"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 55 / Herbst 2004
 
 

Aktuelle Projektarbeit 2004

Nachdem Ende 2003 bei der EU beantragte Fördermittel nicht bewilligt wurden, war der Verein gezwungen, in der ersten Jahreshälfte 2004 die laufende Projektarbeit in San Rafael allein mit Eigenmitteln zu finanzieren. Das reduzierte Team der MitarbeiterInnen bemühte sich jedoch, die Arbeit unter diesen einschränkenden Bedingungen fortzuführen, und in Berlin wurden hastig Anträge auf Förderung durch BMZ, LEZ und Stiftungen geschrieben. Gleichzeitig bemühte sich CEDRU als selbständige nationale NGO um eigene internationale Fördermittel. Mit großer Erleichterung können wir berichten, dass alle diese Anstrengungen Erfolg hatten, so dass aktuell gleich vier unterschiedlich große Projekte von CEDRU und Verein in der Region zugunsten der Bevölkerung durchgeführt werden.

Das Projekt "Integrierte ländliche Entwicklung" wurde auf Grundlage der Evaluation der Ergebnisse des PRODISA-Projekts entwickelt. Es greift besonders erfolgreiche Komponenten der Einkommensförderung auf und richtet sich an weitere Teile der ländlichen Bevölkerung, die im Rahmen des PRODISA-Projekts nicht berücksichtigt werden konnten. Begünstigt werde 300 Familien, die ihre landwirtschaftliche Produktion durch nichttraditionelle Produkte diversifizieren. 90 dieser Familien erhalten gleichzeitig die Möglichkeit einer ganzjährigen Bewässerung. Weitere 50 Familien werden mittels eines revolvierenden Fonds eine Schafzucht aufbauen können. Indirekt werden also etwa 2.100 Personen von diesem Projekt begünstigt. Da wir davon ausgehen dürfen, dass die landwirtschaftliche Produktion allmählich immer stärkere Überschüsse aufweist, die über den Eigenverzehr hinausgehen, werden im Rahmen des Projekts weitere Strukturen zur Direktvermarktung aufgebaut. Für jede einzelne Maßnahme werden zahlreiche zentrale und dezentrale Workshops durchgeführt.
Das Projekt hat am 1. 9.2004 begonnen und endet am 31.12.2005. Es hat ein Finanzvolumen von 102. 000,- Euro und wird zu 75 % vom Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) gefördert. Der von uns aufzubringende Eigenanteil in Höhe von knapp 24.000 Euro stellt in Anbetracht weiterer Projektvorhaben die größte finanzielle Herausforderung für die Jahre 2004 und 2005 dar.

Das Projekt "Umwelt- und Menschenrechtsarbeit in und an Landschulen" wird vor allem gemeinsam mit Jugendlichen und LehrerInnen verwirklicht. Sie werden für die Themenbereiche Umwelt und Menschenrechte sensibilisiert und werden anschließend als MultiplikatorInnen ihren erweiterten Kenntnisstand in den Bereichen Ressourcenschutz, Anbautechniken und Menschenrechtsfragen an ihre Familien weitergeben. An 10 Schulen im ländlichen Raum werden modellhaft Baumschulen, Gärten mit Tröpfchenbewässerung und Ökolehrpfade errichtet, um eine nachhaltige Bewusstseinsänderung in Gang zu setzen. Die Organisation interessierter SchülerInnen in Öko-Brigaden wird unterstützt. Die inhaltlichen Themen des Projekts werden darüber hinaus in geeigneter Weise auch in 5 Alphabetisierungskursen für Erwachsene vermittelt.
Das von der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ) geförderte Projekt hat ein Finanzvolumen von knapp 25.000 Euro bei einem Eigenanteil des Vereins in Höhe von 5.000 Euro. Es hat am 1.6.2004 begonnen und endet am 31.12.2004.

Ein weiteres Projekt "Alphabetisierung von Erwachsenen in San Rafael del Sur" beinhaltet die zweijährige Alphabetisierung von Erwachsenen in insgesamt 6 Kursen, die zum Abschluss der 4ten Grundschulklasse führen. Die Projektkosten in Höhe von 5.000 Euro werden in vollem Umfang von der Hans-Böckler-Stiftung getragen. Es hat am 1.8.2004 begonnen und endet am 31.7.2006.

Das Projekt "Tecolapa" wird in alleiniger Verantwortung von CEDRU durchgeführt. Es beinhaltet Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und zur nachhaltigen Entwicklung im Wassereinzugsgebiet des Río Tecolapa. Es werden private und kommunale Baumschulen zur Aufforstung eingerichtet, agrarforstwirtschaftliche Maßnahmen gefördert, die Zucht von Schafen und Iguanas (Echsen) ermöglicht. Wie in allen ähnlichen Projekten werden Workshops für alle Beteiligten angeboten, die Zusammenarbeit mit Ökobrigaden an Schulen gefördert und MultiplikatorInnen ausgebildet. Die Projektkosten betragen fast 100.000 US-$. Das Projekt wird gefördert durch das nicaraguanische Umweltministerium, dem dafür skandinavische Fördermittel zur Verfügung stehen. Die von CEDRU aufzubringenden Eigenmittel können durch Valorisierung der Arbeit der Begünstigten gedeckt werden. Das Projekt hat eine Laufzeit von einem Jahr und endet Mitte 2005.

Diese umfassende Projektarbeit bedeutet nicht nur für unsere MitarbeiterInnen vor Ort viel Arbeit und Engagement. Um alle Projekte erfolgreich finanzieren, durchführen und abschließen zu können, ist der Verein weiterhin auf die umfassende Unterstützung durch alle diejenigen angewiesen, die die Kontinuität unserer Arbeit als Beispiel gleichberechtigter Entwicklungszusammenarbeit fördern möchten.

Ulf Knecht