"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 48 / Herbst 2002
 
 

Prodisa-Bericht Herbst 2002

Statt Nothilfe eine langfristige Strategie zur Armutsbekämpfung:
Das Prodisa-Projekt

Wir möchten kurz über den weiteren Fortgangs unseres Projektes zur integrierten Armutsbekämpfung im ländlichen Bereich von San Rafael del Sur informieren.

Seit unserem letzten Bericht im Frühjahr 2002 (Atabal Nr. 47) konnten wir weitere 500 Familien, d.h. fast 3.000 Personen zusätzlich unterstützen. Angesichts der dramatischen Verschlechterungen im Agrarbereich (vgl. Artikel zur Situation der Kaffeebauern) warten weitere 860 Familien darauf, ebenfalls in das Programm aufgenommen zu werden. Aber nicht nur die nationale wirtschaftliche Krise, sondern auch die Erfolge, die bisher erzielt wurden, haben dazu geführt, dass sich weitere Kleinbauernfamilien beteiligen wollen. Eine Zwischenauswertung ergab bisher eine durchschnittliche Einkommenssteigerungen von 338 US-$ bei den beteiligten Familien, was durchschnittlich eine Verdopplung des Jahreseinkommens nach einem halben Jahr bzw. einem Erntezyklus bedeutet.

Gerade Kleinbauernfamilien beteiligen sich an mehreren Maßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich, um eine nachhaltige Verbesserung ihrer Situation zu erreichen. Hier haben wir die Anstrengungen zur Diversifizierung des Anbaus, zur Ausbildung gerade in den Bereichen Direktvermarktung, ökologische Bodenverbesserungs- und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen fortgesetzt. Mittlerweile haben

  • 612 Familien Hühner im Rahmen eines revolvierenden Fonds (Rückgabe der Tiere erfolgt nach erfolgreicher Aufzucht) erhalten
  • 123 Familien verbessern ihre Einkommenssituation durch Schafzucht;
  • 879 Familien haben ihre Situation im Rahmen des Anbaus von Grundnahrungsmitteln verbessert.

Bei allen drei Komponenten konnte die Zahl der Begünstigten stark erhöht werden, weil die im letzten Jahr beteiligten Familien wie geplant Saatgut bzw. Tiere an den Fond zurückgaben, so dass weitere Familien in das Programm einbezogen werden konnten.

Darüber hinaus haben wir mittlerweile

  • 575 Familien, die durch Gemüseanbau,
  • 222 Familien, die durch Bananenanbau und
  • 119 Familien, die durch den Anbau nichttraditioneller Produkte ihre Eikommensmöglichkeiten verbesserten.

Im August fand wieder ein großer Bauernmarkt in San Rafael del Sur statt, um die Direktvermarktung weiter zu verbessern.

Aber auch in den anderen Bereichen unseres Programms konnte die Arbeit fortgesetzt werden:

Bildungssektor:

Mittlerweile drei Schulneubauten stehen kurz vor der Vollendung, so dass in El Tamarindo, La Gallina und in El Manzano sich die Möglichkeiten im Grundschulbereich nachhaltig verbessern. Daneben wurden an sieben weiteren Standorten dringend notwendige Reparaturarbeiten an Schulgebäuden realisiert.

Baustelle der Neuen Schule in La Gallina
Baustelle der Neuen Schule in La Gallina

Das Programm zur Erwachsenenalphabetisierung mit über 140 Personen hat begonnen.

Die ersten drei Kurse zur Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer wurden realisiert.

Die Verbesserung der Ausstattung der Grundschulen mit Schulmaterialien wurde durch den Aufbau von Bibliotheken fortgesetzt.

Baustelle der Neuen Schule in Manzano
Baustelle der Neuen Schule in Manzano

Trinkwasser:
In 9 Gemeinden wurden zehn traditionelle Schachtbrunnen gebaut, um eine verbesserte Versorgung mit sauberem Trinkwasser für die Bevölkerung zu gewährleisten.

Menschenrechte:
Hier haben bisher neun Kurse in Zusammenarbeit mit der Menschenrechtsorganisation CENIDH stattgefunden, um Promotorinnen und Promotoren für Menschenrechtsfragen auszubilden. Dabei standen insbesondere die Rechte von Frauen und Kindern, Probleme der häuslichen Gewalt sowie Grundrechtsfragen im Mittelpunkt der Ausbildung.

Aufforstung:
Hier konnten bisher über 160.000 Bäume in Baumschulen aufgezogen werden, wovon bisher über 70.000 ausgepflanzt werden konnten.

Gesundheitssektor:
Bisher besagt die Statistik der beiden Gesundheitszentren, dass keine Fälle von Malaria, Dengue oder Cholera seit unserem massiven "Seiteneinstieg" in die Verbesserung der Gesundheitssituation in der Gemeinde San Rafael del Sur aufgetreten sind. Aktuell laufen Maßnahmen zum Aufbau von Basisgesundheitshäusern in den Dörfern, einschließlich der Ausbildung on Gesundheitshelfern sowie verstärkte Maßnahmen zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse auf den Dörfern, insbesondere auch die Bekämpfung von Parasiten. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Kindern. So wurden z.B. gezielt Kopflausbefall bei Kindern mitbehandelt.

Alle diese sieben Komponenten sind miteinander verzahnt, um die Lebensbedingung der Landbevölkerung nachhaltig zu verbessern. Häufig beteiligen sich die Familien an zwei oder drei Maßnahmen. Wir bitten unsere Leser und Leserinnen durch weitere Spenden zu ermöglichen, dass weitere 860 Familien noch dieses Jahr in das Programm einbezogen werden können.

Gesundheitszentrum Masachapa
Gesundheitszentrum Masachapa