"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 50 / Sommer 2003
 
  Daumen drücken für San Cayetano

Trinkwasserversorgung in schwierigem Gelände

Am 30. Juni 2003 läuft die Finanzierung des dreijährigen PRODISA-Projekts durch die Europäische Union aus. Damit stellt sich die Frage, wie kann, wie soll es mit der Projektarbeit weitergehen. Diese Frage stellt sich insbesondere auch, wenn wir bedenken, dass wir nach Möglichkeit den Kern der CEDRU-Mitarbeiter(innen), die seit vielen Jahren hervorragende Arbeit in San Rafael del Sur leisten, halten wollen (siehe dazu auch den Artikel "Das Ende muss ein neuer Anfang sein").

Selbstverständlich gibt es in einem solchen Fall mehrere Optionen. Wir haben uns, wie auf der Jahresmitgliederversammlung bereits vorgestellt, dafür entschieden, bei der Europäischen Kommission einen Projektantrag einzureichen, der uns - vorausgesetzt, dass er bewilligt wird - später zudem erlauben würde, wieder in das so genannte Block-Grant-Verfahren zu kommen, das beim PROSDISA-Projekt zur Anwendung kam und sehr viel günstigere Bedingungen in der Ausgestaltung anbietet. Erstmals wurde der Projektantrag von einer ganzen Gruppe der Mitglieder des erweiterten Vorstands ausgearbeitet. Für die Endredaktion wurde dann unser Vorsitzender Dieter Radde hinzugezogen, der mit Stolz sagen kann, dass unter seiner Federführung noch kein Antrag abgelehnt wurde. Dennoch heißt es nun: Daumen drücken!

Worum geht es bei diesem neuen Vorhaben? Wie bekannt ist, haben wir seit vielen Jahren bereits zig-Tausende Einwohner unseres Projektgebietes mit Trinkwasser versorgt. Eine Gegend blieb allerdings bisher ausgespart: der Norden des Municipios, von Citalapa über San Cayetano bis hinüber nach San Bartolo. Der Grund dafür lag in den dort äußerst schwierigen Grundwasserverhältnissen. Probebohrungen ergaben, dass es praktisch unmöglich ist, dort auf ergiebige Wasseradern zu stoßen.

Durch das beantragte Projekt, das ab Beginn mit dem 1.1. 2004 eine Laufzeit von 30 Monaten haben soll, könnten 4.600 Menschen in insgesamt sieben Gemeinden direkt mit sauberem Wasser versorgt werden. Darüber hinaus würden rund 13.000 Personen indirekt profitieren (darüber weiter unten mehr). Die Projektkosten belaufen sich auf 635.381 Euro, der vom

Verein aufzubringende Eigenanteil läge bei rund 160.000 Euro. Das ist, eingedenk der Laufzeit des Projekts und abzüglich der Verwaltungspauschale, ein für den Verein leistbares Volumen.

Inhaltlich ist das Projekt mit dem blumigen Titel "Sistema Integral de Agua Potable para la Zona Rural Seca de San Rafael del Sur / Nicaragua" (Integrales Trinkwassersystem für die ländliche Trockenzone von San Rafael del Sur, kurz SIAP) nicht einfach ein Trinkwasserprojekt, wie es der Verein in früheren Jahren realisiert hat. SIAP wird durch flankierende Maßnahmen und Komponenten ergänzt, basierend auf den hervorragenden Erfahrungen und Ergebnissen des PRODISA-Projekts.

Das Wasser selbst wird in diesem Fall, wie bereits weiter oben angedeutet, nicht aus einer Tiefenbohrung gewonnen werden können. Es soll, östlich des Ortes Citalapa, aus dem gleichnamigen Fluss entnommen werden, der, da in Richtung der Quelle nur ein kleiner Weiler liegt, an dieser Stelle sehr sauberes Wasser führt. Über viele Kilometer Fernleitungen wird das Wasser in die Gemeinden San Cayetano, La Trinidad, San Bartolo, Las Torres, Los Solices, Citalapa und Gutiérrez Norte geführt.

Parallel dazu sollen sämtliche Haushalte dieser Gemeinden mit Latrinen versehen werden, um die Hygienesituation zusätzlich zu verbessern. In den Schulen sollen Modellanlagen gebaut werden, durch die die Kinder viel über Wasser, Brauchwasser, sanitäre Installationen, Landwirtschaft und Ressourcenschutz lernen können. Außerdem sollen Baumschulen einge-

richtet und das Wassereinzugsgebiet aufgeforstet werden, wodurch auch die Einkommenslage der Einwohner verbessert werden kann (siehe PRODISA).

Gleichzeitig werden mit der Bevölkerung Workshops und Kampagnen zu den Themen Hygiene, angemessenem Umgang mit Wasser, Ressourcensicherheit und landwirtschaftliche Anbautechniken durchgeführt, um das Bewusstsein für den Wert des Wassers zu steigern. Außerdem werden selbstverständlich Leute auf den Gebieten der Wartung und Reparatur der Trinkwassersysteme geschult.

Das SIAP-Projekt soll in Zusammenarbeit mit CEDRU und AMUS (Empresa Municipal de Acueductos de San Rafael del Sur, dem kommunalen Wasserwerk) realisiert werden. AMUS wird später auch Eigentümer des neuen Trinkwassersystems werden. Durch die in AMUS vertretenen Trinkwasserkomitees soll sichergestellt werden, dass die Preise für die, wie die Nicas sagen, "lebensnotwendige Flüssigkeit" auch in sozialen Härtefällen bezahlbar bleibt - in Zeiten, da eine Privatisierung der Trinkwasserversorgung angestrebt wird eine unerlässliche Voraussetzung für einen Erfolg des Projekts.

Der Projektantrag liegt nun in Brüssel. Wir warten auf den Bescheid und hoffen, im Jahre 2007 sagen zu können: Jetzt haben endlich so gut wie alle Menschen in San Rafael del Sur Zugang zu sauberem Wasser.

Bis der - hoffentlich positive - Bescheid eintrifft, heißt es also: Daumen drücken!