"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 62 / Sommer 2007
Wal Mart
Erhöung des Mindestlohns
Neuer Strommangel in Nicaragua
 
 

Wal-Mart will Nicaragua zum größten Lieferanten in Zentralamerika machen

Fernando Paiz, Präsident des Vorstands der Direktoren von Wal-Mart in Zentralamerika, gab am 1. Juni bekannt, dass die größte Einzelhandelskette, Wal-Mart, Inc., plant, dass die gesamten Exporte aus Zentralamerika in diesem Jahr (2007) etwa 300 Millionen US-Dollar betragen; davon sollen 130 Millionen US-Dollar aus Nicaragua kommen, vor allem von Textilien. Weitere 65 Millionen US-Dollar entstammen den Exporten aus Honduras, und die restlichen Waren im Wert von 105 Millionen US-Dollar kommen aus den übrigen Ländern des Isthmus.

Ignacio Pérez, Präsident und CEO von Mal-Mart in Zentralamerika, bestätigte, dass Nicaragua für Wal-Mart der Hauptexporteur in Zentralamerika ist. "Die Situation in der Region wird immer günstiger, vor allem aufgrund des Zustandekommens der Freihandelsvereinbarungen mit den Vereinigten Staaten (DR-CAFTA)," sagte Pérez Lizar. Tatsächlich hat Nicaragua aufgrund von DR-CAFTA seit April 2006 die Möglichkeit, unter Vorzugsbedingungen in die USA zu exportieren, d.h. mit niedrigen Zöllen oder zollfrei. Pérez Lizar betonte, dass sie vorhaben, ihren Handel in Nicaragua trotz des Regierungswechsels weiter auszudehnen und dass das von führenden Leuten von Wal-Mart bei einem Treffen mit Daniel Ortega bestätigt worden sei.

Fernando Paiz gab keine Auskunft über die Erlöse Nicaraguas aus den Exporten an Wal-Mart während des vergangenen Jahres (2006), aber er sagte, die Höhe der Exporte stiege in "eindrucksvollem Maße" weiter an.

Wal-Mart ist derzeit mit 6 779 Geschäften und 1,9 Millionen Angestellten in über 13 Ländern auf drei Kontinenten tätig, einschließlich Kanada, den Vereinigten Staaten, Mexiko, den fünf zentralamerikanischen Ländern, Argentinien, Brasilien, dem Vereinigten Königreich, China und Japan. Wal-Mart plant, seine Tätigkeit auf Korea und Indien auszudehnen. Die Verkaufserlöse der Gesellschaft liegen derzeit bei über 300 Milliarden US-Dollar jährlich.

Erhöhung des Mindestlohns um 18% gebilligt

Nach neunzig Verhandlungstagen unterschrieb die Sandinistische Gewerkschaft und die Regierung eine Vereinbarung, durch die der Mindestlohn ab dem 1. Juni um 18% auf 90 US-$ pro Monat erhöht wird. Laut den Gewerkschaftsquellen betrug der durchschnittliche Mindestlohn in Nicaragua vor der Vereinbarung 77 US-$ monatlich. Die Vereinbarung bedeutet die höchste Mindestlohn - Erhöhung in den letzten drei Jahrzehnten.

Die Verhandlungen hatten im März begonnen, als der private Sektor eine Erhöhung um 10,4% vorschlug und Sandinistischen Gewerkschaften eine 25%ige Erhöhung forderten. Am 16. Mai kündigte die Sekretärin für Arbeit, Jeannette Chávez, das Ende der Verhandlungen an, mit denen der Mindestlohn in neun verschiedenen Sektoren der nationalen Wirtschaft modifiziert werden soll. Laut Chávez verbessert die Vereinbarung die Situation von etwa 110.000 ArbeiterInnen im Land, von denen nur 6.000 im öffentlichen Sektor beschäftigt sind. Am 1. Mai hatte Präsident Daniel Ortega den Finanzminister Alejandro Guevara dazu aufgefordert, den Verhandlungsvorschlag des öffentlichen Sektors zu erhöhen, um sich den Forderungen der Gewerkschaften anzupassen.

Die Vertreter des Verbandes der privaten Unternehmen (COSEP) verließen die Sitzung Minuten vor der Unterschrift und behauptete, dass das Ergebnis um acht Prozent über dem vorherigen Vorschlag von 10,4% liegen würde und somit nicht mit den am Anfang der Verhandlungen vorgebrachten Rahmen übereinstimmten würde. "Wir akzeptieren dieses Ergebnis nicht und erwarten eine Erhöhung der Arbeitslosigkeit", sagte der COSEP-Sprecher und Präsident der Handelskammer José Adán Aguerri. "Sie nahmen einfach Präsident Ortegas Forderung an, ohne die Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität des Landes in Betracht zu ziehen", fügte er hinzu. Er sagte, dass nach seiner Ansicht die wirtschaftliche Konjunktur schwieriger werden würde und als Ergebnis werde es im Land zu einem weiteren Wachstum des informellen Sektors kommen.

Der Finanzminister Iván Acosta schätzte, dass der erhöhte Mindestlohn für staatliche Institutionen zusätzliche Ausgaben von 233.000 US-$ mit sich bringen werde. Er behauptete, dass dieses Geld von den "Megagehältern" und Budgets jedes Ministeriums genommen werden könne. Zu der Vereinbarung gehört auch erstmals eine 18%ige Erhöhung der Mindestzahlung an die Rentenempfänger. Die nächsten Verhandlungen werden im November stattfinden. (El Nuevo Diario - 16. Mai, La Prensa - 16., 17. und 18. Mai, La Primerísima - 16. Mai)

Neuer Strommangel in Nicaragua

Nicaragua hat weiterhin Schwierigkeiten im Hinblick auf Elektrizität und den Energiesektor. Mario Amado, Präsident des Nationalen Zucker-Verbands, kündigte an, dass mit dem Ende der Zuckerrohr-Ernte, mit der für 19. Mai gerechnet wird, die Zucker-Raffinerien von San Antonio und Monterrosa nur noch 15 Megawatt Strom statt der während der Ernte erbrachten 60 Megawatt produzieren werden. Dadurch entstünde von Neuem ein Strommangel im Land.

Hinzu kommt, dass Ernest Martínez Tifer, Präsident der Nicaraguanischen Stromgesellschaft, bekannt gab, dass eine der Strom-Turbinen der Planta Nicaragua am 10. Mai wegen Überhitzung und anschließender Reparaturarbeiten stillgelegt worden sei, was in einigen Regionen fünf Tage lang zu zwei- bis dreistündigen Stromausfällen geführt habe.
Tifer erklärte, Nicaragua werde die Stromanlagen, die Venezuela zur Verfügung stellt, in voller Stärke laufen lassen müssen. Außerdem werde das Land Elektrizität auf dem zentralamerikanischen Markt kaufen müssen. Nur so könnten die Auswirkungen des Strommangels minimiert werden. Er erklärte, Nicaragua habe ein fragiles Energie-System und, wenn Notfälle eintreten, keine Reserven. Aber er fügte hinzu, dass Costa Rica und Guatemala unter ähnlichen Problemen leiden. (La Prensa, 10.5.; El Nuevo Diario, 10., 11.5.)