"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 57 / Herbst 2005
 
 

Gerechtigkeit jetzt - Die Welthandelskampagne (nur Online)

Während der international angelegten Aktionswoche vom 8. - 16. April 2005 hatte die Welthandelskampagne unter dem Motto "Gerechtigkeit ist keine Ansichtssache" in zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen für einen gerechteren Welthandel geworben. Weltweit haben sich bei Tausenden von Veranstaltungen über 10 Millionen Menschen in 80 Ländern an der Global Week of Action beteiligt. In Deutschland fanden in dieser Woche über 70 Veranstaltungen in mehr als 50 Städten statt, die mit einer Auftaktkonferenz und einer Demonstration in der Bonner Innenstadt am 8./9. April begann. Während der Woche wurden vielfältige Aktivitäten organisiert, von einer Fachtagung in Köln über eine konsumkritische Stadtführung in München, einem Menschenrechtsparcours in Göttingen bis hin zu einem Lobbyspaziergang in Berlin. Letzterer wurde u.a. vom Berliner entwicklungspolitischen Ratschlag e.V. organisiert. Berliner VertreterInnen von Terre des Homme, Attac, Inkota und dem Städtepartnerschaftsverein versuchten hierbei, drei der vier Forderungen der Welthandelskampagne an VertreterInnen wirtschaftlicher Lobbygruppen zu übergeben. Bei der REW AG, dem weltweit drittgrößten Wasserversorger, fanden sich zum Thema Wasserprivatisierung keine Ansprechpartner. Beim deutschen Bauernverband (Thema: Weltweite Ernährungssicherung) und beim Bund der Deutschen Industrie (BDI) (Thema: Umweltschutz vor Welthandelsinteressen) wurden Armin Bassing als Sprecher des Lobbyspaziergangs sowie PressevertreterInnen zwar zu einem Gespräch ins Gebäude gelassen, die Annahme der mitgeführten überdimensionalen Postkarten mit den Forderungen der Aktionswoche wurde jedoch beide Male verweigert. Handzettel zur Aktionswoche, die auf der Straße und vor den Sitzen der drei Welthandelsakteure verteilt wurden, fanden jedoch regen Anklang beim Laufpublikum. Außerdem berichteten Neues Deutschland, Taz und Deutsche Welle von der Aktion, so dass der Lobbyspaziergang zumindest für die Öffentlichkeitswirkung ein Erfolg war.

Ihren Abschluss fand die Aktionswoche am Samstag dem 16.04. mit dem "Festival für globale Gerechtigkeit" auf dem Berliner Schlossplatz, den ca. 5.000 Menschen besuchten. Hier fand ein von der BUND-Jugend organisiertes unfaires Fußballspiel statt, dass die ungerechten Regeln des Welthandels symbolisch darstellte und beim Publikum begeistert aufgenommen wurde. Zahlreiche Organisationen beteiligten sich mit kleineren Aktionen, Info- und Verkaufsständen. An einem Stand gruben BesucherInnen ihre Hände in unverarbeitete Baumwolle aus Westafrika, die sich dort wegen der subventionierten US-Exporte nicht mehr absetzen lässt, an einem anderen nahmen sie fair gehandelte Bananen und Kaffee mit Informationen über die jeweiligen Bedingungen der Produktion zu sich. Auf einer Bühne fanden Diskussionen mit internationalen Gästen statt, und anschließend sorgten zwei Bands für gute Unterhaltung bei sonnigem Wetter.

Knapp 40.000 Ansichtskarten aus der gesamten Republik mit vier Forderungen zur Demokratisierung der Welthandelspolitik, der weltweiten Ernährungssicherung sowie gegen Freihandel auf Kosten der Umwelt und die Privatisierung des Wassers wurden vor und während der Aktionswoche gesammelt und am 22.04.2005 im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit an einen Mitarbeiter von Minister Clement übergeben.

Die Aktionen sollen mit dieser Woche jedoch nicht beendet sein, sondern die öffentliche Diskussion bis zur nächsten WTO-Konferenz vom 13. - 18. Dezember in Hongkong begleiten. Von dieser Konferenz werden wichtige Weichenstellungen für die künftige Welthandelspolitik erwartet.

Quellen: www.gerechtigkeit-jetzt.de, www.inkota.de, www.ber-landesnetzwerk.de

Kerstin Wippel