"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 61 / Winter 2006
 
 

Eine neue Grundschule für die Gemeinde Barba de Tigre

Die kleine Schule in dem Ort El Bongo ist fertig gestellt. Nun werden noch in diesem Jahr, gefördert durch die Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit, drei neue Aulen in der abgelegenen Gemeinde "Barba de Tigre" gebaut. Das alte Grundschulgebäude ist mittlerweile so zerstört, dass es nicht mehr zum Schulbesuch genutzt werden kann.

Sinkende Schülerzahlen in der Gemeinde

Gegenwärtig müssen die Grund- und Vorschüler ihren Unterricht vor dem Gebäude abhalten, da das derzeitige Gebäude mit einer Größe von 12 x 8 Metern schon seit langem nicht mehr die notwendige Kapazität aufweist. Den Schülern der Klassen drei bis sechs kann schon seit geraumer Zeit kein Unterricht mehr in ihrer Gemeinde angeboten werden - sie müssen sich jeden Tag zu Fuß in ihre weit entfernte Nachbargemeinde begeben. Viele Familien schicken ihre Kinder nicht auf diesen beschwerlichen Weg, mit der Folge, dass viele Kinder ihre Schulausbildung mit der dritten Klasse in dieser abgelegenen Region beenden. Durch diese Situation ist es daher auch nicht verwunderlich, dass mit Beginn des neuen Schuljahres im Februar nur noch 76 am Schulunterricht teilnehmende SchülerInnen gezählt wurden. Der Neubau von drei Aulen ist daher ein dringend notwendiger Schritt, damit der Schulbetrieb nicht letzten Endes ganz eingestellt werden muss. Zusätzlich zum Schulgebäude wird auch bisher fehlendes Mobiliar, wie Stühle, Lehrerpulte, Regale sowie Spiel-, Sport- und Bastelmaterial für die Kinder angeschafft.

Schlechte Bildung auf dem Lande

Der dringende Wunsch eines Neubaus wurde gegenüber dem Verein von Seiten der regionalen Behörde des Erziehungsministeriums, dem MECD in San Rafael del Sur geäußert. Durch die sich eher verschlechternde Bildungssituation in Nicaragua (waren es im Jahr 1993 noch 4,7% des Bruttoinlandsproduktes, die für den Bildungssektor bestimmt waren, so sank diese Zahl 2002 auf 3,1%) fehlen vor allem den regionalen Verantwortlichen gerade in den vernachlässigten ländlichen Gebieten wie "Barba de Tigre" die finanziellen Mittel, um hier dieser verheerenden Situation der frühen SchulabgängerInnen entgegenzuwirken.

Der Verein hat in seinem mittlerweile über 20-jährigem Bestehen insgesamt 29 Schulen in der Partnergemeinde durch neue Gebäude komplett ersetzt oder erweitert und ungezählte Reparaturen durchgeführt.

Nach Angaben der Bildungsinternationale (BI), einem weltweiten Zusammenschluss der LehrerInnen- und Bildungsgewerkschaften, haben 37 % der Bevölkerung Nicaraguas keinen Abschluss der Primarschule, 71,5 % keinen Abschluss der Sekundarstufe. Dies erklärt auch die in den letzten Jahren wieder alarmierend ansteigende Analphabetenquote.

Isabel Aust