"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 50 / Sommer 2003
 
 

Geiz ist geil? Nur wenn man Geld hat!

Geldmangel behindert erfolgreiche Projektarbeit zur Armutsbekämpfung


PRODISA, unser Projekt zur Integrierten Armutsbekämpfung, ist ein großer Erfolg - und soll es auch bleiben!

Die Projektmittel von der Europäischen Union laufen, wie bekannt, zum 30. Juni aus. Aufgrund des Geldmangels können nicht mehr alle Anfragen aus der Bevölkerung zur Aufnahme in eine oder mehrere der Projektkomponenten berücksichtigt werden. Wir möchten selbstverständlich möglichst viele Projektkomponenten weiterführen, stellen jedoch fest, dass wir in Berlin einen Spendenrückgang um fast 50 % zu verzeichnen haben. Damit ist die Nachhaltigkeit unserer Arbeit, zumindest in etlichen Aspekten, akut gefährdet.


Doch zunächst zum Stand der Dinge in San Rafael del Sur:

Fast 3.000 Familien sind in den Bereichen der verbesserten Kleintierhaltung, der Verbesserung des Ackerbaus sowie in individuellen Baumschulen aktiv. Die Hälfte der eingeschriebenen Teilnehmer(innen) sind Frauen, ein "Nebenerfolg", der uns besonders freut.

Die revolvierenden Fonds bei Hofhühnerhaltung und Schafzucht haben sich kontinuierlich weiterentwickelt: Über 1.000 Familien konnten so spürbare Einkommensverbesserungen erzielen. Aber auch die Fonds der traditionellen Anbauprodukte konnten aufgestockt werden: Je über 100 Zentner Mais, Bohnen und Hirse lagern in unseren Silos und können zum nächsten Erntezyklus im September / Oktober an neu hinzukommende Familien ausgegeben werden, die nach der Ernte das Saatgut sowie einen Aufschlag von 10 % in den Fonds zurückgeben, so dass im nächsten Jahr abermals weitere Familien integriert werden können.

Auch der Anbau nichttraditioneller Produkte - u.a. von Heilpflanzen, Ananas und Gurken - und die Anlage von Hausgärten für den Gemüseanbau sowie der Einsatz von Tröpfchenbewässerungen, die von den Unbilden des Wetters unabhängiger machen und ganzjährig Ernten ermöglichen, konnten in diesem Jahr ausgeweitet werden. Alle diese Bereiche müssen auch nach dem Auslaufen der EU-Finanzierung weiterhin durch Techniker(innen) und Promotor(inn)en betreut werden, um Rückschritte zu vermeiden.

Die Ausbildung der beteiligten Menschen in Workshops wurde deshalb regelmäßig fortgesetzt und muss weiter fortgesetzt werden. Bisher haben allein an den über 100 zentralen Workshops mehr als 4.500 Frauen und Männer teilgenommen und sich über neue Anbautechniken, Bewässerungs-, Düngungs- und Schädlingsbekämpfungsmethoden unterrichten lassen. Sowohl dabei als auch bei den Fortbildungsmaßnahmen in der Tierhaltung stand der ökologische Aspekt sehr stark im Mittelpunkt. Auch rechtliche Probleme, Fragen zur besseren Vermarktung sowie die Frauenproblematik wurden in den Veranstaltungen behandelt.

Parallel dazu bildeten sich aber auch die Promotor(inn)en und Techniker(innen) unserer Partnerorganisation CEDRU weiter. Sie nahmen an zahlreichen, zum Teil sechswöchigen Kursen teil, um ihre Kenntnisse als Agrarbasistechniker(innen) oder Promotor-(inn)en für ländliche Entwicklung oder in Menschenrechtsfragen zu verbessern.

Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt lag in diesem Jahr wieder im Bereich der Wiederaufforstung. Neben dem Ausbau der vorhandenen Baumschulen sowie der Anlage einer einen Hektar großen Baumschule auf dem Gelände der Demo-Finca bei El Tamarindo, die durch eine neu installierte, mit Solarstrom betriebene Pumpe ganzjährig bewässert werden kann, wurde insbesondere das Aufziehen von Obstbäumen intensiviert.

Zwei neue Fruchtbaumschulen mit 50.000 Pflanzen wurden angelegt, um im Bereich der Aufforstungsmaßnahmen verstärkt Obstbäume auszubringen, die sowohl die Ernährungslage als auch die Einkommenssituation verbessern. Bis zum 10. Juni diesen Jahres konnten schon 30.000 Bäumchen an Beteiligte vergeben und ausgepflanzt werden. In Zusammenarbeit mit einer anderen Nichtregierungsorganisation aus San Rafael del Sur wurden von CEDRU weitere 10.000 Fruchtbäumchen ausgebracht.

