"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 55 / Herbst 2004
 
 

Internationale Wasserkonferenz im Roten Rathaus, Oktober 2004

Die Beziehungen Berlins zu seinen internationalen Partnerstädten wurden im Oktober weiter gefördert. Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen führte vom 4.-6. Oktober 2004 eine Städtepartnerschaftskonferenz zum Themenfeld Wasser in Kooperation mit der Senatskanzlei, mit InWent (Internationale Weiterbildung und Entwicklung gGmbH), der BGZ (Berliner Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH), dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin, der TU Berlin und mit Unterstützung der Europäischen Kommission in Berlin durch. Titel der Konferenz war: "Urban Waters - Problems and Solutions with regard to sustainability".
Nach Vorgesprächen mit den durchführenden Partnern wurden auf Basis der Berliner Kompetenzen die drei Themenschwerpunkte Wasserqualitätsproblematik (Trinkwasser), Wasserverlustreduzierung und Abwassermanagement (Siedlungs- und Industrieabwasser) ausgewählt.

Zielgruppe der Konferenz waren Fachleute aus privaten oder öffentlichen Wasserbetrieben, aus Universitäten und Verantwortliche für den Wasserbereich in Politik und Verwaltung. Die mehr als 80 internationalen Gäste kamen aus über 30 offiziellen Berliner Partnerstädten und aus Städten, mit denen Berlin eine projektbezogene Zusammenarbeit pflegt. Und obwohl unsere Partnerschaft mit San Rafael del Sur ebenso wie die von Köpenick mit Cajamarca lediglich auf bezirklicher, nicht auf Senatsebene angesiedelt ist, wurden beide Stäpas ausdrücklich ebenfalls zu der Konferenz eingeladen und der Besuch aus den Partnerstädten finanziert.

Aus San Rafael del Sur nahm Milton Espinoza Larios teilf. Milton arbeitet bei Enacal (Empresa Nicaragüense de Acueductos y Alcantarillados y Sanitarios) als verantwortlicher Regionalchef für die Region Managua und somit auch für San Rafael del Sur. Enacal ist ein staatliches Unternehmen, das in Nicaragua für Wasserversorgung und Abwasser verantwortlich ist. Die Konferenz behandelte am ersten Tag zunächst politische und übergreifende Themen, um sich danach in kleineren Workshops stärker gebietsspezifischen Themen und Problemfeldern zuzuwenden. Leider hatten fast alle TeilnehmerInnen ein großes gemeinsames Problem: nicht die Lösungsvorschläge fehlen, sondern die Finanzierungsmöglichkeiten. Dies führte am letzten Abend zu einer sehr kontroversen und interessanten Diskussion über PPP (Public Private Partnership) im Gebiet der Wasserversorgung und -entsorgung. Auch in Nicaragua ist die beabsichtigte Privatisierung des Wassersektors ja ein Thema, dem die organisierte Zivilgesellschaft äußerst kritisch gegenüber steht.

Milton schätzte die Teilnahme an der Konferenz, wie viele andere TeilnehmerInnen, in persönlicher und beruflicher Hinsicht als sehr ergiebig ein. Sie gab ihm u.a. die Möglichkeit, sowohl Probleme und Lösungsvorschläge in Regionen und Städten mit ähnlichem Charakter wie in seinem Verantwortungsgebiet zusammen mit KollegInnen aus aller Welt zu thematisieren und zu diskutieren, als auch an wichtige Wissensnetzwerke anzuknüpfen.

Auf einem Plenum am 30.September konnten wir als Verein die Gelegenheit nutzen, von Milton ein genaueres Bild über die Trinkwasser- und Abwassersituation in der Region Managua und in San Rafael zu erhalten. Es wurde schnell deutlich, dass aufgrund begrenzter Ressourcen auch in diesem Sektor von staatlicher Seite keine wesentlichen Verbesserungen zu erwarten sind. Nicht einmal in der Hauptstadt Managua gelingt es, die schnell wachsenden neuen Stadtrandviertel mit ausreichendem Zugang zu sauberem Trinkwasser zu versorgen, und viele Haushalte verfügen, ähnlich wie in der Region San Rafael del Sur, nicht einmal über eine eigene Latrine. Daher macht es Sinn, dass wir im Rahmen eines für den Zeitraum 2006 bis 2008 geplanten EU-Projekts auch die Versorgung von hunderten von ländlichen Haushalten mit Latrinen finanzieren werden. Nachdem die Versorgung der Bevölkerung San Rafaels mit Trinkwasser aufgrund unserer Projektarbeit weit über dem Landesdurchschnitt liegt, geht es nun darum, auch eine sanitäre Mindestausstattung zu fördern, solange an den Bau kommunaler Abwassersysteme mittelfristig nicht zu denken ist.

Marion Eckardt