Integrierte Armutsbekämpfung - Erfolge sind machbar

Seit Januar 2001 realisieren wir gemeinsam mit unserem lokalen Partner Cedru (Centro de desarollo rural) in San Rafael del Sur ein Programm zur integrierten Armutsbekämpfung, um nachhaltig die Lebensbedingungen gerade der Kleinbauern im ländlichen Raum zu verbessern. Bisher wurden Aktivitäten in folgenden Bereichen realisiert:

  • Verbesserung des kleinbäuerlichen Ackerbaus
  • Schaffung zusätzlicher Einkommensmöglichkeiten im Bereich Kleintierhaltung
  • Schutz der natürlichen Ressourcen unter Einbeziehung von Aufforstungsmaßnahmen
  • Verbesserung der ländlichen Grundbildung

 

Alle Maßnahmen wurden gekoppelt mit umfangreichen Ausbildungskursen, insbesondere zu den Bereichen ökologischer Landbau, organische Schädlingsbekämpfung und organische Düngung, und mit Aktivitäten zu Direktvermarktung, damit die Familien höhere Erlöse unter Ausschaltung des Zwischenhandels realisieren können.


Ab Januar 2002 kamen als neue Komponenten hinzu:

  • Verbesserung der Trinkwasserversorgung in Kleinstgemeinden durch Bau traditioneller Schachtbrunnen
  • Aufbau ländlicher Gesundheitshäuser in Kleinstgemeinden zur Gesundheitsvorsorge und medizinischer Erstversorgung
  • Verbesserung der Menschenrechtssituation durch Ausbildung von Promotoren und Schaffung eines regionalen Zentrums für Menschenrechtsfragen in Zusammenarbeit mit der großen nicaraguanischen Menschenrechtsorganisation CENIDH

 

Gerade der Schwerpunkt im Bereich Aus- und Fortbildung und der Aufbau eines fast sechzig Personen umfassenden Promotorennetzes in den Bereichen Ackerbau, Kleintierhaltung und Ressourcenschutz hat zu ersten nachhaltigen Erfolgen geführt, die unsere Erwartungen bei weitem übertrafen.

 

Durch die Förderung des Gemüseanbaus bei 373 Familien konnten diese, trotz der Dürre im ersten Halbjahr 2001, ein eigenes Einkommen erzielen und ihre Ernährung sichern. Dabei muss man sich vergegenwärtigen, dass für diese Familien das durchschnittliche Haushaltseinkommen bei unter 15 US-Dollar pro Monat lag, so dass Einkommenssteigerungen zwischen 70 US-$ und 200 US-$ pro Ernte in diesem Bereich eine enorme Verbesserung darstellen. Fast ein Drittel der Familien besitzen weniger als einen Hektar Land und waren bisher von extremer Armut betroffen. Obige Einkommensverbesserungen wurden erreicht durch die Anlage von Gemüsegärten in der Größenordnung von 0,3 Hektar bei gleichzeitiger intensiver Schulung in verbesserten Anbaumethoden und organischer Schädlingsbekämpfung. Gleichzeitig waren 70% der Familien auch an anderen Komponenten unseres Programms beteiligt, um ihre Fähigkeit, aus eigener Kraft ein menschenwürdiges Leben zu führen, zu stärken.

 

Parallel führten wir verbesserte Anbaumethoden und verbessertes Saatgut im Bereich des traditionellen Anbaus von Bohnen, Hirse, Bananen und Mais ein. Aufgrund der Dürre im ersten Halbjahr 2001 (die erste Regenzeit fällt häufig aus) wurde damit erst im August 2001 begonnen. Somit haben wir erste Erfahrungen auf der Basis einer Ernte. Die Erfolge sind hier beeindruckend.

 

Beteiligt waren 689 Kleinbauernfamilien, davon hatten über 60% weniger als 5 Hektar Land. Insgesamt 85% besitzen weniger als 10 Hektar Land, so dass Kleinbauernfamilien die Hauptgruppe der Beteiligten stellten. In fast 40% der teilnehmenden beteiligten Familien sind alleinerziehende Frauen der Haushaltsvorstand. Auch hier beteiligten sich alle an umfangreichen Ausbildungsmaßnahmen im Vorfeld, die sich schwerpunktmäßig mit Bodenverbesserung und Erosionsschutz, Einführung von Mischkulturen, organischer Düngung, eigener Düngerherstellung und organischer Schädlingsbekämpfung sowie mit Lager- und Vermarktungsfragen beschäftigten. Betreut wurden sie von den 59 Promotorinnen und Promotoren, die selbst in mehr als zehn Seminaren geschult wurden. Was waren nun die Ergebnisse bei der ersten Ernte?

  • Im Durchschnitt erfolgte eine Verdreifachung bis Vervierfachung (bei Bohnen) der Hektarerträge
  • Bewertet nach den aktuellen niedrigen Marktpreisen direkt nach der Ernte betrug das Ernteergebnis über 140.000 US-$, eingesetzt wurden für verbessertes Saatgut 10.000 US-$. Damit konnte jede Kleinbauernfamilie ihr Einkommen um mindestens 205 US- Dollar schon nach einer Ernte steigern.
  • Das Saatgut wurde in Form eines revolvierenden Fonds zur Verfügung gestellt. Dieser Fonds vergrößerte sich durch die Rückzahlungen der Bauern von 240 Zentnern (Einkauf 2001) auf 324 Zentner Saatgut. Das Saatgut wird in diesem Jahr weiteren Familien zur Verfügung gestellt.
  • Über 1.200 Zentner wurden in den gleichzeitig aufgebauten Silos eingelagert und können dann zu höheren Preisen von den Bauern im Verlaufe des Jahres 2002 verkauft werden, was eine weitere Einkommenssteigerung ermöglicht.

