"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 62 / Sommer 2007
 
 

K8 – Karneval der Kulturen

Alle Jahre wieder ist – Karneval der Kulturen. Und jedes Mal dabei und mittendrin natürlich die StäPa und ihre nicaraguanischen FreundInnen. Dieses Jahr bereits zum achten Mal, und wie gewohnt mit dem Traktor und der nicaraguanischen Tanzgruppe, die jetzt Cocibolca heißt, aber immer noch zum Vergnügen der ZuschauerInnen den Palo de Mayo auf die Kreuzberger Straßen bringt. Geregnet hat es natürlich auch wieder, aber das kennen wir nun schon und lassen uns davon den Spaß nicht verderben. Denn Spaß, na klar, den hat es wieder gemacht. Jedenfalls spätestens die wenigen Stunden während des Umzugs, die dann für all die Anstrengungen entschädigen, die trotz aller Routine aufzuwenden sind, damit der Traktor rollt, die TänzerInnen ihre Füße ruinieren und der Caipi auf dem Fest am Blücherplatz vier Tage lang fließen kann. Wie gesagt, schon viel Routine, aber es gibt ja doch noch immer kleine Überraschungen und neue Herausforderungen. Was tun, wenn der Traktor sich einen Abend zuvor entscheidet, die Pfingsttage lieber ungestört in der Reparaturwerkstatt zu verbringen? Und die technisch notwendige Verkleidung der großen Räder, schon fix und fertig, allein auf diesen speziellen Typ zugeschnitten ist? Gar nicht so schwer, kein Grund zur Aufregung. Schnell einen anderen Traktor gefunden - denn persönlich und unter Einsatz unserer Muskelkraft wollten wir den schweren Hänger denn doch nicht ziehen – und eine kleine Sonderschicht am Samstag eingelegt. Wahrscheinlich hat niemand überhaupt die Veränderung bemerkt. An dem neuen Traktor lag es jedenfalls nicht, dass wir beim Aufstellen in der Urbanstraße nicht mehr auf den uns zugewiesenen Abschnitt passten. Das lag an den beiden Riesentrucks, zwischen die man uns dieses Jahr geklemmt hatte! Nadja, Ellen, Steffi, wir haben doch nur diesen kleinen Traktor, keinen Truck! Aber dann sind alle ein wenig zusammengerückt, und schließlich war hinter unserem Wagen und der Tanzgruppe sogar noch Platz für einige Berliner Großpuppen auf ihrem Weg nach Rostock, darunter natürlich auch der WTO-Hai der StäPa.

Und was hatten sich die Ordnungshüter vom Gesundheitsamt am Caipi-Stand auf dem Blücherplatz dieses Jahr für uns ausgedacht? Wir waren gespannt, welche Aufgabe sie uns nach wisch- und trittfestem Boden oder Doppelspüle mit Heißwasseranschluss diesmal in letzter Minute stellen würden. Schließlich war es der Wasserschlauch all der vergangenen Jahre, der nun nicht mehr der Norm entsprach. "Nee, Freunde, wenn ihr das nicht noch ändert, dann ... ." Same procedure as last year and last year and last year also, aber auch das war nach einer Stunde geregelt...

Eine schöne Routine auch schon die Zusammenarbeit mit der "Berliner Bohne", dem fair gehandelten Hauptstadtkaffee. An welchem Stand bekommt man zu seinem vorzüglichen Kaffee auf Wunsch schon einen Schuss Flor de Caña?

Die eigentliche Herausforderung bestand dann allerdings in der Teilnahme am offiziellen Wettbewerb der Gruppen. Dafür hatte sich die Tanzgruppe in diesem Jahr eine neue Choreografie erarbeitet und der Jury präsentiert. Und hat sich großartig geschlagen und ist zwar nicht als Siegerin vom Platz gegangen, aber wie soll man das auch erreichen gegen eine der besten europäischen No-Samba-Gruppen, die immer gewinnt? Bei einer spontanen Show vor dem Stand wurde die Gruppe um Tania und Alfonso vom Publikum jedenfalls zu recht frenetisch gefeiert. Was ein Dieb nutzte, um in aller Ruhe Normas Rucksack zu klauen und sich gemächlich zu entfernen. Aber diese TänzerInnen werden gefilmt, wo immer sie in Aktion treten, das muss auch ein Dieb berücksichtigen, wenn er erfolgreich arbeiten will. Die massenhaft verbreiteten Fahndungsfotos haben ihn dann offensichtlich veranlasst, den Rucksack doch lieber unversehrt in der nahe gelegenen Kirche abzugeben. Naja.

Nicaragua und die StäPa auf dem Karneval der Kulturen, das wäre nicht möglich ohne die vielen, vielen Menschen, die zu dem guten Gelingen beitragen: Die TänzerInnen, Rolf, unser Fahrer, die spontanen Freiwilligen, die als OrdnerInnen die Gruppe vor allzu großer Begeisterung des Publikums schützen und ihnen einen Weg durch die Massen bahnen, die TrägerInnen der Großpuppen, das fleißige Standpersonal, das auch bei Sturm und Hagel unverdrossen Caipi anbietet... . Ihnen allen sei herzlich gedankt! Ohne euch geht nichts. Bis nächstes Jahr also!

Erich Köpp

Wir bedanken uns bei Dr. Engler-Hamm, Honorarkonsul der Republik Nicaragua, für seine finanzielle Unterstützung. www.nicaraguaportal.de