"Atabal de Nicaragua" – Kurzmeldungen
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 43 / Winter 2000/2001
   
 
Man gönnt sich ja sonst nichts
Kaffeepreise bringen nicaraguanische Familien in Not
Nicaragua = Texas
"Todos con Daniel" - Andere haben schon genug gearbeitet
Zerstörung des Paradieses




Man gönnt sich ja sonst nichts

Während in Nicaragua Menschen wegen des Fehlens von Medikamenten in den Krankenhäusern sterben oder sich in den unsauberen Operationssälen infizieren, weil die finanziellen Mittel nicht ausreichen, einen ordnungsgemäßen Betrieb zu gewährleisten, steht offensichtlich genug Geld zur Verfügung, der Regierung eine Luxusreise nach Spanien zu erlauben.

Anfang März fliegt eine nicaraguanische Regierungsdelegation nach Madrid, um an der dort stattfindenden Konferenz der so genannten Konsultativgruppe mit den Regierungen der zentralamerikanischen Staaten teilzunehmen. Angeführt wird die Delegation von Präsident Dr. Arnoldo Alemán und seiner Frau María Fernanda Flores, begleitet von zwei Geschwistern des Präsidenten. Die mitreisenden Funktionäre nehmen, selbstverständlich, ihre Ehefrauen bzw. -männer mit, so dass mehr als dreißig Personen nach Madrid fliegen. Die Kosten allein dafür: rund 75.000 US$.

In Madrid wohnt man im zentral gelegenen Luxushotel "Villa Magna", in dem ein Einzelzimmer 421 US$ pro Nacht kostet. Die beiden Präsidentensuiten im 9. Stock des Hotels, deren Mietpreis nicht verraten wurde, wurden für Präsident Alemán reserviert. Die mit 178 m2 kleinere Suite besteht aus zwei Schlafzimmern, zwei Bädern, Salon und Esszimmer. Die andere, 192 m2 große Suite verfügt zusätzlich über Sauna und Whirlpool und, einzigartig in Madrid, über eine 114 m2 große Terrasse.
Im Anschluss an den dreitägigen Aufenthalt in Madrid unternimmt eine von Arnoldo Alemán angeführte Gruppe eine Vergnügungsreise nach Kairo. Angeblich möchte Alemán die Gelegenheit nutzen, durch Vermittlung des ägyptischen Präsidenten Mubarak bei Präsident Ghaddafi erreichen, dass Libyen zumindest einen Teil der 200 Mio US$ Schulden erlässt, die Nicaragua dort in den 80er Jahren machte und von denen "Daniel Ortega uns nie sagte, wofür er sie verwendete", wie Alemán kurz vor dem Abflug mitteilte.

(Nach einem Artikel in "El Nuevo Diario", 03.01.01)




Kaffeepreise bringen nicaraguanische Familien in Not

Kaffeepreise bringen nicaraguanische Familien in Not
Die letzte Kaffee-Ernte ist eine der schlechtesten, die es je in Nicaragua gab. Gut 30% der Ernte ging durch Regenfälle außerhalb der normalen Regenzeit und Mangel an Arbeitskräften verloren. Ursache sind aber auch der mangelnde Zugang zu Krediten, die aufgetretenen Plagen und vor allem der Preisverfall auf dem Weltmarkt. Die nationale Kaffee-Industrie, noch immer von den Verlusten durch den Hurrikan Mitch geschwächt, wird in diesem Jahr rund 100 Mio US$ verlieren.

Selbst wenn der Weltmarktpreis in Ordnung wäre, könnten die nicaraguanischen Kaffeearbeiter(innen) nicht genug arbeiten, um sich das Lebensnotwendigste zu leisten, denn die Löhne, die die Plantagenbesitzer zahlen, sind zu gering. Viele Familien, die traditionell von der Arbeit in den Plantagen gelebt haben, versuchen heute, in den Städten ihr Auskommen zu finden. Gleichzeitig erklären die Produzenten, keine höheren Löhne zahlen zu können, da sie mit Verlust verkaufen müssen. Die Produktion eines 100-Pfund-Sacks Kaffee inklusive der Einrichtung und Pflege der Pflanzungen kostet etwa 80 US$. Der Weltmarktpreis liegt allerdings derzeit bei rund 67 US$.

(Nach "NicaNet", 02.01.01)




Nicaragua = Texas

Im Februar wurde es offiziell: Nicaragua verfügt über große Ölvorkommen vor beiden Küsten.

