"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 66 / Winter 2008
 
 

Eine Schule für Quizalá
Endlich ein festes Haus für 34 Kinder

Nördlich von Masachapa und dem Hotel Barceló liegt an der Pazifikküste der kleine Ort Quizalá, in dem rund 70 Familien vor allem davon leben, die zahlreichen Wochenendhäuser reicher Leute zu bewachen oder zu putzen, die in den letzten Jahren in dieser „zona turística“ entstanden sind.

Im Jahr 2006 beantragte eine Gruppe von Eltern beim Bildungsministerium (damals noch MEDC) die Einrichtung einer Lehrerstelle für die damals 25 Kinder in schulpflichtigem Alter. Das Bürgermeisteramt stellte das notwendige Gelände zur Verfügung, und die Eltern bauten eine Palmhütte als Schule. Tatsächlich wurde auch ein Lehrer geschickt, und zum Ende des Schuljahrs 2006 lieferte das Bildungsministerium (inzwischen MINED) ein großes Zelt, in dem fortan der Unterricht abgehalten wurde, während die Palmhütte der Vorschule dient. Ab 2007 wurden die Kinder schon (multigrado, also alle Klassen parallel in dem einzigen Raum) bis zur 6. Klasse unterrichtet, und im laufenden Jahr gibt es in Quizalá 34 SchülerInnen und 12 Vorschulkinder.

Das Schulzelt erwies sich allerdings als sehr unpraktisch: Bei Sonnenschein heizt es sich unerträglich auf, und inzwischen ist das Material derart brüchig geworden, dass in der Regenzeit das Wasser kaum gehemmt in die „Schule“ eindringt. Diesen unhaltbaren Zustand konnte auch die Bezirksamtsdelegation am eigenen Leib erfahren, als sie im August 2008 u.a. Quizalá besuchte.

Also wurde das Schulkomitee von Quizalá wieder beim MINED vorstellig und beantragte den Bau eines festen Gebäudes, was aus Mangel an finanziellen Ressourcen abgelehnt wurde. So erreichte uns die Anfrage, ob wir die Finanzierung des Baus übernehmen könnten.

Franz und CEDRU, hier vor allem Auxiliadora, befürworteten sofort dieses Projekt, und wir beantragten im Sommer 2008 einen entsprechenden Zuschuss bei der Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit (LEZ), der jetzt im Herbst bewilligt wurde. 6.500 Euro wird die LEZ zu den Gesamtkosten von 8.970 Euro geben, worüber wir uns selbstverständlich sehr freuen. Damit wird ein festes Gebäude errichtet, und außerdem bekommen die Kinder neue Stühle und der Lehrer eine Handbibliothek, wie sie bereits in vielen Schulen existiert, die wir im Laufe der Jahre ausgestattet haben.

Allerdings gibt es einen Wermutstropfen in der Freude: Als wir unseren Antrag bei der LEZ stellten, stand der Kurs bei 1,57 US-Dollar für 1 Euro. Inzwischen ist er auf 1,25 Dollar gesunken, so dass sich der Bau um knapp 2.000 Euro verteuern kann, wenn der Kurs nicht bald wieder ansteigt.

Der Baubeginn sollte noch im Oktober erfolgen. Aber fast den gesamten Oktober hindurch regnete es heftig und andauernd, und wo gebaut werden sollte, breitete sich eine einzige Schlammwüste aus. Sobald sie abtrocknet, wird der Boden verdichtet werden müssen, damit das Gebäude einen soliden Untergrund bekommt. Auch das kann die Kosten noch einmal in die Höhe treiben. Da der LEZ-Beitrag zur Realisierung des Baus feststeht und nicht verändert werden kann, werden wir diese zusätzlichen Kosten als Verein tragen müssen, damit die Kinder von Quizalá endlich adäquate Bedingungen für ihre Schulbildung erhalten.

Wir hoffen daher auf Spenden für dieses kleine, aber wichtige Projekt. Vielen Dank!

Tilo Ballien