"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 60 / Sommer 2006
 
 

Karneval der Kulturen 2006

Wie in den vergangenen sechs Jahren, nahmen wir auch diese Pfingsten (2. - 5. Juni) am Kreuzberger Karneval der Kulturen teil, der mittlerweile Nachahmer in vielen anderen deutschen, sogar europäischen Städten gefunden hat.

Für unseren traditionellen Stand am Blücherplatz konnten wir dieses Jahr, gemeinsam mit der Berliner Bohne Kampagne, dem neuen fairgehandelten Stadtkaffee (www.berlinerbohne.de), den mobilen KaffeeFairStand cauca (www.cauca-cafe.de) der gepa nutzen und uns die - trotz Umzugsteilnehmerrabatt von 40% - immer noch sehr teure Standgebühr teilen. Diese Kooperation war jedoch nicht nur aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Der entwicklungspolitische und nicht zuletzt auch persönliche Austausch führte fast symbolisch zu einem gemeinsamen Angebot von Kaffee oder heißer Schokolade mit einem Schuss Nica-Rum, das vor allem auch tagsüber gut ankam. Eine erneute Zusammenarbeit im nächsten Jahr ist bereits angedacht, ein gemeinsames Engagement im Berliner Entwicklungspolitischen Ratschlag (BER) sowieso gegeben.

Abends stieg dann das Caipi und Nica-Libre Geschäft deutlich an. Aufgrund des recht kühlen und zum Teil auch regnerischen Wetters lief der Verkauf zwar deutlich schleppender als in den vergangenen Jahren, insgesamt erwirtschafteten wir jedoch wieder einen Gewinn von ca. 1.500 €, den wir in unser neues EU-Projekt zur Ernährungssicherung und Gesundheitsvorsorge (P.I.S.A) investieren werden. An dieser Stelle sei all denen gedankt, die die Standarbeit z.T. seit mehreren Jahren leisten und an den vier Pfingsttagen teilweise sogar mehrmals die 3 – 4 Stundenschichten absolvierten. Ohne das Engagement dieser vielen ehrenamtlichen HelferInnen wäre der Verkaufstand für uns gar nicht durchführbar.

Nachdem am Samstag Traktor und Hänger, die uns wie jedes Jahr vom Gartenbauamt Kreuzberg samt Fahrer zur Verfügung gestellt wurden, gemäß der Sicherheitsauflagen verkleidet und geschmückt sowie mit einem Generator und einer Musikanlage versehen waren, rollte der Wagen am Sonntag gegen halb zehn in die Urbanstraße zur Aufstellung auf Platz 54. Ziemlich genau in die Mitte des Zuges, der um 12.30 Uhr startete. Mittlerweile waren die meisten Sicherheitsleute und Tänzerinnen der Gruppe Palo de Mayo (Maibaum) eingetroffen. Letztere schminkten sich gegenseitig und stiegen in die attraktiven, jedoch nicht sehr warmen Kostüme. Um der Kälte zu trotzen, tanzten sich die vielen Tänzerinnen, begleitet von weiteren lateinamerikanischen Gästen aus Bremen und anderswo, so richtig warm, bis schließlich Stunden vergangen waren, unser Wagen jedoch noch immer an der gleichen Stelle stand. Lange nach drei Uhr rollten wir schließlich los, alle etwas durchgefroren und nicht mehr ganz so fröhlich. Aber sobald wir auf den Hermannplatz fuhren, war die Euphorie wieder da. Die Tänzerinnen ließen die Hüften so heiß kreisen, dass man von Glück sagen konnte, dass wenigstens das Wetter kühl war, sonst wäre das Zuschauen gefährlich worden, wie der DJ kommentierte. Das Publikum war begeistert, nahm unsere gut 3.000 Flyer interessiert entgegen und tanzte wie gewohnt hinter dem Wagen fröhlich mit, bis nach nur drei Stunden das Ziel dann schon erreicht war.

Der Umzug, aber auch schon die Proben der Tanzgruppe wurden von einem jungen Filmteam begleitet, das im Rahmen eines Studienprojekts einen Abschlussfilm dreht und darin die Arbeit Tatianas – der Leiterin der Tanzgruppe – der kulturellen Arbeit einer in Nicaragua lebenden Frau gegenüberstellt. Aus dem Filmmaterial dieses Tages wird außerdem eine gesonderte Zusammenstellung der Karnevalsbilder geschnitten und dem Verein sowie den Tänzerinnen übergeben werden.

Nachdem im letzten Jahr nach dem Umzug alle Beteiligten ohne viel Aufhebens auseinander gelaufen waren, gab es dieses Jahr auf Initiative der Tänzerinnen ein gemeinsames Picknick im Hof des Rathauses Kreuzberg, wo unser Wagen traditionell auf- und auch wieder abgebaut wird. Viele hatten etwas zu Essen oder zu Trinken mitgebracht. Aus ein paar Getränkekisten und einer Verkleidungswand des Wagens entstand ein Tisch, worauf die Speisen zur Selbstbedienung platziert wurden. Der Hunger und das Gedränge waren zwar groß, und der Tisch schnell leer, doch alle bekamen etwas ab und plauderten über die Erlebnisse. Schließlich ging es gemeinsam hinüber zu unserem Stand am Blücherplatz, wo es noch ein Freigetränk für die Akteure und weitere interessante Gespräche gab.

Als am Montag Abend dann alles vorbei, der Stand wieder abgebaut, alles im Büro verstaut, die Leihwagen wieder abgegeben und auch die geliehene Tiefkühltruhe um halb zehn wieder abgeholt worden war, konnten alle Beteiligten erschöpft, aber doch mit dem guten Gefühl ins Bett gehen, auch dieses Jahr etwas besonderes geleistet zu haben. Der Städtepartnerschaftsverein ist wieder ein Stück bekannter geworden. Die Zusammenarbeit und der Austausch mit der in Berlin lebenden und sich für den Karneval engagierenden Nica-Community war erfolgreich und hat viel Freude bereitet. Vor allem aus Sicht der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch wegen des persönlichen Vergnügens und nicht zuletzt sogar aus finanzieller Sicht hat es sich wieder einmal gelohnt, sich so reinzuknien. Herzlichen Dank allen, die dabei waren!

Wir bedanken uns herzlich bei unseren Sponsoren:

Dr. Engler, Honorarkonsul München www.nicaraguaportal.de
Anagramm, Buchladen für Kinder und Erwachsene www.anagramm-buch.de
Andrés Jiron, Analytisches Zentrum Berlin-Adlershof www.azba.de

Kerstin Wippel