"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 41 / Sommer 2000
 
 
Nicaraguanische Episoden
Aus dem Alltag unseres Koordinators Franz Thoma

Nachhaltigkeit
Stehe ich kürzlich vor dem Kiosk neben unserem Büro in San Rafael und schlürfe eine Coca. Da kommt eine Frau mit nem Kind auf dem Arm und will Brot kaufen und hat gerade mal einen Córdoba. Dafür gibt’s natürlich gar nix. Flugs spiele ich also den Samariter und kaufe ihnen erst mal so richtig Brot, Wurst und Milch.

Später fahre ich nach Managua und halte an einer supermodernen „Esso-Fast-Food-Tankstelle“ am Siete Sur. Kommt da ein gut angezogener junger Latino mit absolut verdreckten Kindern rein, Alter zwischen zwei und zwölf Jahren schätzungsweise.
Das ganze Tankstellenpersonal schaut etwas betreten, weil sie nach dem Besuch sicher putzen müssen. Ich denke auch, was ist denn mit dem Latino los? Da fängt der an, die Regale mit Brötchen, Schokolade und Wurst zu plündern. Als er dann die Kinder fragt, ob sie denn auch was trinken wollen, fange ich an zu begreifen, dass da gerade noch jemand diese hungernden Gestalten nicht mehr ertragen hat.
Der Bursche legt etwas über 300 Córdobas auf den Tisch, steigt in seinen „Four-Wheel-Drive“ und braust los. Ich guck ihm nach und mache mir Gedanken über die „Nachhaltigkeit“ unseres Tuns.

Machos in der Hitze
Erzählt mir Humberto, dass die Arbeiter in Masachapa fast alle krank seien und Blut im Urin hätten (mir sagen sie sowas nicht!!!). Als Krankheitsursache sagt er ein Wort, das ich nicht kenne, das auch im Spanischen nicht existiert und ich somit auch nicht übersetzen kann.
Denke mir, dass sie wahrscheinlich zu wenig Wasser in dieser Hitze trinken. Na gut.
Vor dem Büro fängt, scheinbar ohne jeden Grund, der Autoalarm an. Als ich einsteige, rieche ich noch Feuerzeuggas. Sind mir doch in dieser Bullenhitze Feuerzeuge im Handschuhfach explodiert!

Ich fahre auf den Bau und nehme mir die Kompaktiermaschine vor. Bei uns sagt man auf dem Bau auch „Frosch“ dazu, weil das Ding hüpft. Ich kompaktiere Erde, etwa vierzig Minuten, ohne Pause. Ich glaube, ich habe alles im Körper verfügbare Wasser rausgeschwitzt. Was ist das heiß momentan!

Am nächsten Tag kaufe ich einen Thermosbehälter mit 53 Liter Inhalt und dazu noch einen mit 10 Liter. Das Gesundheitszentrum in Montelimar schenkt uns „Suero“. Das ist so eine mineralhaltige Lösung, die bei dehydrierten Patienten wie Cholerakranken eingenommen werden muss. Ich kippe Eis und Wasser in die Behälter und schleppe sie auf den Bau. In den 10-Liter-Behälter schütte ich das Suero.
Denke, das reicht für einen Tag. Die Arbeiter saufen die 63 Liter in zehn Minuten weg. Kaufe also noch einen großen Behälter und so schleppen wir nun täglich 120 Liter Trinkwasser auf den Bau und schütten für 20 Córdoba täglich Eis rein. Die Krankheitssymptome sind glücklicherweise weg.
Dann tritt ein Bauhelfer in einen rostigen Nagel, klassischer Fall auf’m Bau.
Das Centro de Salud impft daraufhin alle Bauarbeiter gegen Tetanus, ob sie wollen oder nicht. Da das weibliche Personal des Centro de Salud die Impfungen vornimmt, gibt es auch keine Wehlaute. Es gibt zwar Klagen, dass es ihnen am Einstichpunkt weh tut, aber alle sagen auch, dass es notwendig sei. Machos!
Nicaraguanische Episoden
Aus dem Alltag unseres Koordinators Franz Thoma

