatwirtschaftlich organisierte Fortbildungen in einzelnen Berufsfeldern werden nur im touristischen Umfeld von den wenigen größeren Hotels am Pazifikstrand der Region angeboten. Diese bilden Jugendliche in Crash-Kursen als Köche und Köchinnen oder als Servicepersonal aus. Der Großteil der in San Rafael del Sur tätigen qualifizierten Arbeitskräfte stammt daher nicht aus der Region, während gleichzeitig die Arbeitslosenquote unter jungen Erwachsenen sehr hoch ist.

Im Jahr 2007 wurde in San Rafael del Sur erstmalig damit begonnen, in das Curriculum der Sekundarschule auch Angebote einer beruflichen Bildung im Technikbereich zu integrieren. Schüler_innen der Secundaria, die das dritte Jahr (9. Jahrgangsstufe) erfolgreich abgeschlossen haben, können sich dann für eine dreijährige technische Ausbildung entscheiden, die parallel zur allgemeinen Bildung angeboten wird. Sie verbringen also ein Jahr mehr auf der Schule (12. Jahrgangsstufe) und erhalten neben ihrem Bachelor-Zeugnis auch ein erweitertes Zeugnis über ihre technische Ausbildung, die auch die konkrete Ausbildung an KFZ-Technik beinhaltet. Diese technische Zusatzausbildung wurde bis 2011 in von einer lokalen Baufirma zur Verfügung gestellten Räumen angeboten und ausgeführt. Seit 2012 nutzt die Baufirma die Räume jedoch für ihren eigenen Betrieb, so dass seitdem keine Räumlichkeiten mehr für die technische Ausbildung zur Verfügung stehen. Die Maschinen und Werkbänke wurden auf dem Gelände der Secundaria eingelagert, eine Ausbildung fand aber in den vergangenen zwei Jahren nicht mehr statt. Die beiden Berufschullehrer der Secundaria, die den technischen Unterricht von 2007 bis 2011 gestaltet haben, werden im normalen Unterricht eingesetzt, obwohl zum Schuljahresbeginn 2013 insgesamt 67 Schüler_innen Interesse an einer technischen Ausbildung bekundeten, sieben von ihnen weiblichen Geschlechts.

Angesichts der allgemein prekären Situation sah sich die lokale Abteilung des Bildungsministeriums (MINED) nicht in der Lage, die technische Ausbildung an der Secundaria wieder aufzunehmen. Die verfügbaren Mittel reichen kaum für die erforderliche Ausstattung der Grundschulen und der Secundaria. MINED hat den Verein daher über den Projektpartner CEDRU um Unterstützung gebeten, da der Verein schon häufiger schulische Projekte in Form von Neubauten, Ausstattungen oder Fortbildungen des Lehrpersonals gefördert hat. Der Verein hat sich daraufhin entschieden, den Ausbau der beruflichen Ausbildung in San Rafael del Sur mit einem ersten Projekt zu unterstützen.

 

Maßnahmen

Die neue WerkstatthalleFür die Wiederaufnahme der praktischen handwerklichen Ausbildung an der Secundaria San Rafael del Sur wird auf dem Schulgelände eine kleine Halle gebaut. Sie wird mit den vorhandenen eingelagerten Maschinen und Werkbänken der ehemaligen Ausbildungsstätte eingerichtet. Weitere Maschinen und Werkzeuge werden hinzugekauft, um eine umfassende Ausbildung zu gewährleisten: Bohr- und Fräsmaschine, elektronische Messgeräte, Schweißapparaturen. Der theoretische Unterricht erfolgt in Klassenräumen der Secundaria

Tag der offenen TürUm das Interesse der Schüler_innen der Secundaria (und ihrer Eltern) an einer zusätzlichen technischen Ausbildung zu erhöhen, werden vom Lehrpersonal der Secundaria an einem Tag der Offenen Tür ausführliche Informationen zur technischen Ausbildung angeboten. Als Informationsmaterial wird ein informativer Flyer erstellt. Vertreter_innen lokaler Industriebetriebe (Zuckerfabrik, Zementfabrik) und Werkstätten informieren vor Ort über ihre Bedarfe, entsprechende Einsatzmöglichkeiten und Arbeitsangebote.

Lehrer und interessierte SchülerDurch eine öffentliche lokale Kampagne wird verstärkt für eine zunehmende Teilnahme weiblicher Jugendlicher an technischer Ausbildung geworben, um ihnen eine Berufswahl jenseits gängiger Klischees zu erleichtern und alternative Erwerbsmöglichkeiten abseits traditioneller Arbeitsverhältnisse aufzuzeigen. Transparente und Flyer begleiten die von Kommunalverwaltung, lokalen Betrieben, Schulverwaltung und Schüler_innen getragene Kampagne, die nach einem Demonstrationszug mit einer öffentlichen Kundgebung auf dem zentralen Platz  San Rafael del Surs endet.

An einem Runden Tisch Berufsausbildung diskutieren Vertreter_innen von Kommunalverwaltung, lokalen Betrieben, Schulverwaltung und Schüler_innen-Rat eine potenzielle und den lokalen Bedürfnissen angepasste Erweiterung der technischen Ausbildung. Das Ergebnis dieser Diskussion wird dem Erziehungsministerium MINED und dem Nationalen Institut für Technik INATEC, zuständig für Berufsausbildung, vorgetragen und dient als Diskussionsgrundlage für weitere Projekte.

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Projektname
Projekt Technische Berufsausbildung in San Rafael del Sur

Laufzeit
Februar 2014 bis Mai 2015

Projektkosten
16.020 €

Finanzierung
Fördermittel: 10.000 €
Spendenbedarf: 6.020 €