"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 66 / Winter 2008
 
 

Leben und Arbeit in San Rafael del Sur
Mit „Weltwärts“ als Sportlehrer in Nicargua

„Weltwärts“ ist ein Freiwilligenprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, mit dem junge Menschen für ein Taschengeld von 100 € im Monat bis zu zwei Jahre lang im Ausland arbeiten und fremde Kulturen erleben können. Gemeinsam mit den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten haben wir Bernd Steinhage nach San Rafael del Sur geschickt (siehe auch Atabal # 65). Hier ein erster Bericht von ihm, der seit Anfang September 2008 für ein Jahr als Sportlehrerassistent arbeiten wird.

Bevor die große Reise losging, habe ich mir noch Fragen gestellt wie: Bist du sprachlich in der Lage, mit Menschen einer anderen Kultur so zu kommunizieren, dass sie dich auch verstehen? Was wird eigentlich von dir erwartet, und wie selbstständig wirst du dort arbeiten können?

Aber mittlerweile haben sich die meisten Fragen geklärt, es läuft noch nicht perfekt, aber die Grundlage steht, und ich habe viel Spaß bei der Arbeit. Seit Anfang September bin ich nun in meiner neuen Heimat San Rafael del Sur und arbeite als Sportlehrer an verschiedenen Schulen. Mein Start hier als Freiwilliger war allerdings ziemlich schleppend, da es Anfang September einige nationale Feiertage gab, die alle restlichen Aktivitäten etwas in den Schatten gestellt haben.

Anpfiff

Danach ging aber plötzlich alles ganz schnell, dank einer Sportsitzung in der hiesigen Alcaldía, der Stadtverwaltung sozusagen, an der alle Sportlehrer von San Rafael del Sur und Umgebung teilgenommen haben. Dieses Treffen war mehr als hilfsreich für meine zukünftige Arbeit, denn ich kam sofort mit vielen Sportlehrern in Kontakt.

Alle waren sehr hilfsbereit, und so kam es, dass ich zunächst einmal an einer Schule hier in San Rafael eine Fußballmannschaft übernehmen sollte, um sie auf ein Turnier in Managua vorzubereiten. Die Jungs sind zwischen 12 und 18 Jahren alt. Seit Mitte September arbeite ich also fleißig mit dieser Mannschaft. An dieser Stelle vielen Dank an die StäPa für die Fußbälle, die sie mir mitgegeben hat: Die Schule hat nämlich nicht einen einzigen!

Da es aber an dieser Schule bereits zwei Sportlehrer gibt, dachte ich mir, es wäre vielleicht sinnvoller, auch an anderen Schulen zu arbeiten, wo es keine oder nur einen Sportlehrer gibt. Nach mehreren internen Gesprächen mit Rafael Silva, dem Chef von CEDRU, bin ich dann mit Auxiliadora, der Bildungs- und Gender-Frau von CEDRU, an verschiedene andere Schulen gefahren, um mich vorzustellen und nachzufragen, ob sie sich eine Zusammenarbeit mit mir vorstellen können.

Wie zu erwarten, waren alle Rückmeldungen sehr positiv, und nun bin ich auch an zwei weiteren Schulen tätig. Sie liegen in unmittelbarer Nähe von San Rafael del Sur und heißen Escuela Rodolfo Schaer und Escuela Montelimar.

Es macht mir Riesenspaß, mit den Kindern zu arbeiten, vor allem an jenen Schulen, an denen es keine Sportlehrer gibt. Die Freude, die bei den Kindern aufkommt, wenn sie die Bälle sehen oder wenn es mit dem Sportunterricht los geht, ist enorm. Die Ausstattung an den Schulen lässt zu wünschen übrig, und wenn ich die Bälle von der StäPa nicht hätte, würde mir nicht viel mehr übrig bleiben, als die Kids einfach rennen zu lassen. Das jedoch würde weder den Kindern noch mir viel Spaß machen. So improvisiere ich eben ein wenig, und anstatt Hütchen als Markierung zu benutzen, benuzten wir Bäume, Kokusnüsse oder andere Gegenstände. Ich habe an keiner Schule, an der ich bis jetzt war, viel Sportmaterial gesehen, nur am Instituto hier in San Rafael gab es Hütchen, aber das war dann auch schon alles.

Ich will mich bemühen, alle Übungen und wichtigen Unterrichtsinhalte zu notieren und eine Art von Hefter zu führen. Dies soll dazu dienen, am Ende meines Aufenthaltes hier ein „Sporthandbuch“ zu hinterlassen, um so den zukünftigen Sportunterricht zu erleichtern. An den Schulen, an denen es keine Sportlehrer gibt, können dann beispielsweise andere Lehrer mit diesem Handbuch Sport unterrichten.

Mein Leben in San Rafael

Über Sport und Arbeit hinaus will ich auch ein wenig von meinem Privatleben berichten:
Ich wohne in einem Haus mit sechs anderen Freiwilligen, zwei Deutschen (die beiden ASAtinnen), zwei ChilenInnen, einem Bolivianer und einer Nordamerikanerin. Die SüdamerikanerInnen, deren Entsendeorganisation das Haus gemietet hat, waren so nett und haben mich vorübergehend aufgenommen. Bald aber ist deren Arbeit hier beendet, und ich muss mir wohl etwas Eigenes suchen.

Es ist nicht allzu selten, dass es kein Wasser gibt hier in San Rafael del Sur. Das kann etwas nervig sein nach einem langen, heißen Arbeitstag, wenn eine kalte Dusche Gold wert wäre! Aber es gibt 30-Liter-Tonnen, in denen wir Wasser aufbewahren – für die Tage, wenn es mal wieder keines gibt.

Und das Essen? Gallo Pinto (Reis mit Bohnen) steht nicht selten auf der Speisekarte, aber ein wenig Abwechselung gibt es mit der Wahl zwischen Pollo (Hühnchen) oder Beef-Steak dazu.

Bernd Steinhage