"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 64 / Winter 2007
 
 

Migration: Der Weg ins große Glück?
Die Stäpa beim Entwicklungspolitischen Bildungsprogramm der Import Shop Messe

Unter dem Motto "Meine, deine, unsere Welt - Kulturen in Bewegung" fand vom 7. bis zum 11. November das jährliche Entwicklungspolitische Bildungsprogramm im Rahmen der Import Shop Messe statt. Wie bereits in den vergangenen Jahren hatte der Organisator KATE (Kontaktstelle für Umwelt und Entwicklung e.V.) insgesamt 27 entwicklungs- und umweltpolitische Vereine sowie verschiedene Musik- und Tanzgruppen zu einer bunten, interkulturellen Veranstaltung zusammengetrommelt. Gemeinsam präsentierten sie ein kreatives, unterhaltsames und gleichzeitig lehrreiches Programm für SchülerInnen und interessierte MessebesucherInnen. Natürlich durfte da auch die Stäpa nicht fehlen, die in diesem Jahr bereits zum 3. Mal dabei war.

Passend zum Motto der Veranstaltung entwickelten wir im Vorfeld ein überdimensionales Brettspiel mit dem Titel: "Migration: Der Weg ins große Glück?". Unser Ziel war es, den Kindern auf spielerische Weise den beschwerlichen und gefährlichen Weg eines Migranten oder einer Migrantin aus Nicaragua in die USA nahe zu bringen.

Wie in der Realität entscheidet auch bei diesem Würfelspiel hauptsächlich das Glück darüber, wie die Reise für die TeilnehmerInnen verläuft. Die Kinder, die sich im Spiel in die Rolle der MigrantInnen versetzen müssen, erfahren durch verschiedene Ereigniskarten beispielsweise, wie es ist, auf der langen Reise ausgeraubt, von einem Schlepper übers Ohr gehauen oder von der Polizei über die Grenze abgeschoben zu werden. Zudem erwartet sie im Ziel eine "Schicksalskarte" die ihnen deutlich macht, unter welch schlechten Bedingungen man als illegaler Einwanderer in einem fremden Land leben muss und damit die Frage aufwirft, ob im "Land der Träume" tatsächlich ein besseres Leben auf sie wartet.

Das Spiel wurde mit großer Begeisterung von den Kindern aufgenommen, die sich mit viel Phantasie in die Rolle der MigrantInnen hineinversetzten und lebhaft an deren Schicksal teilnahmen. Neben dem Spaß am Spielen kam auch die Aufklärungsarbeit zum Thema nicht zu kurz: Vor dem Spiel wurde mit den Kindern darüber gesprochen, warum Menschen migrieren und was es überhaupt bedeutet, illegal in ein anderes Land einzureisen. Auch wurden bestimmte Begriffe, wie "Migration", "Menschenschlepper" oder "Illegalität" geklärt. Die im Spiel gemachten Erfahrungen boten dazu im Anschluss dann den Ausgangspunkt für ein Gespräch, bei dem der Bezug zur Realität hergestellt und bei den Kindern ein Bewusstsein für die Thematik geschaffen wurde. Interessant dabei war, dass es unter den SchülerInnen viele gab, die selbst aus Migrantenfamilien stammten. Die meisten hatten sich jedoch zuvor nicht viele Gedanken darüber gemacht, und so konnte unser Spiel ihnen auch einen kleinen Denkanstoß hinsichtlich ihrer eigenen Biographie geben.

Zur Nachbereitung in der Schule oder auch nur für persönliches Interesse hatten wir eigens zu dem von uns vorgestellten Thema eine Informationsmappe erstellt, die den Kindern mitgegeben wurde. Diese enthält unter anderem die Spielanleitung, so dass unser "Monopoly der Migration" auch Zuhause nachgespielt werden kann. Außerdem findet man darin weitere, kindgerechte Informationen zum Thema Migration und auch ein Comic, das den schweren Weg eines Migranten oder einer Migrantin aus Mittelamerika in die USA nachzeichnet.

Für die älteren SchülerInnen zeigten wir alternativ zu dem Spiel einen halbstündigen Film, der zum Nachdenken und Diskutieren anregen sollte. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschnitt des Films "Angriff auf den Traum" von Uli Stelzner von 2006, der auch bereits beim November-Plenum der Stäpa gezeigt wurde. Darin zeigt der Dokumentarfilmer die, teilweise sehr grausamen, Schicksale von LateinamerikanerInnen, die sich auf den Weg in die USA machen, in der Hoffnung, dort den "amerikanischen Traum" leben zu können, d.h. Arbeit zu finden und sich und ihre in der Heimat zurückgebliebenen Familien damit finanziell abzusichern. Hier kommen Menschen zu Wort, die tagelang ohne Schlaf und Essen auskommen mussten, unterwegs ausgeraubt wurden, in Abschiebehaft der Migrationspolizei gelandet sind oder beim Versuch, auf einem Güterzug mitzufahren, Arme oder Beine verloren haben.

Der für uns sehr eindrucksvolle Film fand jedoch bei den Jugendlichen nicht immer den von uns erwarteten Anklang, und wie in den vergangenen Jahren auch hatten wir mitunter mit großem Desinteresse und mangelnder Motivation seitens der älteren SchülerInnen zu kämpfen. Auch für die Jugendlichen hatten wir, begleitend zum Film, eine Infomappe zum Thema erstellt, so dass immerhin die Hoffnung bleibt, dass der/die eine oder andere sich im Nachhinein doch noch etwas mit dem Thema befasst hat. Es gab aber auch einige wirklich interessierte Jugendliche, und vereinzelt blieben auch normale MessebesucherInnen stehen, um sich über das Thema und den Verein zu informieren.

Insgesamt waren es anstrengende, aber schöne Tage, in denen wir hoffentlich ein paar Menschen für das Thema der Migration zwischen Lateinamerika und den USA interessieren konnten. Für uns als Verein war es auf jeden Fall eine schöne Gelegenheit, Präsenz und Engagement zu zeigen und sich mit den anderen teilnehmenden entwicklungs- und umweltpolitischen Organisationen auszutauschen.

Mareike Kühnel