"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 63 / Herbst 2007
 
 

"Weltwärts" mit der StäPa?

Der neue Freiwilligendienst des BMZ

Dieser 2007 neu konzipierte Freiwilligendienst richtet sich gezielt an entwicklungspolitisch interessierte junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, die Interesse an einer freiwilligen Arbeit in Entwicklungsländern haben. Der Freiwilligendienst wird im nächsten Jahr mit voraussichtlich 27 Mio. Euro gefördert und verfolgt ausdrücklich das Ziel, auch einkommensschwächeren jungen Menschen die Möglichkeit eines internationalen Engagements zu bieten. Die bisher von privaten Trägern aus Eigenmitteln angebotenen Freiwilligendienste sind häufig mit hohen Kosten für die Freiwilligen verbunden. Aus gesellschaftspolitischer Sicht ist es jedoch zu begrüßen, dass sich junge Menschen in Entwicklungsländern engagieren und internationale Erfahrungen und Qualifikationen sammeln, die für ihre berufliche Orientierung und Zukunftsfähigkeit hilfreich sind. Auch soll Gendergerechtigkeit einen besonderen Stellenwert im neuen Angebot einnehmen. So sind Frauen bislang von den Förderungsmöglichkeiten nach dem Zivildienstgesetz ausgeschlossen. Der neue Freiwilligendienst wird daher den Einsatz von jungen Frauen in besonderem Maße fördern.

Der Freiwilligendienst steht unter dem Motto des "Lernens durch tatkräftiges Helfen" mit einer doppelten Zielsetzung: Einen entwicklungspolitischen Mehrwert für die Partnerprojekte im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe zu erzielen als auch einen deutlichen Impuls für die entwicklungspolitische Inlandsarbeit zu setzen. Damit leistet er einen effizienten Beitrag zur entwicklungspolitischen Informations- und Bildungsarbeit im Sinne des "Globalen Lernens" und zur Nachwuchsförderung im entwicklungspolitischen Berufsfeld. Er trägt zur Völkerverständigung und zur Bewusstseinsbildung und Akzeptanz von entwicklungspolitischen Zukunftsfragen in unserer Gesellschaft bei. Neben den Sprachkenntnissen und den entwicklungspolitischen Fachthemen werden die Freiwilligen wichtige Kompetenzen der interkulturellen Kommunikation, der sozio-kulturellen Kooperation und sozialen Verantwortung erwerben, die in einer zunehmend globalisierten Bildungs- und Arbeitswelt von großem Wert sind. Zudem stärkt der Freiwilligendienst die zivilgesellschaftlichen Strukturen in den Entwicklungsländern wie auch in Deutschland.

Die Einsatzdauer der Freiwilligen kann flexibel von grundsätzlich 6 bis zu 24 Monaten gestaltet werden. Die Freiwilligen arbeiten in entwicklungswichtigen Projekten in den Entwicklungsländern volldienstlich mit. Der Einsatz ist zugleich Bildungszeit und aktive Mitarbeit mit hoher Verbindlichkeit.

Der neue Freiwilligendienst richtet sich über den Kreis der bestehenden Hilfs- und Entsendeorganisationen hinaus ausdrücklich an kleinere, basisnahe Organisationen mit ausreichendem Erfahrungshintergrund in der entwicklungspolitischen Auslandsarbeit. Dies ist im Falle des Vereins zur Förderung der Städtepartnerschaft Kreuzberg-San Rafael del Sur e.V. aufgrund seiner 20jährigen Projektarbeit zur Armutsbekämpfung in der Partnergemeinde gegeben. Daher wir aktuell im Vorstand in Kooperation mit dem Team in San Rafael del Sur diskutiert, ob sich die StäPa beim BMZ um die Anerkennung als Entsendeorganisation von jungen Freiwilligen bewerben sollte. Sicherlich gibt es grundsätzlich gute Einsatzmöglichkeiten im Rahmen unserer Projekte. Aber es sind auch Einsätze in Kooperation mit regionalen Partnerorganisationen wie Gesundheitszentren, Pipitos oder Büro für Menschenrechte denkbar. Das BMZ benennt eine Reihe von denkbaren Arbeitsfeldern, die alle unter den Oberbegriff der Armutsbekämpfung gestellt werden: Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Umweltschutz, Wasser, Menschenrechte, aber auch Jugendförderung und Sport.

