"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 44 / Sommer 2001
 
 
Trinkwasser für San José - km 54

Wer im letzten Jahr zu Besuch in unserer Partnerstadt war und in Richtung Masachapa fuhr, konnte immer wieder Dutzende von Frauen und Kindern sehen, die mit Handkarren und Wassereimern unterwegs waren in Richtung Masachapa. Es waren die Bewohnerrinnen der Siedlung San José, die Trinkwasser über mehrere Kilometer heranholen mussten.

In den letzten eineinhalb Jahren erhöhte sich in San José die Einwohnerzahl von knapp 100 Familien auf über 340 Familien. Es sind im wesentlichen Familien, die ehemals auf dem Gelände der privatisierten Zuckerfabrik lebten und jetzt umgesiedelt wurden. Mit diesem raschen Einwohnerzuwachs hatte niemand gerechnet, so dass die von uns 1997 errichtete zentrale Trinkwasseranlage völlig überfordert war. Von daher wurden wir im Jahre 2000 verstärkt von den Bewohner(inne)n angesprochen, ob der Verein nicht noch einmal helfen könnte.

Zuerst mussten jedoch die Grundwasserverhältnisse überprüft werden, denn wir wussten aus dem ersten Projekt, dass in dieser Region nur ein schwach ausgeprägter Grundwasserträger vorliegt. Es musste also in akzeptabler Entfernung ein Standort für einen neuen Brunnen gefunden werden. Im Gemeindegebiet selbst hätten wir mindestens 4 Brunnen bauen müssen, um die erforderliche Wassermenge fördern zu können, was die Projektkosten enorm verteuert hätte. Parallel bereiteten wir beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit einen Antrag auf Mitfinanzierung vor.

Beide Vorarbeiten waren im Dezember 2000 abgeschlossen, so dass wir eine Förderung beantragen konnten. Lange diskutierten wir, ob es dem Verein gelingen würde, die auch hier notwendigen Spendengelder in Höhe von 25% der Projektkosten aufzubringen, da wir durch das von der EU geförderte Projekt "Verbesserung der Einkommenssituation Kleinbauern und Ressourcenschutz" ebenfalls in erheblicher Höhe Spendengelder benötigten (hier 15% der Projektsumme). In der Hoffnung, dass auch im Jahre 2001 wieder viele Spender(innen) und Spender gewonnen werden können, entschieden wir uns, das Projekt zu beantragen. Unser Anteil beträgt 25.000 DM von den knapp 100.000 DM Projektkosten.

Im April 2001 lagen die endgültigen Zusagen vor und die Bauarbeiten konnten begonnen werden, damit über 1.000 Personen zukünftig sauberes Trinkwasser in ihrer Gemeinde haben. Auch hier engagiert sich die Bevölkerung sehr stark bei den erforderlichen Leitungsarbeiten für die Fernleitung vom Brunnenstandort nach San José (knapp 1 km) und beim Bau der Ortsleitungen. Auch die Bohrung des neuen Brunnens war erfolgreich, so dass jetzt weitere 30 Gallonen Wasser pro Minute zur Verfügung gestellt werden können und damit pro Stunde weitere 6.500 Liter Trinkwasser nach San José fließen werden, was einen Pro-Kopf–Verbrauch von 40 Liter Trinkwasser ermöglicht. Angesichts des erfolgreichen Baufortschrittes versuchen wir, bis September 2001 das Projekt abzuschließen, damit endlich auch für diese Menschen das mühselige Wasserholen entfällt.

Für jegliche finanzielle Unterstützung für dieses Projekt sind wir dankbar.