"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 42 / Herbst 2000
 
 
Kurzfristige Nothilfe nach erneuter Naturkatastrophe

Schon wieder war San Rafael del Sur wochenlang von intensiven Starkniederschlägen betroffen. Zwar waren die Auswirkungen nicht ganz so schlimm wie im Spätherbst 1999, aber wie die beigefügten Bilder zeigen, traten so starke Überschwemmungen auf, dass über 100 Personen evakuiert werden mussten.

In der ganzen Region verloren die Kleinbauern wieder einmal die zweite Aussaat vom September. Nachdem die erste Aussaat vom Frühsommer aufgrund zu geringer Niederschläge nur einen Teil der erwarteten Ernteergebnisse gebracht hatte, waren jetzt die Rücklagen aufgebraucht. Man gewinnt fast den Eindruck, als wenn das Klima in Nicaragua immer stärker Monsuncharakter wie in Südasien annimmt, dass also nur noch eine Regenzeit auftritt, die aber mit enormen Niederschlägen verbunden ist.

Angesichts dieser Tatsache müssen wir unser Programm zur Verbesserung der Einkommenssituation von Kleinbauern unbedingt ausweiten. Wie erste Maßnahmen in diesem Bereich gezeigt haben, lässt sich dadurch eine Reduzierung der Abhängigkeit von den Niederschlägen durch zusätzliche Einkommen über Kleintierhaltung und Obstanbau erreichen. Durch Diversifizierung (Anbau mehrerer Produkte) wird das Ernterisiko minimiert. Dank der Einführung auf natürlicher Basis verbesserten Saatgutes, z.B. gegenüber Trockenheit unempfindlichere Hirsesorten, die auch noch schneller reifen, werden Erträge gesteigert und Ernteausfälle reduziert. Auch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Bodenerosion und zur Verbesserung der Bodenqualität sollen dazu beitragen. Durch verstärkte Direktvermarktung und verbesserte Lagerhaltung werden ebenfalls die Einkünfte gesteigert, da die Ausschaltung des Zwischenhandels die Verkaufserlöse steigert.

Nach den Überschwemmungen Anfang Oktober bat man unser Büro und unseren Partner CEDRU erneut, den am stärksten betroffenen Kleinbauern neues Saatgut zur Verfügung zu stellen, was wir im Rahmen unserer Möglichkeiten taten. Hier hat dankenswerterweise die Hans-Böckler-Stiftung entschieden, uns mit einem Zuschuss von 4.500 DM zu unterstützen. In diesem Zusammenhang sei auch Holger, einem Brigadisten der diesjährigen Märzbrigade, für seinen Einsatz gedankt, der zur Bewilligung dieser Mittel führte. Gerade im Bereich des Gemüseanbaus und der Kleintierhaltung könnten wir bei entsprechenden Spenden unsere Hilfe erheblich ausweiten, um noch mehr Menschen als bisher zu ermöglichen, aus eigener Kraft ihre Einkommenssituation nachhaltig so zu verbessern, dass sie ohne weitere fremde Hilfe, unabhängig und aus eigener Kraft ihre Familien ernähren können.