Von den Entsendeorganisationen wird allerdings auch ein anspruchsvolles Profil erwartet:
Übernahme der Gesamtverantwortung für das Entsenden der Freiwilligen, fachliche, personelle und organisatorische Kompetenzen für die Umsetzung des Konzepts, Auswahl und Unterstützung der Einsatzplätze vor Ort, intensive Vorbereitung der BewerberInnen, Gewährleistung eines umfassenden fachlich-pädagogischen Begleitprogramms unbis hin zur Nachbereitung und Unterstützung der RückkehrerInnen bei der Integration in die Arbeitswelt. In der entwicklungspolitischen Szene wird deshalb bereits darüber diskutiert, wie Teile dieser Aufgaben gemeinsam bewältigt werden können, etwa die Durchführung von vorbereitenden Seminaren zu Themen wie Landeskunde, Einführung in die Lebens- und Arbeitsrealität des Gastlandes, entwicklungspolitische Fragestellungen und Anforderungen, Projektmanagement, Spracherwerb und interkulturelle Kommunikation und Zusammenarbeit. Katholische als auch evangelische Träger haben bereits eigene Konsortien gegründet, die diese Funktion für ihre Organisationen erfüllen sollen.

Auch an die Partnerorganisationen vor Ort werden klare Ansprüche gestellt. Im Focus des Freiwilligendienstes steht die partnerschaftliche Perspektive. Der einheimische Projektträger muss einen ausdrücklichen Bedarf an dem vorübergehenden Einsatz von Freiwilligen mit klar umrissenen Zielen und Zeitplänen haben und eine angemessene Einarbeitung, Beschäftigung und Betreuung der Freiwilligen gewährleisten.

Zweifelsohne würde die Teilnahme am Freiwilligendienst "Weltwärts" für den Verein als auch für CEDRU also einen erheblichen Mehraufwand bedeuten. Dem trüge das BMZ im Falle der Entsendung mit einer finanziellen Förderung des Vereins als verantwortliche Organisation Rechnung. Die Entsendeorganisationen erhalten eine generelle Zuwendung von 580 Euro pro Kopf und Monat. Davon stehen bis zu 350 Euro für Taschengeld, Unterkunft, Verpflegung Versicherung, Reisekosten der Freiwilligen sowie für die Unterstützung der Partnerprojekte vor Ort zur Verfügung, bis zu 230 Euro für die fachlich-pädagogische Begleitung und für die Unterstützung der Partnerprojekte vor Ort. Das BMZ geht davon aus, das dies etwa 75 % der Gesamtausgaben eines Freiwilligeneinsatzes sind, 25% sollen an Eigenmitteln aufgebracht werden. Allerdings können so genannte geldwerte Leistungen wie Unterbringung und Verpflegung, wenn sie vom Projektpartner gestellt werden, valorisiert werden. Dennoch, die geringe Höhe dieser Förderung wird denn auch aktuell gerade von den kleineren entwicklungspolitischen Organisationen, die ja ausdrücklich aufgerufen sind, sich zu beteiligen, kritisiert. Organisationsinterne Verwaltungs- und Infrastrukturkosten werden bislang nicht entgolten, wenn sie nicht in ausschließlichem Zusammenhang mit der Entsendung stehen.

Anfang 2008 sollen die ersten Freiwilligen mit "Weltwärts" ihre Arbeit aufnehmen. Das Projekt befindet sich also noch in einer Phase, in der noch keine konkreten Erfahrungen mit seiner Akzeptanz und Umsetzung gemacht wurden. Es ist vorläufig auf einen Einführungszeitraum von drei Jahren konzipiert, so dass wir uns nicht überstürzt entscheiden müssen. Wir werden daher die weitere Entwicklung interessiert verfolgen und die interne Diskussion über eine Beteiligung fortsetzen.
(Quelle: Homepage BMZ)

Erich Köpp