Daran beteiligten sich auch wieder schulische Öko-Brigaden. Die Schüler(innen) bildeten sich in Fragen des Umweltschutzes fort, u.a. in von uns organisierten Seminaren in Naturreservaten. Für die Arbeit in den Schulen wurden 270 Lehrbücher zu Umweltfragen angeschafft. Auch die Fortbildung der Lehrer(innen) in diesem Bereich wurde fortgesetzt. 40 Jugendliche aus Masachapa fuhren in das Naturreservat "El Chocoyero" bei Ticuantepe, weitere 280 reisten als Öko-Brigadist(inn)en dorthin, wobei sie von einer Krankenschwester aus dem Gesundheitszentrum, ihren Lehrer(inne)n und Vertreter(inne)n der Polizei aus San Rafael del Sur begleitet wurden.

Das von uns mitinitiierte und unterstützte Umweltkomitee von San Rafael del Sur engagiert sich aktuell verstärkt für die Luftreinhaltung. Die örtliche Zementfabrik, mittlerweile in ausländischem Besitz, soll gezwungen werden, Luftfilter einzubauen, um eine merkliche Reduzierung der Staubbelastung zu erreichen.

Nachdem im letzten Jahr die Ausbildung von Promotor(inn)en für Menschenrechtsfragen erfolgte, konnte Anfang Februar 2003 das Menschenrechtsbüro in San Rafael del Sur eröffnet werden. Bisher wurden bereits mehr als 250 Beratungen, vor allem zur Problematik der Gewalt gegen Frauen, durchgeführt. Darüber hinaus gelang es, eine Filiale der Behindertenorganisation "Los Pipitos" in San Rafael del Sur zu gründen, der auch die Rollstühle und Gehhilfen aus unserem letzten Container übergeben wurden (s. dazu auch den Artikel "Berliner spenden Rollstühle").

Auch die neue Kampagne zur Alphabetisierung von Erwachsenen ist mit 140 Teilnehmer(inne)n gut angelaufen. Wie schon beim ersten Kurs mussten wir allerdings bei etlichen Frauen und Männern Augenprobleme feststellen: 30 Bäuerinnen und Bauern erhielten entsprechende Brillen, damit sie überhaupt eine Chance hatten, an der Kampagne teilnehmen und Lesen und Schreiben lernen zu können. (Im ersten Kurs mussten wir gar mit 40 Personen zur Beschaffung von Brillen nach Managua fahren.)

Unsere Maßnahmen zur Verbesserung der ländlichen Grundbildung konnten erst einmal fortgesetzt werden. Anfang des Jahres beschloss das Elternkomitee zwei neue Schulbauten in El Salto und in Los Jícaros. Diese Arbeiten werden momentan ausgeführt. In El Salto ist das Fundament bereits fast fertig und auch in Los Jícaros begannen, nachdem die Zuckerfabrik das notwendige Gelände gespendet hatte, die Arbeiten. Damit hätten wir in 30 Monaten 9 neue Klassenräume fertiggestellt und so die Voraussetzung für einen Schulbesuch vieler Kinder überhaupt erst geschaffen. Für die Fertigstellung benötigen wir aber noch dringend Eigenmittel!

Mit dem Bau von 15 traditionellen Schachtbrunnen in 15 Gemeinden sowie der Vertiefung fünf bestehender Brunnen konnten wir wieder mehr als 5.000 Menschen hausnahen Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen. Die von der EU für dieses Programm bereitgestellten Mittel sind aufgebraucht. Es muss daher vorerst eingestellt werden.

CEDRU verstärkt seine eigenen Anstrengungen, Mittel für die Armutsbekämpfung zu beschaffen. Die deutsche Botschaft in Managua finanziert ein Ausbildungsprojekt für Schneiderinnen, an dem besonders Frauen aus dem auslaufenden PRODISA-Projekt teilnehmen, die nur über sehr geringen Landbesitz verfügen.

Der Erfolg des PRODISA-Projekts hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir wollen unsere Hilfe zur Selbsthilfe für die ärmsten Schichten in San Rafael del Sur fortsetzen, womöglich ausbauen und ihre Nachhaltigkeit sichern.

Doch damit gibt es akute Probleme über den erwähnten, drastisch zurückgegangenen Spendenrückgangs: Die ohnehin reduzierten finanziellen Mittel vom Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain erreichten uns erst in der zweiten Juni-Hälfte. Außerdem mussten wir 10 % der PRODISA-Projektkosten vorfinanzieren. Sie werden erst nach der Prüfung des Abschlussberichts, voraussichtlich Ende des Jahres, ausgezahlt werden. Selbst der Karneval der Kulturen, durch unseren so beliebten wie einträglichen Stand immer eine gute Quelle für Eigenmittel, brachte aus den sicher bekannten Gründen in diesem Jahr kaum etwas ein.

Wir bitten daher, und erst recht nun, da uns das Spendensiegel des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) erteilt wurde, dringend um Spenden, um alle geplanten, bitter notwendigen Aktivitäten in San Safael del Sur realisieren zu können.

Vielen Dank!


SPENDENKONTO:

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Postbank Berlin
BLZ 10010010
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