"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 51 / Herbst 2003
 
 

Kurzmeldungen

Zunehmende Zerstörung der Wälder Nicaraguas

In den letzten 12 Jahren hat Nicaragua aufgrund eines mangelhaften Forstmanagements seitens der Regierung und des unaufhaltsamen Vorrückens der Agrarwirtschaft eine Waldfläche von der Größe des Nachbarstaates El Salvador verloren. Nach Aussage des Interamerikanischen Instituts für Landwirtschaft ist Nicaragua noch immer im Besitz der größten natürlichen Waldflächen Zentralamerikas und könnte, bei nachhaltiger Bewirtschaftung, daraus Produktionserlöse erzielen, die der Land- und Viehwirtschaft überträfen. Seit den 90er Jahren fehle jedoch eine klare Politik in der Forstwirtschaft. Die Experten betonten, dass nicht allein der Illegale Holzeinschlag Grund für den Verlust der Wälder sei, sondern der wesentlichere Faktor der Zerstörung durch den unaufhaltsamen Vormarsch landloser Kleinbauern auf Tausende Hektar Wald ausgelöst werde, die bis in die Nationalreservate hinein Brandrodungen durchführen, um Mais und Bohnen zum Unterhalt ihrer Familien anzubauen. Sind die Böden nach einigen Jahren erschöpft, so ziehen sie weiter, während teilweise Viehzüchter auf die freigewordenen Flächen nachrücken und es als Weideland nutzen. Der Ökologe Alvaro Fonseca schätzt, dass so von den in den 80er Jahren bestehenden 16.000 Quadratmeilen Wald heute nur noch etwa die Hälfte übrig ist. Seit 25 Jahren werde über dieses Problem diskutiert, aber der Druck auf die letzten verbliebenen Reserven nehme beständig zu. Wenn die Regierungspolitik nicht unverzüglich verbindliche Voraussetzungen für eine nachhaltige Forstwirtschaft schaffe, so sei das der Ruin für die gleichzeitigen Bemühungen, Nicaragua zu einem Ziel des internationalen Öko-Tourismus zu machen, weil es dann bald keinen grünen Flecken mehr im Lande geben werde.

Erziehungssystem vor dem Kollaps

Der Erziehungsminister Nicaraguas, Silvio de Franco, fordert von seiner Regierung eine deutliche Erhöhung des Bildungshaushaltes für das nächste Jahr. Die geplante Beibehaltung des derzeitigen Budgets reiche nicht aus. Der Unterhalt öffentlicher Einrichtungen werde laufen teurer, während gleichzeitig externe Finanzquellen, speziell im Bereich der Vorschulerziehung versiegten und zunehmend durch eigene Ressourcen ersetzt werden müssten. Der Minister beklagte sich, dass die Regierung von ihm erwarte, dass er sowohl die Qualität der Ausbildung als auch die Schüler(innen)zahlen deutlich erhöhen solle, wobei ihm jedoch nur 72 US-$/Jahr pro Schüler(in) zur Verfügung stünden. Im Vergleich dazu : Honduras investiert 200 US-$/Jahr, El Salvador 300 US-$, Costa Rica 600 US-$ und die USA 2.000 US-$ pro Kind und Jahr. Anlässlich seiner öffentlichen Klage ließ de Franco die Lehrer(innen) Nicaraguas auch gleich wissen, dass die für 2004 ins Auge gefasste Erhöhung ihrer kläglichen Gehälter wieder einmal gestrichen werden müsse.

FSLN/Nationale Convergenz benennt Kandidat(inn)en für die Kommunalwahlen 2004

Das von der Frente Sandinista angeführte Wahlbündnis Nationale Convergenz wird in nahezu allen Gemeinden Nicaraguas eigene Kandidat(inn)en aufstellen. Überall wird nach dem gleichen Prinzip verfahren werden: es werden 2 Kandidat(inn)en für den Bürgermeisterposten und den (die)Vize benannt, eine(r) von der Frente und eine(r) von einer der anderen kleinen Parteien der Convergenz. Nicht immer aber stellt die Frente Sandinista den (die) Kandidaten(in) Nr.1 Das Prinzip der Auswahl ist ganz einfach: in 69 Gemeinden, in denen die Frente noch nie gewonnen hat, wird die Convergenz den (die) Bürgermeisterkandidaten(in) stellen und die Frente sich mit dem Posten des (der) Vizebürgermeister(in)s zufrieden geben. In den 71 Gemeinden, die die Frente schon einmal gewonnen hat, wird sie den (die) Hauptkandidaten(in) stellen, die Convergenz den (die) Vize. Auf diese Weise werden nahezu alle Wahlkreise abgedeckt und den Wähler(inne)n klare Alternativen geboten.