"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 57 / Herbst 2005
 
 

Kreuzberger Zahnarzt hilft San Rafael del Sur

Der Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Kreuzberg - San Rafael del Sur kann seine fortlaufenden Projekte nur realisieren, weil er sich auf einen festen Stamm von SpenderInnen verlassen kann, die ihm über die Jahre die Treue gehalten haben. Dabei ist erfreulich, dass sich dieser Kreis beständig erweitert. Nur so ist gewährleistet, dass wir bei allen Projekten den erforderlichen Eigenanteil aufbringen, der eine Voraussetzung für jegliche Förderung durch EU, BMZ, LEZ und andere Institutionen ist. So erzielt der Verein durchschnittlich ein eigenes jährliches Spendenaufkommen von ca. 50.000 €, eine Summe, die durch Zuschüsse der erwähnten Förderinstitutionen um ein mehrfaches erhöht werden kann. Dieses Spendenaufkommen setzt sich aus kleinen und größeren, aus einmaligen und regelmäßigen Spenden zusammen. Wir sind dankbar für jeden einzelnen Euro, der zum Erfolg der Projektarbeit in San Rafael del Sur beiträgt. Manche SpenderInnen lassen sich etwas Besonderes einfallen, um im Freundes- oder Bekanntenkreis Geld zu sammeln. Schon mehrfach ist der Verein z.B. dadurch unterstützt wurden, dass auf Geschenke zum Geburtstag oder zur Hochzeit verzichtet und stattdessen um eine Spende an den Verein gebeten wurde. Andere haben einen festen Kreis von UnterstützerInnen für ganz bestimmte Bereiche wie etwa den Bildungssektor initiiert. An dieser Stelle wollen wir jedoch von einem besonderen Engagement berichten, dass wir verständlicherweise dringend zur Nachahmung empfehlen.

Dr. Scharf ist Zahnarzt in einer Kreuzberger Gemeinschaftspraxis. Auch er sammelt in seinem beruflichen Umfeld für die Unterstützung der Projektarbeit. Doch er bittet nicht um Geld, er bittet um.... Gold. Nämlich um das seiner PatientInnen, das diesen im Rahmen der Restrukturierung ihrer Zähne entfernt wird, um durch neue Brücken und ähnliches ersetzt zu werden. Dieses Gold ist natürlich Eigentum der PatientInnen, doch Dr. Scharf wirbt in seiner Praxis mit Plakaten und Worten für die Arbeit der Stäpa zugunsten der Bevölkerung in San Rafael und ist dabei so erfolgreich, dass er über mehrere Jahre hinweg eine erhebliche Menge an Gold ansammeln kann. Und wenn er das Gefühl hat, dass mal wieder eine beachtlicher Wert beisammen ist und die Goldkurse an der Börse gerade stimmen, spendet er dieses Gold dem Verein, so zuletzt geschehen im Juni diesen Jahres. Dieses Gold schicken wir an eine sog. Scheideanstalt, die uns den Eingang bestätigt: "1 Glas Altgold, Kronen, Brücken und Verblendung, Scheidgut 2.750,00 Gramm". Sie wissen gerade nicht, wie viel 2.750 Gramm Gold aktuell wert sind? Es handelt sich um 15.274,54 € (in Worten: fünfzehntausendzweihundertvierundsiebzig), die inzwischen auf unserem Konto eingegangen sind und die wir im Rahmen des laufenden Projekts zur Armutsbekämpfung und Einkommensförderung einsetzen werden. Eine Spende in dieser Größenordnung ist natürlich einmalig, aber verständlicherweise kommt man unweigerlich ins Träumen: Was, wenn sich weitere ZahnärztInnen finden ließen, die bereit wären, dieses Beispiel unkonventioneller Projektfinanzierung in ihrer Praxis zu übernehmen?

Wir bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei Dr. Scharf, seinen PartnerInnen und nicht zuletzt den PatientInnen für diese außerordentliche Spende, übrigens die zweite im Laufe von fünf Jahren. Wir scheuen uns deshalb in diesem Falle nicht, Ihnen die Praxis Dr. Scharf und Partner zu empfehlen, wenn es oben rechts mal wieder schmerzt oder Zeit für eine neue Krone wird.

Erich Köpp