"Atabal de Nicaragua" – Kurzmeldungen
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 46 / Winter 2001/2002
 
  Arbeiter in Freihandelszone eingeschüchtert

Bolaños zu Besuch in Washington





Arbeiter in Freihandelszone eingeschüchtert

Pedro Ortega, Generalsekretär der CST (Sandinistische Gewerkschaftszentrale), wirft der Kooperation der Freihandelszonen (CFTZ) vor, unter den Beschäftigten in ihren Fabriken eine „Zeitung“ verteilt zu haben, in denen im Falle eines Wahlsieges der FSLN vor dem Verlust von Arbeitsplätzen gewarnt wurde. Die 8-seitige Veröffentlichung mit dem Titel „Der Graben - Sonderausgabe Freihandelszone“ wurde kostenlos an alle Arbeiter verteilt. Das gleiche passierte vor knapp einem Jahr vor den Kommunalwahlen, „zwischendurch ist die Zeitung nicht wieder aufgetaucht“, berichtet Ortega.

Unter Überschriften wie „Wir mögen Chinesen. Wir mögen keine chinesischen Kommunisten“ drohte die Zeitung, dass ausländische Investoren das Land verlassen würden, wenn die FSLN an die Macht käme. „Ein billiger Trick“, so Ortega, „um die Arbeiter einzuschüchtern und davon abzuhalten, die Frente zu wählen.“

Der CFTZ-Direktor, Gilberto Wong, behauptet, weder die Zeitung noch ihren Inhalt zu kennen. Er appellierte an Ortega und die CST, keine Schlammschlacht zu beginnen, die die Kooperation in Misskredit bringen könnte.

Quelle: Nicaragua Network Hotline, 29.10.01




Bolaños zu Besuch in Washington

Am 18.11. folgte der neugewählte und ab Januar amtierende nicaraguanische Präsident Enrique Bolaños einer Einladung des US-Präsidenten George W. Bush. Bei dieser Gelegenheit bemerkte Staatssekretär Colin Powell, der Sieg Bolaños über Ortega sei „wundervoll“. Er wünsche dem nicaraguanischen Volk „mehr Demokratie, ökonomische Freiheit und eine gesetzestreue Regierung.“

Die Vereinigten Staaten lehnten den FSLN-Kandidaten in den jüngsten Wahlen offen ab. Powell bekräftigte, dass Nicaragua im Kampf gegen Korruption, Drogenhandel und Geldwäsche fest mit der Unterstützung der Vereinigten Staaten rechnen könne. „Die USA werden auf Bolaños’ Seite stehen, und in Zusammenarbeit mit internationalen Finanzorganisationen werden wir alles tun, um Nicaragua zu helfen, ausländische Investoren für sich zu gewinnen“, sagte der Secretary of State.

Politische Beobachter interpretierten Powells Worte als ein klares Zeichen dafür, dass die USA Bolaños nur unterstützen werden, wenn die Korruption der Alemán-Verwaltung ausgelöscht wird. Bolaños unterstrich, dass nur ein günstiges Klima für ausländische Investoren dazu beitragen könne, die Armut des Landes zu überwinden.

Quelle: Nicaragua Network Hotline, 26.11.01