 

Aufgrund der starken Nachfrage der Betroffenen wollen wir im Jahr 2002 dieses Programm in Abhängigkeit der uns zur Verfügung stehenden Mittel / Spenden weiter ausbauen. Mehr als 500 Kleinbauernfamilien möchten schon jetzt in das Programm integriert werden. Über den revolvierenden Fonds allein ist das nicht möglich. Natürlich muss einschränkend gesagt werden, dass alle diese Erfolge im Bereich des Ackerbaus entscheidend vom Wetter abhängig sind, das unsere Arbeit im Herbst 2001 positiv unterstützte. Um diese Wetterabhängigkeit zu reduzieren, wollen wir verstärkt auch kleine, angepasste Bewässerungsvorhaben realisieren. Aber auch das ist eine Kostenfrage. Eine Verminderung der Klimaabhängigkeit kann ebenfalls durch das parallel laufende Programm zur Einführung von Kleintierhaltung erreicht werden.

 

Durch dieses Projekt konnten im ersten Jahr über 300 Familien im Bereich Hofhühnerhaltung Einkommenssteigerungen von durchschnittlich 200 US-Dollar erreichen, wobei zu fast 70% alleinerziehende Frauen die Profitierenden waren. Weitere 76 Familien begannen mit der Aufzucht von Schafen. Nach nur einem knappen halben Jahr wurden hier Einkommenssteigerungen von ca. 180 US-Dollar erzielt. In beiden Bereichen werden ebenfalls revolvierende Fonds aufgebaut, d.h. die begünstigten Familien geben die erhaltene Anzahl an Tieren plus zehn Prozent zurück, die dann an neue Familien weiter gegeben werden. Während dieses Prinzip im Bereich der Schafszucht gut funktioniert, konnte der Fonds für die Hühnerhaltung bisher nur begrenzt eingerichtet werden. Die katastrophale Einkommenssituation der beteiligten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern (auch aufgrund der Dürre im ersten Halbjahr) führte zu der Entscheidung, diesen Fonds erst später aufzubauen.

 

Im Bereich der Wiederaufforstung konnten trotz der ungünstigen Witterung im ersten Halbjahr 107 private Baumschulen mit über 60.000 Bäumen aufgebaut werden. Bisher wurden 50% der Setzlinge ausgepflanzt. Eine weitere kommunale Baumschule sowie 33 Energieholzpflanzungen sind entstanden. Daneben wurden auf kommunaler Ebene neue Waldschutzzonen ausgewiesen und die Aktivitäten des örtlichen Umweltkomitees verstärkt.

 

Im ländlichen Bildungsbereich haben wir acht Grundschulen renoviert und mit der Vorbereitung für den Aufbau dezentraler Bibliotheken, der Einrichtung von Kursen zur Lehrerfortbildung und Erwachsenenalphabetisierung sowie der Planung für den Neubau weiterer Schulräume begonnen, damit die Möglichkeiten zur Grundbildung sich insbesondere im ruralen Bereich verbessern.

 

Gleichzeitig gelang es unserem lokalen Partner CEDRU ein umfangreiches Netzwerk in San Rafael del Sur unter Einbeziehung der Gemeindeverwaltung aufzubauen, so dass weitere Institutionen und nationale Nichtregierungsorganisationen in dieses umfangreiche Programm zur integrierten Armutsbekämpfung einbezogen werden konnten. Dies betrifft sowohl die Zusammenarbeit mit Einrichtungen in Masaya und mit PROSESUR in der Kleintierhaltung, als auch die Bereiche Ackerbau (Zusammenarbeit u.a. mit dem Kreditfonds der EU in Nicaragua), Bildung (Zusammenarbeit u.a. mit spanischen NGOs) und Umweltschutz (Zusammenarbeit u.a. mit einer brasilianischen NGO). Gleichzeitig erfolgt eine enge Koordination aller Aktivitäten mit UNAG, dem Verband der Landarbeiter und Viehzüchter.

 

Wir hoffen, dass wir auch im Jahre 2002 die notwendige Unterstützung erhalten werden, um die bisherigen und die neuen Projektkomponenten im erforderlichen Umfang fortsetzen zu können. Die Europäische Union hat uns nach Prüfung unseres Zwischenberichtes, wobei sämtliche Ausgaben vorab durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft kontrolliert wurden, die zweite Rate für diese Aktivitäten bewilligt. Jetzt liegt es an uns, die notwendige Unterstützung durch Spenderinnen und Spender zu erhalten, damit weitere Familien aus unserer Partnerstadt sich an diesen bzw. an den neu geplanten Aktivitäten beteiligen können. Von den inzwischen 1.700 angemeldeten Familien konnten 500 Familien bisher nicht berücksichtigt werden. Aufgrund der Erfolge des ersten Jahres ist davon auszugehen, dass weitere Kleinbauernfamilien sich melden werden, soweit wir wieder neue Interessentinnen und Interessenten aufnehmen können.

 

Bitte ermöglichen Sie die Ausweitung dieses Programms durch eine Spende. Auch erste Kurse zu Fragen der Menschenrechte, hier zu Rechten der Frauen in der nicaraguanischen Gesellschaft, zeigten einen enormen Bedarf und müssen ebenso wie angepasste Bewässerungsvorhaben, Aufbau örtlicher Gesundheitshäuser, Schulrenovierungen/Neubauten und Errichtung traditioneller Brunnen fortgesetzt werden.