"Atabal de Nicaragua" – Kurzmeldungen
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 44 / Sommer 2001
 
 
1 Milliarde Dollar für Bananenarbeiter?
Trockener Kanal kommt
Virtuelle "Geschäfte"
US-Truppen kehren nach Nicaragua zurück




1 Milliarde Dollar für Bananenarbeiter?

Ein nicaraguanisches Gericht hat Repräsentanten von Standard Fruit, Dole, Del Monte, Dow Chemical, der Shell Oil Company und der Occidental Chemical Corporation nach Managua eingeladen, um mit ihnen die Forderungen von 3.600 Bananenarbeitern gegen diese Firmen zu diskutieren. Das Gericht schätzte die zu begleichenden Schäden auf rund 1 Milliarde US-Dollar: Der Einsatz von Chemie in den Plantagen zwischen 1968 und 1983 hatte schwere gesundheitliche Folgen für die Arbeiter.
Das Versprühen von hoch giftigen Insektiziden, vor allem von "Nemagon", verursachte Unfruchtbarkeit, Krebs und andere gesundheitliche Probleme bei den Arbeitern, die damit in Berührung kamen.
(NicaNet, 21. Mai 2001)




Trockener Kanal kommt

Der so genannte "Trockene Kanal" wird die Pazifikküste Nicaraguas mit der Atlantikküste per Eisenbahn verbinden. An seinen Endpunkten, Monkey Point im Osten, und Corinto oder Pie de Gigante bei Rivas, übrigens ein Brutplatz für Meeresschildkröten, sollen Tiefseehäfen entstehen, in denen Güter von Schiff auf Bahn umgeladen werden sollen.
20.000 bis 50.000, allerdings nur temporäre Arbeitsplätze während der Bauzeit soll das insgesamt 2,6 Milliarden US-Dollar teure Projekt schaffen. Entlang der Bahnstrecke, stellt man sich vor, könnten noch mehr Maquilabetriebe angesiedelt werden. Ob diese Jobs einträglicher sein werden, als die dort bisher übliche Subsistenzlandwirtschaft, darf bezweifelt werden.
(Nach NicaNet, 2. April 2001)




Virtuelle "Geschäfte"

Peter Tsokos, Unternehmer und Landspekulant, "verkaufte" per Internet acht wunderschöne, nicaraguanische Karibik-Inseln, die unter dem Namen Pearl Cays bekannt sind. Die Inseln gehören allerdings gemäß Nicaraguas Verfassung und Autonomiegesetz für alle Zeiten der indigenen Gemeinschaft und können weder verkauft noch gekauft werden.

Pech hatte der griechische Hasardeur ebenfalls, als er an der Atlantikküste in einem Naturreservat Land roden ließ. Von der indigenen Gemeinschaft angezeigt, verurteilte ihn ein Gericht zu einer "wirklich harten Strafe": Er muss 864 Cocospalmen auf das gerodete Land pflanzen lassen und eine Strafe von 10.000 Córdobas (weniger als 800 US-$) Strafe zahlen.
(Nach NicaNet, 21. Mai 2001)




US-Truppen kehren nach Nicaragua zurück

Mit 68 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung und ohne eine einzige Gegenstimme (13 Abgeordnete nahmen an der Abstimmung nicht teil) befürwortete die nicaraguanische Nationalversammlung den Einsatz von US-Truppen zu humanitären Zwecken auf nicaraguanischem Territorium. Die Marines dürfen nur kleine Waffen bei sich tragen und müssen ihre Aktivitäten mit den nicaraguanischen Behörden koordinieren. Oliver Garza, US-Botschafter in Nicaragua, erklärte, die Militärs sollten, ähnlich wie nach dem Hurrikan "Mitch", Schulen und Gesundheitszentren bauen, Workshops in Präventivmedizin abhalten und kostenlos Medikamente verteilen.

Ein namentlich ungenanntes Mitglied einer Nichtregierungsorganisation äußerte dazu: "Anstatt uns Truppen zu senden, sollten die USA uns lieber die 17 Milliarden Dollar Entschädigung für die Kriegsschäden zahlen, zu denen sie der Internationale Gerichtshof verurteilt hat." Mit dem Geld könnten die traditionelle, präventive Medizin wiederbelebt, zahllose Jobs geschaffen, die Kaffee-Schulden-Krise gelöst, Straßen gebaut und die kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung wieder eingeführt werden.
(Nach NicaNet, 14. Mai 2001)