"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 65 / Sommer 2008
 
 

Kurzmeldungen

Hohe Inflation in 2008

Nach einem Bericht der Banco Central de Nicaragua (BCN) erreichte in den ersten vier Monaten des Jahres 2008 die Inflationsrate in Nicaragua 6,47 %. Damit liegt das Land an der Spitze in Mittelamerika, gefolgt von Guatemala, das 4,32 % erreicht. Außer Petroleumprodukten verteuerten sich am meisten Grundnahrungsmittel wie Getreide, Speiseöl, Milchprodukte und Eier. Gleichzeitig lag das Wirtschaftswachstum bei nur etwa 2 %. Auf einem von der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Movimiento Renovador Sandinista (MRS) veranstalteten Forum äußerte der Wirtschaftsexperte Néstor Avendaño die Befürchtung, die Inflation könne Ende 2008 bei insgesamt 27,1 % liegen. Im Jahr 2007 erreichte die Inflationsrate in Nicaragua 16,88 %. Die Regierung hat bisher einige Gegenmaßnahmen ergriffen wie die Aufhebung von Importzöllen für einige Produkte wie Frijoles, Weizenmehl, Gerste und andere Getreidearten.

Erdölfunde in San Bartolo

Die US-amerikanische Ölkompanie Norwood hat bei Probebohrungen zwischen San Rafael del Sur und San Cayetano in der Nähe von San Bartolo Petroleumvorkommen entdeckt. Das gab das Unternehmen auf seiner Website bekannt, ein Umstand, den Experten als Hinweis dafür einstufen, dass die Möglichkeit einer kommerziellen Ausbeutung hoch sei, zumal der derzeit hohe und vermutlich noch steigende Ölpreis auch größere Investitionen lohnend erscheinen lasse. Weitere Probebohrungen und Untersuchungen der Proben in texanischen Labors sollen im Juli 2008 darüber Gewissheit bringen.

Maquilas verlassen Nicaragua

Nachdem im Jahr 2007 durch die neue Regierung der Mindestlohn in Nicaragua um 33 % heraufgesetzt wurde, verlassen aus Furcht vor möglichen weiteren Anhebungen immer mehr Maquila-Betreiber, vor allem der Textilbranche, das Land oder suchen von vornherein Standorte in anderen Billiglohn-Staaten der Welt. Zur Zeit arbeiten rund 85.000 Menschen in den Freihandelszonen Nicaraguas. Zum Jahresende wird auch das sieben Firmen vertretende Konsortium Nien Shing seine Produktion in Nicaragua einstellen. Dadurch werden 14.000 Menschen arbeitslos. Präsident Daniel Ortega hält dennoch seine konfrontative Haltung aufrecht: Er bezeichnet die Investitionen dieser Firmen als "flüchtiges Kapital" (capital golondrina). Zwischen 2001 und 2006 hatte der Textilsektor jährlich im Durchschnitt rund 8.000 direkte Arbeitsplätze geschaffen, im Jahr 2007 waren es es nur noch etwas mehr als 1.000.

Müttersterblichkeit gesunken

Die Müttersterblichkeit in Nicaragua ist in den ersten fünf Monaten des Jahres 2008 um 58 % gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr gesunken. Waren es 2007 zu diesem Zeitpunkt noch 50 Frauen, so sind es in diesem Jahr bisher "nur" 21. Leana Vega, Direktorin für die Betreuung der Gesundheitsdienstleistungen im Gesundheitsministerium, führt diesen Erfolg auf das "Neue Modell für Gesundheit der Familie und der Gemeinde" zurück. Durch einen verstärkten Kontakt mit Hebammen nehmen rund 93 % der Schwangeren vorgeburtliche Untersuchungen wahr, 58 % sogar alle vier vorgesehenen Untersuchungen. 73 % der Gebärenden bringen ihr Kind in einer Gesundheitseinrichtung zur Welt. Die Geburtenrate ist auf 2,7 % zurückgegangen.

Frauen trauen sich

Rund 70.000 Frauen suchten 2007 Rat und Hilfe in den landesweit 32 Kommissariaten für Frauen, Kinder und Heranwachsende. Das ist ein Zuwachs gegenüber 2006 von 36 %, während die Anzeige allgemeiner Kriminalität zwischen 14 und 16 % gestiegen ist. Die Frauen beklagten körperliche, psychische und sexuelle Misshandlungen. "Diese Zunahme zeigt, dass die Frauen ihr Schweigen brechen", erklärte die zuständige Polizeichefin Aminta Granera.

Auslands-Nicas finanzieren ihre Familien

Im Jahr 2007 haben im Ausland lebende NicaraguanerInnen ihren Familien laut einem Bericht der Zentralbank 739,6 Millionen US-Dollar überwiesen. Das ist die höchste Summe aller Zeiten. Die Bank erwartet, dass es 2008 über 800 Millionen sein werden. Rund 600 Millionen davon werden aus den USA und fast der gesamte Rest aus Costa Rica kommen, wo beinahe eine Million Nicas lebt. Insgesamt leben rund 20 % der 5,4 Millionen NicaraguanerInnen im Ausland.

Quellen: La Prensa; El Pueblo Presidente; nicanet