"Atabal de Nicaragua" – Kurzmeldungen
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 41 / Sommer 2000
   
 
Nicaraguas Kaffeeproduktion vor dem Aus?
Hungersnot in weiten Teilen Nicaraguas
Alemán schwachsinnig?

(Nach El Nuevo Diario und La Prensa, Juli 2000)





Nicaraguas Kaffeeproduktion vor dem Aus?

Alle zentralamerikanischen Regierungen mit Ausnahme Nicaraguas unterstützen ihre Kaffeefarmer, um ihnen in der schweren Krise beizustehen, die die weltweite Überproduktion der „Goldbohne“ heraufbeschworen hat. Sie wollen damit erreichen, dass sich der Preis pro Quintal Kaffee (etwas weniger als 1 Zentner) zwischen 120 und 140 Dollar einpendelt. Derzeit wird an der New Yorker Börse ein Quintal Kaffee lediglich mit 87 Dollar gehandelt, ein Preis, der die Kosten der Produzenten trotz der extrem niedrigen Löhne in Nicaragua nicht deckt.
Zahlreiche Kaffeefarmer, vor allem in den nördlichen Regionen um Matagalpa und Jinotega, sind bei privaten Banken hoch verschuldet, Folge eines noch der Regierung Violeta Barrios de Chamorro initiierten Plans zur Restrukturierung der Kaffeeproduktion. Über die privaten Banken wurden über vordatierte Schecks staatliche Kredite in Anspruch genommen, die von der nachfolgenden Alemán-Regierung nicht gedeckt wurden. Nun fordern die Banken die Rückzahlung der Schulden und wenn sie nicht gezahlt werden können, die als Sicherheit gegebenen Ländereien der Kaffeeproduzenten. Betroffen sind neben 56 großen Plantagenbesitzern und Kooperativen zahllose Kleinproduzenten. Darüber hinaus fürchten insgesamt 200.000 Menschen einen Ausfall der Ernte 2000/2001, in der sie normalerweise als Arbeitskräfte einen Großteil ihres Jahreseinkommens hätten verdienen wollen. Rechnet man ihre Familienangehörigen hinzu, steht eine Million Menschen vor dem Nichts.




Hungersnot in weiten Teilen Nicaraguas

Die ungewöhnliche Dürre im Mai, Juni und Juli, eigentlich Beginn der großen Regenzeit in Nicaragua, hat zu großen Ernteausfällen, vor allem in der Produktion der Grundnahrungsmittel (Mais, Bohnen, Reis), geführt. Bis zu 90% der erwarteten Ernte gingen verloren. „Wir ernähren uns von Bananen“, müssen viele KleinproduzentInnen eingestehen. In vielen Municipios kommen die Bauern zu den Bürgermeistereien und bitten um Lebensmittel oder kleine Geldbeträge, werden aber in den meisten Fällen abgewiesen, weil die Alcaldías selbst nicht darüber verfügen.
Inzwischen blüht von Honduras aus der Schwarzhandel. Der Preis für ein Quintal Mais (etwas weniger als 1 Zentner) kletterte auf den Märkten im Westen Nicaraguas beispielsweise auf 200 Córdobas (fast 16 Dollar), für Arme unerschwinglich.




Alemán schwachsinnig?

Der ehemalige Botschafter Nicaraguas in Belgien und jetzige Sekretär für Auslandsbeziehungen der Liberal-Nationalistischen Partei (PLN), Leonel Teller Sánchez, will Nicaraguas Präsident Dr. Arnoldo Alemán wegen Schwachsinns und Unfähigkeit des Amtes entheben lassen. Sie bereiten einen entsprechenden Antrag an die Nationalversammlung vor und wollen darüber unter anderen den Generalsekretär der UNO, den Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), den Hohen Kommissar für Außenpolitik und Sicherheit der Europäischen Union (Javier Solana), den Präsidenten der Weltbank und den Vorsitzenden des Internationalen Währungsfonds informieren. Außerdem soll Alemán sich von unabhängigen Ärzten untersuchen lassen.
Sowohl die Innen- wie die Außenpolitik des Präsidenten seien anders nicht zu erklären als damit, dass der Präsident krank und daher nicht in der Lage sei, das Land zu führen. Er verstoße gegen die vitalen Interessen des Staates, indem er technische, finanzielle und ökonomische Kooperations- und Hilfsangebote für Nicaragua wie die internationalen Initiativen zur Entschuldung (HIPC und Club von Paris) nicht annehme, im Grenzkonflikt mit Honduras die territoriale Sicherheit gefährde, den Wahlbetrug sanktioniere und die Armut im Lande nicht bekämpfe, sondern sich im Gegenteil ungehemmt selbst bereichere.
Arnoldo Alemán hat allerdings nicht vor, sich einem ärztlichen Check zu unterziehen. Er fühle sich wohl, erklärte er.