"Atabal de Nicaragua" – Kurzmeldungen
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 47 / Frühjahr 2002
 
  Proteste gegen den Bau des "Dry-Canal"

Unterstützung der Armee durch die USA

Arbeiterinnen leiden unter höllischen Arbeitsbedingungen


Proteste gegen den Bau des "Dry-Canal"

Zur ersten Sitzung der neugewählten Nationalversammlung unter Präsident Bolaños versammelten sich vor dem Parlamentsgebäude Gegner des international geplante Baus einer Eisenbahnstrecke durch Nicaragua, Dry-Canal genannt.
Dieser Hochleistungsstrecke soll je einen internationalen Hafen der Pazifik- und der Atlantikküste miteinander verbinden und würde zumindest teilweise durch bisher von menschlichen Eingriffen weitestgehend verschont gebliebene Regionen verlaufen. Es würde zur Zerstörung von Lebensräumen seltener Tier- und Pflanzenarten und ihrer Verbreitungsmuster, von Fischgründen und der Kultur und Gemeinschaft der besonders an der Atlantikküste beheimateten indigenen Bevölkerung kommen.

Die Protestierenden kamen aus Gemeinden der Pazifikküste, besonders aus der Hafenstadt Pie de Gigante, die als westlicher Zielpunkt der Strecke festgelegt wurde, und allen beruflichen und sozialen Gruppen. Außerdem waren Mitglieder der spanischen Umweltorganisation Ja! anwesend, die die Leitung der Aktion übernahmen. Die Demonstration verlief friedlich, das Anliegen wurde jedoch sehr deutlich: "Nein! zum trockenen Kanal".

Der Protest gründet sich neben den zu befürchtenden Umweltzerstörungen vor allem auch gegen die weit um sich greifende Neoliberalisierung der Wirtschaft. Der Dry-Canal muss als Mittel der Öffnung Nicaraguas für internationale Investoren und den Weltmarkt angesehen werden. Aufgrund der internationalen Interessen, die mit dem Projekt verknüpft sind, kann die nicaraguanische Regierung nicht allein über den weiteren Verlauf entscheiden.

Nach: NicaNet 11.Februar


Unterstützung der Armee durch die USA

Das erste Mal seit 22 Jahren erhält Nicaragua militärische Unterstützung aus den USA. Für die Ausbildung gegen den grenzüberschreitenden Drogenhandel, gegen Terrorismus im allgemeinen und zur Ausrüstung von Spezialeinheiten zum Einsatz in Katastrophenfällen stellt die US-Regierung für dieses Jahr 500.000 US Dollar zur Verfügung. Für 2003 ist eine ähnlich hohe Summe zu erwarten. Im Oktober letzten Jahres wurde von beiden Regierungen bereits ein Abkommen zur kontrollierten Drogenbekämpfung abgeschlossen.

In diesem Jahr sollen rund 120 nicaraguanische Offiziere in den USA eine Ausbildung erhalten, einige davon an dem Institut für Sicherheitszusammenarbeit der westlichen Hemisphäre (WHISC, früher School of the Americas). Das Training soll unter anderem in den Bereichen Ressourcen-Management, Logistik, Menschenrechte, Zivileinsätze des Militärs und Sicherung der Demokratie erfolgen. Unter der Diktatur der Somozas wurden in den 1950er, 60er und 70er Jahren fast 4.700 Soldaten der Nationalgarde ausgebildet.

Nach: NicaNet, 11.Februar und 4.März


Arbeiterinnen leiden unter höllischen Arbeitsbedingungen

Bis zu sechzehn Stunden Arbeit, davon mehr als acht im Stehen; ein verstärktes Auftreten von Atemwegserkrankungen und Allergien; neun von zehn Fällen sexueller Belästigung ohne Anzeige: Dies sind die Resultate der Untersuchung, die während des IV. Kolloquiums der Arbeiterinnen in Haushalten und Freihandelszonen, an dem mehr als 2.000 Frauen teilnahmen, präsentiert wurden.

Durch Zeugenaussagen und die Untersuchung der Situation wurde zum Einen die Misshandlung deutlich, der die Frauen unterliegen, und zum Anderen das Fehlen von Schutzmaßnahmen seitens der zuständigen Arbeitsbehörden und die entsprechende Hilflosigkeit der Frauen.

Der Referent Luis Manuel Osejo erklärte, dass die von der Frauenbewegung María Elena Cuadra (MEC) vorgelegte Untersuchung in zehn Unternehmen der Freihandelszonen Las Mercedes, Los Brasiles und Sébaco durchgeführt wurde. In einigen von ihnen sind die Voraussetzungen für Hygiene und Sicherheit gleich Null, während andere Unternehmen über sie verfügen und sie effizient anwenden.

Nach: El Nuevo diario, 25.02.02