Bereits 1999 stellte eine norwegische Firma "zweifelsfrei" fest, dass die von ihr untersuchten Claims im Durchschnitt täglich 350 Fass Rohöl produzieren könnten und dass dieses Öl von so guter Qualität sei, dass daraus sehr gutes Benzin gemacht werden könne. Inzwischen hat das nicaraguanische Energie-Institut (INE) zwei US-Firmen für die Ausbeutung der Vorkommen ins Auge gefasst: die "Empire Energy" und "MJK Xploration". INE erwartet aber noch die Anträge von wenigstens fünf weiteren Firmen. Ein "Empire Energy"-Sprecher begeistert: "Nicaragua ist, was Texas vor 100 Jahren war."

Die ersten Konzessionen sollen auf sechs Jahre vergeben werden und sich auf 4.000 km2 große Gebiete beziehen. Während dieser Zeit sollen die Firmen sich entscheiden, ob sie die Ausbeutung angehen wollen. Dann erhalten sie Verträge mit einer Laufzeit von 20 Jahren. Nicaragua soll 30% der Erlöse erhalten.

Beobachter stellen fest, dass Nicaragua längere Zeit mit Honduras und Kolumbien im Streit über die Souveränitätsrechte des Festlandsockels an der Atlantikküste lag und dass nun also der vielleicht wahre Grund dafür ans Tageslicht gekommen ist.

(Nach "NicaNet", 16.01.01)




"Todos con Daniel" - Andere haben schon genug gearbeitet

Im Januar wurde Daniel Ortega Saavedra, Präsident Nicaraguas von 1985 bis 1990, von der "Frente Sandinista de Liberación Nacional" (FSLN) zum Präsidentschaftskandidaten für die im November stattfindenden Wahlen gewählt. Gut 70% der Parteimitglieder stimmten für ihn.

Die beiden anderen Kandidaten, Alejandro Martínez Cuenca und Víctor Hugo Tinoco, akzeptierten, trotz vager Manipulationsvermutungen, das Ergebnis und forderten die Mitglieder der FSLN auf, sich hinter Daniel Ortega zu vereinen, um sicherzustellen, dass "die von einer rechtsgerichteten See umgebene Linke" (Tinoco) wieder eine Regierung in Zentralamerika stellen könne.

Die ehemalige Präsidentin Doña Violeta Barrios de Chamorro hat eine Aufforderung der Konservativen Partei, erneut zu kandidieren, endgültig zurückgewiesen: "Mein Herz sagt mir, ich habe schon genug fürs Vaterland gearbeitet." - Das wäre auch eine merkwürdige Konstellation gewesen: Wie 1990 Daniel Ortega und Violeta Chamorro als Präsidentschaftskandidaten in Nicaragua und in Washington ein Präsident namens George Bush!

(Nach "NicaNet", 29.01.01, und "El Nuevo Diario", 08.03.01)




Zerstörung des Paradieses

1983 erklärte die Revolutionäre Regierung des nationalen Wiederaufbaus Zapatera, eine Insel im Nicaraguasee, zum Nationalpark. Sie ist Teil einer ganzen Reihe von Parks zum Schutz seltener Pflanzen- und Tierarten, darunter die letzten Jaguare Zentralamerikas, und genießt den Schutz durch die nicaraguanischen Umweltschutzgesetze, die es nicht erlauben, auch nur eine Spezies daraus zu entfernen. Außerdem ist Zapatera einer der wichtigsten archäologischen Bereiche Nicaraguas, wo Indios in präkolumbinischen Zeiten riesige Statuen aus Stein errichteten, die allerdings im 19. Jahrhundert (vor allem nach Schweden) gebracht wurden. Heute können Tourist(inn)en nur noch antike Gräber und andere Strukturen aus alter Zeit besichtigen.

Seit einigen Monaten kann man allerdings beobachten, dass eine Seite eines der zentralen Berge der Insel bereits völlig kahl geschlagen ist. Einheimische erzählen, dass bewaffnete Räuber vor allem die wertvollen, 50 bis 100 Jahre alten Mahagonibäume fällen, an Ort und Stelle in Planken zersägen und im Schutz der Dunkelheit zu geheimen Orten auf dem Festland brächten. Vielfach fackelten sie auch Wald ab, um ihre Spuren zu verwischen. Die Menschen auf Zapatera wagen es nicht, Namen zu nennen: "Sie sind extrem gefährlich."

Das nicaraguanische Umweltministerium MARENA erklärt sich für hilflos: "Wir haben nur einen Ranger, der die Insel einmal pro Monat inspiziert. Es gibt kein Geld, mehr zu beschäftigen." MARENA-Beamte erklärten sogar, es sei möglich, wenn diese Entwicklung auf Zapatera anhalte, dass die Insel ihren Status als Naturschutzpark verlieren könne und nur noch als historisches Monument dienen werde, was der legalen oder illegalen Abholzung "bis zum Finale" Tür und Tor öffne.

(Nach "NicaNet",05.02.01)