"Atabal de Nicaragua"
Informationsblatt zur Solidaritätsarbeit in Nicaragua
Nr. 66 / Winter 2008
 
 

Der alte Neue
Mitarbeiter des Vereins stellen sich vor – diesmal: Tilo Ballien

Die meisten Vereinsmitglieder werden mich kennen, denn schon einmal – von 1999 bis 2002 – hatte ich das Vergnügen, für die StäPa zu arbeiten. Nun bin ich seit Juni 2008 wieder für voraussichtlich zwei Jahre im Vereinsbüro tätig.

Geboren wurde ich 1950 in Göttingen, Niedersachsen. Nach Abitur und Zivildienst begann ich ein Studium der Germanistik und Publizistik, das ich aber nach einigen frustrierenden Semestern abbrach, um an diversen Theatern der Bundesrepublik, hauptsächlich als Dramaturg, zu arbeiten. 1980 ging ich als Geschäftsführer zur damals sehr bekannten „freien Gruppe“ Theatermanufaktur Berlin, die ich zehn Jahre später wieder verließ, um journalistisch zu arbeiten. Während dieser Zeit war ich auch bei diversen kleineren Theatern beschäftigt und arbeitete zwei Jahre in einem interkulturellen Jugendprojekt zu Vietnam und Nicaragua. Nebenbei entstanden einige – inzwischen vergriffene – Romane und etliche Kurzgeschichten, die in Anthologien erschienen.

Schon früh beschäftigte ich mich mit Lateinamerika, auf das ich durch die „Jagd“ auf Ernesto Ché Guevara 1967 aufmerksam geworden war. Seit dem Putsch gegen Salvador Allende 1973 war ich in der Chile-Solidarität aktiv; ab 1985 betreuten meine Frau Helga und ich politische Gefangene, bis sie sich Anfang 1990 durch eine spektakuläre Flucht aus einem Hochsicherheitsgefängnis in Santiago dem Zugriff der Diktatur und damit auch unserer Betreuung entzogen.

Nach dem Sieg der Sandinistischen Volksrevolution in Nicaragua 1979 sammelte die Theatermanufaktur nach Aufführungen des Stücks „Murieta“ von Otto Zonschitz nach einer Vorlage des chilenischen Dichters Pablo Neruda Geld zur Unterstützung des Widerstands gegen die Pinochet-Diktatur und des Aufbaus in Nicaragua. Die nicht unerheblichen Gelder für die Revolution gingen zunächst an das Kulturministerium. 1985 reisten meine Frau und ich erstmals nach Nicaragua, um die Theatergruppe „Nixtayolero“ zu besuchen, die auf einer Finca nördlich von Matagalpa arbeitete. Daraus entwickelten sich eine langjährige Zusammenarbeit und persönliche Freundschaften, die zum Teil bis heute anhalten. Aus Nixtayolero ging 1987 die Frauentheatergruppe „Cihuatlampa“ hervor. Für beide Gruppen organisierten wir gemeinsam mit einigen anderen Leuten neben finanzieller und materieller Hilfe bis Mitte der neunziger Jahre eine Reihe von Europa-Tourneen, die allerdings immer schwieriger und schließlich unmöglich wurden, je mehr europäische Solidaritätsgruppen wegen der neoliberalen Regierungen in Nicaragua ihre Arbeit aufgaben.

Durch diese Solidaritätsarbeit kamen wir auch mit dem Kreuzberger Städtepartnerschaftsverein in Kontakt. Da damals in den achtziger und neunziger Jahren Überweisungen von Deutschland nach Nicaragua ewig dauerten und teuer waren, holten sich „unsere“ Nicas gelegentlich Geld bei Franz Thoma in Managua ab, und wir zahlten hier den entsprechenden Betrag aufs StäPa-Konto. Aber erst durch die Arbeit in dem oben erwähnten interkulturellen Jugendprojekt Mitte der neunziger Jahre entstand eine engere, zunächst ehrenamtliche Mitarbeit.

Nun bin ich also wieder hauptamtlich für den Verein tätig und hoffe, aufgrund meiner Erfahrungen und Fähigkeiten dazu beitragen zu können, dass die Arbeit für die Menschen und mit den Menschen in San Rafael del Sur erfolgreich weitergeführt werden kann. Was ich tun kann, will ich gerne tun – und mit Freude.