"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 52 / Winter 2003
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Bunt, heiß und... weiter !
Jedes Jahr verbringen einige StudentInnen über das ASA-Programm der Carl Duisberg Gesellschaft einige Monate in San Rafael del Sur und recherchieren, forschen oder evaluieren einzelne Komplexe der umfassenden Projektarbeit. Sie verbringen Tage und Nächte vor den Computern im Büro, beschäftigen sich mit Zahlen und Worten, aber sie erleben auch das Leben auf den Straßen und die Realität in den Dörfern. Und schreiben dann manchmal ganz andere Dinge...


Bunt sind die T- Shirts, billig hier produziert, aber zuerst im Norden getragen. Bunt -oder eher gescheckt- ist der "Gallo Pinto", der gescheckte Hahn, das Allerweltsstandardessen aus Reis und Bohnen (leicht angebraten!), das sich als eine der wenigen Ausnahmen wenigstens fast jeder leisten kann.
Bunt sind auch die alten US - Schulbusse, phantasievoll bemalt von den Fahrern oder auch von der Altersschwäche und dem Rost, durch dessen Flecken mensch zuweilen die Straße unter sich lang rauschen sehen kann.
Heiß ist die Sonne im Nordwesten, wo die Menschen, wenn der Winter mit 30 Grad beginnt, ihre langärmligen Sachen auspacken, weil es dann "muy frio" ist und die "cheles" (die Weißen) ungläubig anschauen, wenn diese daraufhin lachen und anfangen ihnen zu erzählen, was für sie "kalt" ist.
Heiß sind auch viele Nica-Männer, erzogen zu teils unerträglichen Machos, die immer auf der "Jagd" sind und nicht locker lassend ganz besonders "meine chelas-companeras", die weißen Frauen, umschwärmen.
Und heiß ist auch der Kopf, nachts, wenn die Leute Fieber haben und nicht wissen, warum. Ist es Dengue, Malaria, "nur" ein schwerer Durchfall oder irgendetwas anderes.
Aber nicht diese Krankheiten sind das eigentliche Problem, sondern die mangelnde medizinische Versorgung, die fehlende Bildung der Leute und ganz besonders auch das Geld, das sie nicht haben, um die notwendigen Medikamente zu kaufen.

Also… bunt und heiß und… wie weiter ??? Vor allen Dingen weiter...... und zwar in die richtige Richtung, diese Armut muss bekämpft werden.
Unabhängig von großartigen wirtschaftlichen Wachstumskonzeptionen, die als oktruierte Strukturanpassungsprogramme an globale Produktionsbedürfnisse daherkommen, dabei die Menschen vergessen, sie als Ding, als billig zu habendes Werkzeug behandeln.
Unabhängig von staatlichen Strukturen, deren beinah einziger Zweck darin zu bestehen scheint, ökonomische und sonstige Vorteile für die zu kanalisieren, die gerade die wichtigen Positionen besetzen oder genug Macht und Einfluss haben, um "politische Landschaftspflege" zu ihren Gunsten zu betreiben .
Ein "Weiter!" also für die, auf die von oben arrogant als "dumme Bauern" herabgeblickt wird, für die, "die keinen Platz zum Sterben haben", weil sie immer noch -politisch gewollt- keine sicheren Landtitel haben bzw. Ihnen diese seit den 90ern als unrechtens, weil durch die Revolution ermöglicht, aberkannt wurden.
Ein "Weiter!" für die "sinverguenzas", (die Schamlosen), denen nichts anderes übrig bleibt, als ihre Armut jederzeit zeigen zu müssen.
Und auch für die, die auf dem Land immer noch das nötigste (halbwegs sauberes Wasser und Strom) entbehren müssen, denen die sich rapide verschlechternden klimatischen Bedingungen die letzten Existenzmöglichkeiten rauben und die dann gezwungen sind, an den Rand der Städte oder größeren Kommunen abzuwandern, um auch dort meist ihre großen Hoffnungen enttäuscht zu finden.

Das "Weiter", das ich meine, hat der Städtepartnerschaftsverein mit seinem nationalem Partner CEDRU schon aufgezeigt. In den langen Jahren der Städtepartnerschaft mit der Projektarbeit in Nicaragua ist sehr vieles erreicht worden. Mir persönlich liegt die Arbeit des Vereins in Nicaragua sehr am Herzen und ich werde auf jeden Fall nach meiner Rückkehr nach Deutschland weiter diese Projekte so gut es geht unterstützen. Die Kluft der Armut werden wir zwar so schnell nicht überwinden können, aber wir haben gute Chancen, sie zu vermindern. Ich meine damit nicht die Kluft zwischen "leben" und "gutem Leben". Ich meine damit die Kluft zwischen "vegetieren" und "überleben" auf der einen und dem menschenwürdigen "Leben" auf der anderen Seite.

In diesem Sinne. ¡Obras - No Palabras! (Taten - keine Worte). Aber nicht so, wie Arnoldo Aleman, der letzte Präsident, seinen Wahlspruch auffasste. Er bereicherte sich um viele Millionen Dollar.

Nein, so wie es zu verstehen ist : Für die Menschen! Für die, die es brauchen!