"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 44 / Sommer 2001
 
 
Aus 1 mach 6!
Die wundersame Geldvermehrung oder: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es

Da schlummern sie: In Sparschweinen, in alten Marmeladengläsern, auf Untersetzern in einer Küchenecke, in kitschigen Schälchen, die einmal ein hübsches Urlaubsmitbringsel waren. All die kleinen Münzen, die man beim Aldi oder Lidl an der Kasse herausbekommen hat, die das Portemonnaie dick und schwer machten, weshalb man sie denn auch für den Augenblick "entsorgte".
Und nun? Nun stauben sie ein oder verpennen ihr Dasein in bauchigen Schweinchen. Statt dass sie etwas tun. Gutes nämlich.

Natürlich könnte man die Münzen, immer hübsch fünfzig Stück, in eigens von der Bank geholtes Papier einrollen und auf sein Konto einzahlen. Allerdings: Man müsste erst einmal zur Bank gehen, um dieses Papier zu holen, dann die alten Münzen sortieren und zählen und aufstapeln und in dieses verflixte Papier rollen, was einen (wer hat schon zwei rechte Hände?) ganz nervös macht, weil diese blöden Dinger immer auf einer Seite herausflutschen, wenn man sie ordentlich in diese Röllchen drehen will. Außerdem bekommt fast nie die auf dem Geldpapier angegebene Münzenmenge zusammen. Frust macht sich breit, vor allem, wenn man doch ein paar Röllchen zusammengedreht hat, stolz damit zur Bank wackelt und die nette Frau am Schalter darauf besteht, eine Gebühr für die Einzahlung kassieren zu müssen.

Aber loswerden muss man diese Münzen doch! Schließlich kommt, gar nicht mehr so lange hin, der Euro, ob wir ihn nun lieben oder nicht. Und man kann sie loswerden, ohne Gebühr und mit Riesengewinn! Wenn auch nicht für einen selber, sondern für die Menschen in San Rafael del Sur.

Wenn man dieses Geld, das Günter Jauch zu Recht "Schlafmünzen" nennt, nämlich dem Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Kreuzberg – San Rafael del Sur e.V. gibt. Entweder, wenn man sowieso gerade mal in der Nähe der Naunynstraße ist, wo das Büro des Vereins ist, oder anlässlich des ohnehin geplanten Besuchs einer Plenumsveranstaltung oder einer Vorstandssitzung. Einfach so, in einer alten Plastiktüte oder was man gerade griffbereit hat, ohne vorher groß zu sortieren und all das.

Beim Verein gibt es nämlich Leute, die durch jahrelanges Üben äußerst geschickt sind beim Herstellen der vermaledeiten Röllchen, auf denen die Bank besteht. Und wenn das Geld dann auf das Vereinskonto kommt, dann... Wir wollen jetzt keinen langen Diskurs über die Freuden der Vermehrung halten, aber so viel sei gesagt: Das Geld vermehrt sich! Und wie!

Auf jede Mark, die als Spende eingeht, legt die Europäische Union uns glatt fünf Mark drauf! Weil sie unser Projekt "Integrierte Armutsbekämpfung" gut findet.
Und weil wir es selber auch gut finden und die Leute in San Rafael del Sur erst recht, bitten wir: Her mit den "Schlafmünzen"! Lasst sie Gutes tun!

Vielen Dank!