Nachhaltigkeit
Stehe ich kürzlich vor dem Kiosk neben unserem Büro in San Rafael und schlürfe eine Coca. Da kommt eine Frau mit nem Kind auf dem Arm und will Brot kaufen und hat gerade mal einen Córdoba. Dafür gibt’s natürlich gar nix. Flugs spiele ich also den Samariter und kaufe ihnen erst mal so richtig Brot, Wurst und Milch.
Später fahre ich nach Managua und halte an einer supermodernen „Esso-Fast-Food-Tankstelle“ am Siete Sur. Kommt da ein gut angezogener junger Latino mit absolut verdreckten Kindern rein, Alter zwischen zwei und zwölf Jahren schätzungsweise.
Das ganze Tankstellenpersonal schaut etwas betreten, weil sie nach dem Besuch sicher putzen müssen. Ich denke auch, was ist denn mit dem Latino los? Da fängt der an, die Regale mit Brötchen, Schokolade und Wurst zu plündern. Als er dann die Kinder fragt, ob sie denn auch was trinken wollen, fange ich an zu begreifen, dass da gerade noch jemand diese hungernden Gestalten nicht mehr ertragen hat.
Der Bursche legt etwas über 300 Córdobas auf den Tisch, steigt in seinen „Four-Wheel-Drive“ und braust los. Ich guck ihm nach und mache mir Gedanken über die „Nachhaltigkeit“ unseres Tuns.

Machos in der Hitze
Erzählt mir Humberto, dass die Arbeiter in Masachapa fast alle krank seien und Blut im Urin hätten (mir sagen sie sowas nicht!!!). Als Krankheitsursache sagt er ein Wort, das ich nicht kenne, das auch im Spanischen nicht existiert und ich somit auch nicht übersetzen kann.
Denke mir, dass sie wahrscheinlich zu wenig Wasser in dieser Hitze trinken. Na gut.
Vor dem Büro fängt, scheinbar ohne jeden Grund, der Autoalarm an. Als ich einsteige, rieche ich noch Feuerzeuggas. Sind mir doch in dieser Bullenhitze Feuerzeuge im Handschuhfach explodiert!
Ich fahre auf den Bau und nehme mir die Kompaktiermaschine vor. Bei uns sagt man auf dem Bau auch „Frosch“ dazu, weil das Ding hüpft. Ich kompaktiere Erde, etwa vierzig Minuten, ohne Pause. Ich glaube, ich habe alles im Körper verfügbare Wasser rausgeschwitzt. Was ist das heiß momentan!
Am nächsten Tag kaufe ich einen Thermosbehälter mit 53 Liter Inhalt und dazu noch einen mit 10 Liter. Das Gesundheitszentrum in Montelimar schenkt uns „Suero“. Das ist so eine mineralhaltige Lösung, die bei dehydrierten Patienten wie Cholerakranken eingenommen werden muss. Ich kippe Eis und Wasser in die Behälter und schleppe sie auf den Bau. In den 10-Liter-Behälter schütte ich das Suero.
Denke, das reicht für einen Tag. Die Arbeiter saufen die 63 Liter in zehn Minuten weg. Kaufe also noch einen großen Behälter und so schleppen wir nun täglich 120 Liter Trinkwasser auf den Bau und schütten für 20 Córdoba täglich Eis rein. Die Krankheitssymptome sind glücklicherweise weg.
Dann tritt ein Bauhelfer in einen rostigen Nagel, klassischer Fall auf’m Bau.
Das Centro de Salud impft daraufhin alle Bauarbeiter gegen Tetanus, ob sie wollen oder nicht. Da das weibliche Personal des Centro de Salud die Impfungen vornimmt, gibt es auch keine Wehlaute. Es gibt zwar Klagen, dass es ihnen am Einstichpunkt weh tut, aber alle sagen auch, dass es notwendig sei. Machos!