"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 52 / Winter 2003
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LehrerInnen im Hungerstreik
Amerikanische Energiegesellschaft will von nicaraguanischem Öl profitieren




LehrerInnen im Hungerstreik

LehrerInnen in Nicaragua setzten ihre Aktionen fort um die Regierung zu zwingen, ihre Lohnforderungen anzuerkennen. Vor dem Finanzministerium begannen LehrerInnen aus allen Teilen des Landes mit einem Hungerstreik. Es ist geplant, mit weiteren Streiks den Schulbetrieb so lange lahm zu legen, bis die Regierung die Forderungen über 9,5 Millionen US-Dollar im Haushalt von 2004 berücksichtigt.

Beträgt das LehrerInnengehalt in Costa Rica und in Honduras 400 bzw 250 US-Dollar, verdient eine LehrerIn in Nicaragua nur knapp 60 US-Dollar. Viele nehmen einen Zweitjob an, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Einige der Lehrer, die an den Protesten teilnahmen, verdingen sich nebenbei als Friseure, Fotografen, oder verkaufen schlicht Wasser in ihrer Freizeit. Viele weisen darauf hin, dass der Präsident selbst, seine Minister und die Abgeordneten der Nationalversammlung unverhältnismäßig hohe Gehälter beziehen; während ein Grundschullehrer nur 58,93 US-Dollar im Monat zur Verfügung hat, verdient Präsident Bolaños mehr als der Präsident der Vereinigten Staaten und hat darüber hinaus Pensionsansprüche in Höhe des vollen Gehalts, welches er als Alemans Vizepräsident bezog. Manche der Angestellten des Präsidenten verdienen monatlich mehr als 10.000 US-Dollar. Ihre KollegInnen in den anderen mittelamerikanischen Staaten verdienen übrigens entschieden weniger.

Finanzminister Eduardo Montealegre erklärte, dass es 2004 keine Gehaltserhöhungen geben wird, da Investitionen in Nicaraguas Infrastruktur anstünden. Einer der protestierenden Lehrer vor dem Finanzministerium ist hoffnungsvoll: "Vielleicht wird Eduardo Montealegre Mitleid mit uns haben, wenn er uns hier draußen verhungern sieht und endlich aufhören, uns einen angemessenen Lohn zu verweigern."

Jose Antonio Zepeda, Generalsekretär der nationalen Lehrergewerkschaft ANDEN, wirft dem Finanzministerium vor, sich nach bewährter Art nicht an ausgehandelte Übereinkünfte zu halten, da die Regierung bereits 2003 die versprochene Gehaltserhöhung nicht im Budget berücksichtigt habe. Zepeda und andere Mitglieder von ANDEN hoffen auch, mit ihren Aktionen die Ambitionen von Minister Montealegre auf die Präsidentschaft stören zu können.




Amerikanische Energiegesellschaft will von nicaraguanischem Öl profitieren

Das Freihandelsabkommen für Zentralamerika (Central American Free Trade Agreement, CAFTA), das die Bush-Administration dringend bis Ende des Jahres verabschiedet wissen möchte, scheint in weiten Teilen so gestaltet zu sein, dass die Harken Oil Company, in der Bush mit seinen Anteilen die Mehrheit hält, die ausschließlichen Öl-Förderungsrechte in Nicaragua bekommt. Brenda Rocha, die Sprecherin von Centro Humboldt, Nicaraguas wichtigster Umweltschutzorganisation hält fest, dass direkte bilaterale Übereinkünfte zwischen ihrem Land und den USA als integraler Bestandteil von CAFTA ausgehandelt worden waren, und Harken Energy Corporation sei die einzige Firma gewesen, die diese sorgfältig ausgearbeiteten Details erfüllen konnte. Harken Energy ist in Houston angesiedelt, und Bush besitzt bereits die Mehrheit der Aktien in der kolumbianischen Niederlassung. Außerdem ist Harken eng verbunden mit MKJ International Explorations, einer Ölförderungsfirma, die bereits die Konzession besitzt, auf nicaraguanischem Territorium zu fördern.

Die gelungene Verbindung von Harken und MKJ ist alles andere als einmalig. Der Vorgang fand bereits im benachbarten Costa Rica statt, wo MKJ die Konzession erwarb und Harken sie umsetzte. Die Regierung von Costa Rica hat jedoch die Konzession widerrufen und damit auf Studien reagiert, welche die katastrophalen Auswirkungen auf die Umwelt hervorheben. In der Folge hat sie jetzt mit hohen Schadensersatzforderungen zu tun, die von Harken erhoben werden. „Es ist klar, das in Nicaragua nach dem selben Muster vorgegangen werden soll“, hebt Rocha hervor.