"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 60 / Sommer 2006
 
 

Auf nach P.I.S.A.
Der Vorstand mit Franz Thoma im Schlaubetal

Natürlich lässt sich der Vorstand die Gelegenheit nicht entgehen, sich mit unserem Koordinator Franz Thoma zu treffen, wenn er hier im Lande weilt (was bekanntermaßen ja nicht so häufig vorkommt). Wir haben versucht, dass Praktische mit dem Angenehmen zu verbinden und gingen für ein Wochenende in Klausur ins schöne Schlaubetal, um die Aufgaben- und Arbeitsteilung für das seit 1. März laufende EU-Projekt namens P.I.S.A. zu besprechen und zu koordinieren.

Zur Erinnerung: Das P.I.S.A. Projekt zielt im Kern auf die "Erhöhung des ernährungsrelevanten Kenntnisstandes" der Bevölkerung. In Aufklärungskampagnen werden gesundheits- und ernährungsrelevante Themen aufgegriffen und vermittelt. Die Zielgruppen sind die in extremer Armut lebenden Familien von Kleinbauern, die ländlichen Haushalte ohne landwirtschaftliche Nutzfläche (mit allein erziehenden Frauen, die überproportional häufig den Haushaltsvorstand stellen) und die besondere Risikogruppe der Schwangeren und der stillenden Mütter mit Kleinkindern unter fünf Jahren.

Franz Thoma machte darauf aufmerksam, dass die EU davon ausging, dass schon vor eigentlichem Beginn des Projektes Vorarbeiten zu leisten waren. Dazu gehörte in erster Linie die Erstellung eines konkreten Projektplanes, die Einholung diverser Kostenvoranschläge samt der Auswahl der zu beschaffenden Gerätschaften und vor allem die Gespräche mit den am Projekt beteiligten Kooperationspartnern. Die fanden nicht nur mit den Verantwortlichen aus den Gesundheitszentren statt, sondern auch mit den Vertretern des Gesundheitsministeriums in Managua.

Ein wichtiges Resultat dieser Gespräche ist der Aufbau einer Datenbank, die erstmalig einen genauen Stand über die Gesundheits- und Ernährungssituation in einer Region in Nicaragua ermöglichen soll. Das hat Pilotcharakter und wäre für die weiteren Arbeiten in unserer Partnerregion von nicht zu unterschätzenden Wichtigkeit, weil wir damit in die Lage versetzt werden, mit "harten Daten" argumentieren zu können. Geplant ist ein Standarderfassungsformular für ausgewählte Basisdaten zum Gesundheitszustand und zur Ernährungssituation. Andere Projekte in Nicaragua sollen diese übernehmen. Damit würde die Vergleichbarkeit relevanter Basisdaten hergestellt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Bereich Öffentlichkeitsarbeit, speziell in Nicaragua. Hier gibt es noch zu viele Defizite, auch in Hinblick auf Fördermöglichkeiten, die wir auf überregionaler Ebene akquirieren können. Wir wollen versuchen, die Projekte besser in der Öffentlichkeit zu platzieren und z.B. den einen oder anderen Bericht in der Zeitung unterzubringen.

Im jetzigen Antrag ist auch vorgesehen, dass die CEDRU Mitarbeiter fortgebildet werden. Wir wollen eine Stärkung der Kompetenz vor Ort und das Erledigen wichtiger Projektarbeiten in San Rafael. Neben der Aufbereitung der wichtigsten Finanzdaten gehört dazu auch das Berichtswesen, was ja in nicht allzu ferner Zukunft in Form von Zwischenberichten wieder auf uns zukommt. Natürlich ging es in den Gesprächen mit Franz auch um das Tagesgeschäft vor Ort, um das Team, die Zusammensetzung, den ständigen Stromausfall (der eine wirkliche Arbeitsbehinderung darstellt) und um Perspektiven der Vernetzung mit anderen in der Region tätigen Gruppen.

Der Eindruck bleibt, dass das P.I.S.A. Projekt vernünftig gestartet ist, dass insbesondere CEDRU und Franz ihre "Hausarbeiten" gemacht haben und wir zusammen durchaus optimistisch das Projekt angehen und begleiten können.

Und es geht an so einem Wochenende auch um das Atmosphärische, um ein Gruppengefühl, dass wir dieses für uns doch große Projekt auch zusammen meistern. Dafür sind solche Treffen durch nichts zu ersetzen und von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Auch wenn es das dritte von vier Wochenenden (nach Karneval der Kulturen und Copa San Raf) war, an denen wieder alle gefordert wurden. Eine Belohnung war dann sicherlich das Baden bei herrlichstem Wetter und angenehmsten Temperaturen im nahen See und zusammen ein paar Spiele der Fußball-WM anzuschauen, ist für den Gruppenzusammenhalt doch auch nicht schlecht.

Wolfgang Dalitz